Peter Speckens ist bester Jahres-Seniorensportler

Von: Wilfried Rhein
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Spezialist an Wurf-Sportgeräten. Peter Speckens hier mit Diskus und Speer; Kugel, Hammer und Gewicht kommen hinzu.

Übach-Palenberg. Einige Tonnen Metall hat er schon sehr weit ins Feld geworfen. Das tat Peter Speckens nicht aus Gründen der Entsorgung. Sport war und ist sein Antrieb. Und es ist nicht so, dass die Konkurrenz für den jetzt 77-Jährigen kleiner wird. Denn Peter Speckens bewegt sich als „Werfer“ auf internationaler Ebene. Seine Erfolge allein aus dem Vorjahr brachten dem Übach-Palenberger jetzt den Titel „Seniorensportler des Jahres“ ein.

Für Szenenkenner verbindet sich der Namen Peter Speckens mit dem des Sportvereins Rot-Weiß Schlafhorst. Ein Leichtathletikklub, der zwar auf betriebssportlichem Niveau entstand, von Beginn an jedoch offen war für alle Interessierten. Dieser Hintergrund hatte auch mit der Geschichte des Unternehmens zu tun, für das Peter Speckens in die Stadt an der Wurm kam – und blieb.

Seine Verbindung zum Textilmaschinenbauer Schlafhorst resultiert noch aus dessen Stammhaus Mönchengladbach, in dem der hoch aktive Sportler eine Schlosserlehre absolvierte. Peter Speckens, am 28. Mai 1935 in Rheindalen geboren, nahm danach ein Maschinenbaustudium auf. Mit diesem Abschluss wurde ihm angetragen, das Werk in Übach-Palenberg aufzubauen. Eine große Hoffnung für die Menschen vom Bergbau, deren Grube Carolus Magnus gerade geschlossen hatte.

Rund 150 Altkumpel wurden direkt in den Aufbau mit einbezogen; in Zeiten der Hochbeschäftigung waren bis zu 1760 Mitarbeiter im unternehmen. 1963 war Produktionsstart für Maschinenteile und Aggregate, die ins Stammhaus geliefert wurden. Produziert wurde im Akkord, die Arbeit galt als einseitig. Als Ausgleich für die körperliche Monotonie sollte Sport helfen. Der 18. April 1968 ist als Gründungstag des SV Schlafhorst eingetragen.

Peter Speckens wurde Vorsitzender, Zweiter im Amt Josef Reinartz. Auch Wolfgang Gudduschat gesellte sich zu den Mitgründern. Im Vorstand wurde er Gerätewart, nachdem er vom Boxsport zur Leichtathletik gewechselt war. Heute ist Wolfgang Gudduschat selbst Vorsitzender des SV Rot-Weiß mit rund 300 Mitgliedern und erinnert sich: „Die vom Bergbau zu Schlafhorst kamen, waren ganz hervorragende Mitarbeiter. Das Umdenken vom groben Zentimeter bis zum tausendstel Millimeter hat auch geklappt.“

Das sportliche Angebot des neuen Vereins in Übach-Palenberg umfasste die ganze Palette leichtathletischer Disziplinen, was Peter Speckens entgegenkam, der bereits als Jugendlicher beim Gladbacher Polizeisportverein, bei Union Rheydt und schließlich für Bayer Leverkusen antrat und von 1964 bis ‘71 fünfmal Deutscher Mannschaftsmeister mit dem Diskus und beim Kugelstoßen wurde.

Das „Werfen“, so der Spartenbegriff, ließ Peter Speckens nicht mehr los. Der Speer kam hinzu, der Hammer, üblich 7,25 kg, dazu das „Gewicht an kurzer Kette“, in der Hauptklasse 15 Kilo schwer; in den höheren Altersklassen sind die Gewichte reduziert. Was jedem Sportler bleibt, ist das Training. „Für mich galt Krafttraining als Aufbau für die ganze Körpermuskulatur“, erinnert sich der 77-Jährige an der Grundsatz von damals, der auch heute noch gilt. Nach der Vereinsgründung fanden die Rot-Weißen in einem alten Lok-Schuppen ein Trainingsrevier für den Abend. In Eigenleistung folgte mit einer Bauzeit von drei Jahren das Fitness-Center.

Als Peter Speckens 1997 in den Ruhestand trat und den SV-Vorsitz an Wolfgang Gudduschat weitergab, war er 40 Jahre im Unternehmen und 34 Jahre Werksleiter in Übach-Palenberg gewesen. Aber ohne feste zeitliche Grenzen ist der „Werfer“ seinem Sport treu geblieben. Im Trophäenschrank (neben dem Hometrainer) gibt es weit mehr Auszeichnungen als die bislang rund 40 Goldmedaillen bei World Master- oder -Veterans-Meisterschaften; er ist erfolgreichster Athlet dieser Welttreffen. Im europäischen Vergleich sammelte Peter Speckens 27-faches Gold, und 65 Titel holte er bei Deutschen Meisterschaften.

Alles aber ist nicht planbar. Rund zwei Jahre liegt es zurück, dass sich der jetzt 77-Jährige schlimm verletzte; bei einem Wettkampf in Hückelhoven erlitt er einen Sehnenriss in der Schulter. „Die Ärzte sahen meine sportliche Zukunft anders, aber ich habe mich mit hartem Training wieder zurück gebracht“, beschreibt Peter Speckens. Das will er weiter so halten, versichert der Unternehmungslustige. Die kommenden Europameisterschaften im spanischen San Sebastian sind ein Fall für ihn.

Im Oktober dann geht es nach Brasilien – einem für ihn noch „freien Fleck“ auf seiner real existierenden Weltkarte. Seine Reisen unternimmt er teils mit Ehefrau Irmgard, Hochzeit 1959. Oder, das ist häufiger, seine Sportkameraden aus anderen Vereinen haben die gleichen geografischen Ziele.

Begleitet wird Peter Speckens am 24. Februar auch nach Düsseldorf. Die Fachzeitschrift „Selaplus“ aus einem Aachener Verlag, die ihm – erneut nach 2006 – den Titel „Seniorensportler des Jahres“ verliehen hat, wird den Übach-Palenberger dann persönlich auszeichnen.

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