Politisch interessierte Jugendliche freuen sich auf ihr Stimmrecht

Von: Markus Bienwald
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Anna-Lena Bierbaum, Julia Rodrigues und Youri Ruken (v.l.) sind alle 15 Jahre jung und machten bei der U18-Wahl freiwillig als Helfer mit. Foto: Markus Bienwald
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Lukas Offermann überzeugt sich vom Zustand der Wahlkabine.

Gangelt. Nächsten Sonntag entscheiden die Bundesbürger über die Zusammensetzung des Bundestages. Die jungen Leute bleiben wegen der Altersgrenze außen vor. „Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht für Politik interessieren und keine Meinung haben“, sagt Anna-Lena Bierbaum.

Sie ist 15 Jahre alt und sitzt am Freitagnachmittag in den Räumen der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Birgden an einem Tisch und wartet auf Jungwähler. Das tut sie natürlich nicht, um sie etwa von einer Partei oder einer politischen Gesinnung zu überzeugen. Vielmehr ist sie gemeinsam mit ihren Altersgenossen in der CAJ (Christliche Arbeiterjugend Deutschland) Julia Rodrigues und Youri Ruken vor Ort, um die offizielle „U 18-Wahl“ für Kinder und Jugendliche vor Ort zu begleiten.

Immer neun Tage vor einem offiziellen Wahltermin ist die von verschiedenen Trägern der Jugendarbeit initiierte Wahl eine Chance, seine Stimme abzugeben, auch wenn man das Wahlalter noch nicht erreicht hat. „So kann man sein Kreuz machen und über die Verantwortung nachdenken, die man mit dem Stimmrecht hat“, ergänzt Youri Ruken.

Eine repräsentative Wahl ist das natürlich nicht, auch haben die Ergebnisse keine Auswirkungen, es wird nach ihnen kein Parlament zusammengesetzt. „Darum ist das richtige Wählen vielleicht noch was anderes“, meint Julia Rodrigues. Dennoch sind die jungen Leute sich darüber bewusst, dass auch ihre Stimme eine Auswirkung hat. „Es ist doch so: Wir sind die nächste Generation, und was diejenigen, die wählen dürfen, verbocken, müssen wir später einmal ausbaden“, macht Youri klar.

Und auch wenn die U 18-Wahl dann irgendwann mit ihren Ergebnissen nur eine Statistik auf einer Festplatte wird, trägt sie zumindest bei den drei noch nicht Wahlberechtigten in Birgden zur politischen Bildung bei. „An unserer Schule ist es so, dass man das Thema Wählen erst in der Oberstufe behandelt“, sagt Anna-Lena Bierbaum. Da sei es ganz hilfreich, diese demokratische Möglichkeit des Wahlrechts einmal zu trainieren.

NRW-weit siegt die CDU

So ist das Wahllokal, das ausgewählt wurde, auch entsprechend ausgestattet. Es gibt eine Anmeldung, Wahlzettel, eine Wahlkabine und eine Urne. „Ganz so wie bei der richtigen Wahl“, unterstreicht CAJ-Bildungsreferent Lukas Offermann. „Ein Unterschied ist allerdings, dass wir nur mit Zweitstimmen arbeiten, um halbwegs repräsentativ sein zu können“, sagt er.

Das bedeutet letztlich, dass die lokalen Kandidaten hier nichts aus einem möglichen Wahlverhalten der kommenden Generation direkt für sich ableiten können. Bei der kleinen Zahl der Wahlkreise hätte es keinen Sinn ergeben, einzelne lokale Kandidaten aufzuführen, schließlich ist Birgden im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung der einzige Ort, in dem man wählen kann.

Wählerlisten gibt es auch nicht, aber einen Wahlzettel, der aus statistischen Gründen das Geschlecht und das Alter aufführt. So könnten theoretisch schon Babys wählen, denn von null bis 17 Jahren sind alle Kästchen vertreten. Die meisten der gut drei Dutzend Wähler an diesem Tag sind allerdings deutlich dem Jugendalter zuzuschreiben.

Vielleicht wären es noch mehr Teilnehmer gewesen, die jungen Leute am Tisch in Birgden glauben, dass auch das ausgesprochen miese Wetter manche vom Besuch des Wahllokals abgehalten hat. Dennoch sind sich die drei Jugendlichen, die erst bei der kommenden Bundestagswahl wählen dürfen, sicher, dass sie hier einen wichtigen Job gemacht haben. „Klar, Wählen gehört natürlich auch zu den Dingen dazu, die man lernt, wenn man erwachsen wird“, sagt Anna-Lena Bierbaum zum Abschluss.

„Aber diese Wahl gibt einem schon die Chance auf eine andere Sicht der Dinge“, sagt sie. Und Youri Ruken ist sicher, dass man beim Wählen immer auch in der Hand hat, was aus Deutschland werden kann und was nicht.

Die Wähler in Birgden lagen übrigens im Trend für den Kreis Heinsberg, der sich aus der U18-Wahl ergeben hat: Die SPD war bei den unter 18-Jährigen mit 28,2 Prozent der Stimmen die Nummer eins vor den Grünen mit 20,9 Prozent und der CDU mit 18,8 Prozent und den sonstigen Parteien mit 9,4 Prozent. Bei den „kleinen“ Parteien lag die FDP mit 6,1 Prozent knapp vor den Linken und der „Partei“ mit 5,8 Prozent vor der Tierschutzpartei.

NRW-weit siegte die CDU vor der SPD und den Grünen, was den Bundestrend widerspiegelte. Die AfD kam bei dieser Wahl im Kreis Heinsberg auf 2,53 Prozent, im Land auf 5,01 Prozent und im Bundesergebnis auf 6,8 Prozent.

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