Pfingsfest: Mehr Kirmes als Kirche

Von: Johannes Gottwald
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Das Pfingstfest gab auch einer Blume den Namen: Die Pfingstrose blüht in dieser Jahreszeit, und ihre meist roten Farbtöne weisen auf die biblischen Feuerzungen hin.
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Die Ausgießung des heiligen Geistes: Eine der wenigen Darstellungen des Pfingstfestes in unserer Region findet man im Chorraum der Teverener Pfarrkirche. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. In allen Terminkalendern des Jahres 2014 sind der 8. und der 9. Juni rot markiert: Pfingsten steht vor der Tür – neben Weihnachten und Ostern das dritte große Fest, das an zwei Tagen gefeiert wird. Während aber Weihnachten und Ostern durch ihr weltliches Brauchtum („Christkind“, „Osterhase“) noch fest im Bewusstsein der Menschen, vor allem jüngeren, verankert sind, ist das bei Pfingsten nicht der Fall.

Abgesehen von den regelmäßigen Kirchgängern wissen die meisten Leute gar nicht mehr, was an Pfingsten religiös gefeiert wird.

Da Pfingsten – ähnlich wie Christi Himmelfahrt – zu den „beweglichen Festen“ gehört, die sich am jährlichen Ostertermin orientieren, liegt der Gedanke eines Zusammenhanges nahe. So ist es in der Tat: Die alte kirchliche Bezeichnung für den Pfingstsonntag lautet „Dominica Pentecostes“, lateinisch-griechischer Ausdruck, bedeutet „fünfzig Tage“ – eben nach Ostern.

Dabei handelt es sich um keine willkürliche Festlegung, sondern man bezieht sich auf eine biblische Tradition. Nach dem Bericht des Evangelisten Lukas erfolgte die Himmelfahrt Jesu vierzig Tage nach Ostern – daher fällt dieses Fest stets auf einen Donnerstag. In den folgenden Tagen versammelten sich die Apostel in Jerusalem mit Jesu Mutter Maria zum gemeinsamen Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes.

Auch für diesen Zeitraum kennt die Kirche eine besondere Tradition – die „Pfingstnovene“. In den neun Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten betet man in den katholischen Gemeinden besonders um die Gaben des Heiligen Geistes. Dem biblischen Bericht zufolge kam dann am Pfingsttag, dem jüdischen Erntedankfest, der Heilige Geist in Form eines Sturmwindes und mit Feuerzungen, die sich auf den Jüngern Jesu niederließen.

Dabei kam es zu Wundererscheinungen: Sie konnten plötzlich in fremden Sprachen reden, jeder Mensch egal welcher Herkunft konnte sie verstehen. Und sie hatten plötzlich den Mut, ihren Glauben zu bekennen und zu verkünden, während sie sich zuvor oft ängstlich verborgen hatten, um nicht ebenso wie Jesus verhaftet und hingerichtet zu werden. Petrus hielt eine große Predigt, die auf die Menschen unerwartet große Wirkung hatte. Etwa dreitausend, heißt es, ließen sich taufen.

Das Pfingstfest kann man gewissermaßen als den Gründungstag der Kirche ansehen. Zugleich bildet es den feierlichen Abschluss der Osterzeit, was darin zum Ausdruck kommt, dass danach die Osterkerze aus dem Altarraum genommen wird und ab dem Pfingstdienstag auch die liturgische Farbe wieder zu grün wechselt.

Dass Pfingsten trotzdem nicht so populär wie andere Hochfeste wurde, hängt vielleicht damit zusammen, dass sich die Menschen den Heiligen Geist nur schwer vorstellen können. Bei der Geburt Jesu (Weihnachten) oder der Auferstehung (Ostern) handelt es sich dagegen um Ereignisse, die man sich konkret ausmalen kann, die auch viel stärkere emotionale Wirkung haben.

Gerne wird der Heilige Geist durch eine Taube symbolisiert – aber bezeichnenderweise wird das Pfingstereignis nur relativ selten auf Bildern oder Kirchenfenstern dargestellt.

Ein speziell auf das Pfingstfest bezogenes Brauchtum kennt man in unserer Region nicht. Wohl aber feiern vielerorts die Schützenvereine an diesem „langen Wochenende“ ihre Kirmessen, beispielsweise in Geilenkirchen, wo die Schützen einen Festumzug veranstalten und auch ein Jahrmarkt stattfindet. Mit Christi Himmelfahrt sind dagegen die Bittprozessionen verbunden.

In den Tagen vor dem Fest zieht man auf die Felder und betet um gutes Wetter und eine reiche Ernte. Vor allem im Selfkant ist diese Tradition noch vielerorts lebendig. Aber auch viele Schützenvereine – zum Beispiel in Übach oder in Frelenberg – ermitteln schon am Vatertag den neuen Schützenkönig.

Das gibt keinen direkten Bezug zu Pfingsten, anders jedoch im nahen Setterich. Dort findet seit alters her eine Pfingstprozession statt, an der neben der Gemeinde auch die örtliche St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft teilnimmt. Ähnlich wie an Fronleichnam wird das Allerheiligste durch die Straßen getragen, dazu der Rosenkranz gebetet und in der Pfarrkirche der sakramentale Segen erteilt. Danach zieht man zum Frühschoppen ins Festzelt am Rathausplatz, wo die „weltliche“ Kirmes beginnt.

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