„Nur gewehrt“? Tödliche Prügelei vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Richterhammer Symbol: Uli Deck/dpa
Ein Angeklagter soll mit einer abgebrochenen Flasche auf seinen Kontrahenten eingestochen, ihn getreten und verprügelt haben. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Aachen/Übach-Palenberg. Er sei nach einer durchzechten Nacht von seinem Mitbewohner verfolgt und immer wieder angegriffen worden, berichtete der wegen versuchten Mordes angeklagte Mourad L. (36) vor dem Aachener Schwurgericht. Am Ende habe er sich nur gewehrt, eine Holzlatte ergriffen und auf den Angreifer eingeschlagen.

Das sei alles gewesen, bekräftigte Mourad L. Laut Anklage soll er allerdings mit einer abgebrochenen Flasche auf seinen Kontrahenten eingestochen, ihn getreten und verprügelt haben.

Der Bewohner eines Asylantenheimes in Übach-Palenberg ist marokkanischer Abstammung und hatte sich eines Nachts mit einem dunkelhäutigen Mitbewohner aus Eritrea bis in die frühen Morgenstunden auf eine Zechtour begeben, wie L. die Ausgangssituation der Gewalttat dem Vorsitzenden Richter Roland Klösgen schilderte.

Die Hautfarbe ist in diesem Fall von Bedeutung, weil Zeugen schilderten, dass der „Hellhäutige“, also der Angeklagte, auf den „Dunkelhäutigen“ mehrfach „und bis zum Umfallen“ eingeschlagen habe, wie es eine Sozialarbeiterin, die den Kampf aus dem Fenster mit angeschaut hatte, berichtete.

Doch zunächst zur Schilderung des Angeklagten. Als es am 2. März dieses Jahres bereits wieder hell geworden sei, berichtete L., hätte Zechkumpel Achmed ihn aufgefordert, man solle doch weitertrinken, ansonsten seien sie keine richtigen Männer. Er habe ihn, Mourad L., sodann überredet, in einem nahen Discounter noch eine Flasche Whiskey zu kaufen, der bereits ziemlich betrunkene Kumpel habe sogar das Geld dazu gegeben. Er habe nicht locker gelassen, so dass man weitertrank.

Dann aber begann im Asylantenheim der Streit, wie es auch in anderen Milieus unter Betrunkenen oftmals der Fall ist. Nach der Schilderung des Angeklagten habe der völlig betrunkene Achmed ihn zunächst„mit einer Tasse“ auf den Kopf geschlagen.

Weiterer Angriff

Das habe er nicht so richtig ernst genommen, im Gegenteil, mit Hilfe eines weiteren Mitbewohners habe er den Kumpel nach oben bringen und unter die Dusche stellen wollen. Das passierte dann wohl auch. Als der Angeklagte dann selber duschen wollte, sei ihm aufgefallen, dass er bereits zahlreiche Verletzungen davon getragen habe, er blutete aus mindesten drei Schnittwunden.

Dann sei er, auch um weiteren Angriffen zu entgehen, nach unten gegangen und habe die Behausung verlassen wollen. Doch kaum habe er vor der Haustür auf der dortigen Wiese gestanden, sei der andere hinterher gekommen und habe ihn erneut angegriffen.

Daraus entwickelte sich eine handfeste Schlägerei, deren einzelne Momente Richter Roland Klösgen durch die Aussagen von Zeugen aufhellen wollte, richtig und umfassend gelang das bisher nicht.

So sagte eine junge Mutter, die gegenüber wohnt, aus, sie könne sich heute an kaum noch etwas erinnern, nur dass dort geschlagen wurde. Die bereits erwähnte Sozialarbeiterin wusste zumindest, dass die zwei „aus Mattigkeit oder wegen des Alkohols“ hin und her schwankten.

Der Dunkelhäutige habe letztlich den Kürzeren gezogen und habe beim Eintreffen der Polizei auf dem Boden gelegen. Der Prozess wird am Freitag, 15. September, fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert