Opernworkshop: Realschüler verwandeln sich in wilde Tiere

Von: Benjamin Jansen
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Hypnotische Wirkung: Königssohn Tamino verzaubert die wilden Tiere mit seiner Flöte, um die Prinzessin zu retten. Foto: Benjamin Jansen

Übach-Palenberg. Es ist kurz nach 9 Uhr, als sich das Pädagogische Zentrum in die heiße Wüste Ägyptens verwandelt. Dort, wo sonst Vorträge und Referate gehalten werden, liegt jetzt Sand, „so weit das Auge reicht”. Und mittendrin befinden sich die Fünftklässler der Städtischen Realschule Übach-Palenberg.

Claudia Fenn zieht die 10-Jährigen schnell in ihren Bann. Statt Mathe steht heute nämlich Mozart auf dem Unterrichtsplan. Mit den Schülern erarbeitet sie „Die Zauberflöte”, Mozarts letztes und bekanntestes Bühnenwerk. Auf spielerische Art entführt Fenn die Kinder in eine andere Welt. Und in dieser Welt sind sie Könige, Prinzessinnen oder wilde Tiere. Dabei sein ist alles.

„Mitmachen ist heutzutage unglaublich wichtig. Kinder prägen sich das Gelernte viel besser ein, wenn sie es selbst aktiv gestalten”, erklärt Fenn. Das ist die Grundidee, die das Musiktheater „Kinder des Olymp” verfolgt. Zusammen mit Johannes Föttinger lernt sie die Schüler an und zeigt, dass das verstaubte Image der Oper schnell zum Leben erweckt werden kann - solange man mit Spaß bei der Sache ist.

Viele Abenteuer

Den hat auch Föttinger, wenn er in die Rolle des Papageno schlüpft. Der flapsige Vogelsänger wird dem Königssohn Tamino zur Seite gestellt, um Prinzessin Pamina aus den Händen des bösen Fürsten Sarastro zu befreien.

„Es ist der Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse. Die Oper auf diesem Weg zu erfassen, ist optimal”, schwärmt Musiklehrerin Birgit Herrmann, die die „Kinder des Olymp” bereits im Vorjahr zu einem Auftritt im Schulzentrum bewegen konnte.

Die Rolle des Bösewichts ist bei den Schülern besonders beliebt. Aber auch die wilden Tiere, die Tamino mit seiner magischen Zauberflöte zähmt und die Flammen, die der kleine Prinz durchquert, kommen gut an.

Im Tempel Sarastros muss Tamino allerdings feststellen, dass dieser gar nicht der Bösewicht ist, für den er ihn hält. Nachdem der Königssohn seine Prinzessin endlich gefunden hat und sie gemeinsam einige Prüfungen überstanden haben, werden sie in den Kreis der Eingeweihten in Sarastros Sonnentempel aufgenommen. „Es handelt sich zum Großteil um den originalen Text. Einige Passagen sind lediglich gekürzt wurden”, berichtet Fenn, die Papagena spielt und fleißig mit ihrem Geliebten Papageno Arien singt.

Zweistündiges Casting

Im Musikunterricht bereitete Birgit Hermanns die Schüler auf die Oper vor. „Das Spannende an der Geschichte war, dass man durch die Rollenspiele vollkommen neue Seiten an den Kindern erkennen konnte”, berichtet die Musiklehrerin. „Außerdem ist es interessant zu sehen, dass man über die Aktivität den Zugang zur Oper schaffen kann - obwohl die Schüler einen ganz anderen Musikgeschmack haben.” Aktiv wurden die Schüler auch in der unterrichtsfreien Zeit: In der siebten Stunde wurden die Dialoge einstudiert. Zuvor war ein zweistündiges „Casting” vorgenommen worden, um einen Teil der festen Rollen zu vergeben.

Neben der „Zauberflöte” führte die siebte Klasse auch Mozarts klassisches Werk „Die Entführung aus dem Serail” auf. Hier schlüpften Fenn und Föttinger in die Rolle des Dienerpaares Blonde und Pedrillo und führten die Schüler vom Piratenüberfall auf Belmontes Schiff bis hin zur Entführung aus dem Palast des Bassa Selim.

„Mit diesen beiden Opern kann man besonders gut Werte vermitteln. Im Leben muss man nämlich ständig irgendwelche Prüfungen ablegen. Das wird schön zum Ausdruck gebracht”, sagt Hermanns.

Der Applaus der Schüler gab ihr Recht.
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