Neue Heimat für Anitas Puppe

Von: st
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Elfriede Goertz übergibt Schulleiter Uwe Böken Anitas Puppe als Dauerleihgabe. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Ich habe diese Puppe immer gut behütet, zeitweise habe ich sie versteckt. Jetzt habe ich mich entschlossen, sie in dieser Schule zu lassen. Hier ist sie gut aufgehoben.” Ein bewegender Moment in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen. Als Elfriede Goertz mit diesen Worten Schulleiter Uwe Böken die Puppe als Dauerleihgabe übergibt, hat sie Tränen in den Augen.

In diesem Moment kommen wieder die Erinnerungen auf, die schrecklichen Erinnerungen an das Jahr 1942, in dem ihre jüdische Freundin Anita Lichtenstein im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie im Konzentrationslager ums Leben kam. An dem Tag, an dem sie deportiert wurde, gab sie ihre Puppe Elfriede mit den Worten: „Elfriede, verwahr mir die Puppe. Von dir weiß ich, dass du sie mir zurückgeben wirst. Du darfst auch damit spielen.” Anita hat ihre Puppe nie mehr wiedergesehen. Sie hat nie mehr mit ihr spielen können. Elfriede Goertz aber hat sie seitdem wie einen Schatz gehütet. Die Puppe hat sie ein Leben lang begleitet.

Seit 1993 trägt die Geilenkirchener Gesamtschule den Namen Anitas und erinnert damit an das Geilenkirchener jüdische Mädchen und an die Greueltaten der Nazis.

An die Greueltaten der Nazis erinnert auch der „Zug der Erinnerung” der am 25. und 26. März in Geilenkirchen steht. Bei diesem Zug handelt es sich um eine rollende Ausstellung, die an mehrere 100000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Europa erinnert, die verschleppt und auf dem Schienennetz der Reichsbahn in die Vernichtungslager der Nazis gebracht wurden. Im Hinblick auf diese Ausstellung beschäftigen sich derzeit alle weiterführenden Schulen mit der Nazizeit. Auch in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule wurden verschiedene Projektgruppen zu diesem Thema gegründet.

Vertreter dieser Projektgruppen wohnten jetzt der Übergabe der Dauerleihgabe bei. Zwei Zeitzeugen, Elfriede Goertz und die langjährige Geilenkirchener Buchhändlerin Marlene Mühlbauer, berichteten vor den jungen Leuten von ihrer eigenen Kindheit im Nationalsozialismus.
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