Geilenkirchen - Neue Aufgaben in Libyen und Afghanistan?

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Neue Aufgaben in Libyen und Afghanistan?

Von: Udo Stüßer
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Oberstleutnant Sylvain Turbide
Oberstleutnant Sylvain Turbide (r.) und Brigadegeneral Jürgen Beyer begrüßten beim Neujahrsempfang Peter Fröschen (stellv. Bürgermeister Übach-Palenberg), Peter Jansen (Bürgermeister Erkelenz), Thomas Fiedler (Bürgermeister Geilenkirchen) und Bernd Jansen (Bürgermeister Hückelhoven v.l.).

Geilenkirchen. Rüstungskontrolle und Geilenkirchen gehören auch in Zukunft zusammen: Dies stellte am Donnerstag Brigadegeneral Jürgen Beyer, Kommandeur des Zentrums für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr, beim gemeinsamen Neujahrsempfang mit der Kanadischen Unterstützungseinheit in Europa in der Selfkant-Kaserne fest.

„Nach den Ankündigungen der Politik zur Aussetzung der Wehrpflicht, zur Umstrukturierung und zur damit einhergehenden Verkleinerung der Bundeswehr stand 2011 wieder einmal die Frage im Raum, ob das Zentrum auch in Zukunft in Geilenkirchen stationiert bleiben wird oder mit einer Verlegung in Richtung Hauptstadt zu rechnen ist”, blickte er vor über 150 Gästen aus Militär, Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben zurück.

„Nachdem die Frage eines Umzuges ja bereits 2004 schon einmal im Raum stand, können wir bei zukünftigen Ankündigungen von Standortschließungen mittlerweile schon gelassen und mit einer gewissen Routine im Aussitzen derartiger Drohungen aufwarten”, blickte er nach vorne. Trotz allem gibt es einen Wermutstropfen: „Wir hatten 2011 drei Monate Zeit und Gelegenheit zu untersuchen, wie es uns gelingen wird, 30 Prozent des Personals einzusparen und trotzdem unsere Aufgaben weiter zu erfüllen.”

Schließlich sei es gelungen, die vorgegebene reduzierte Personalstärke des Zentrums der Zukunft mit dem Auftrag in Einklang zu bringen. „Nach jetzigem Stand wird die Umgliederung des Zen-trums erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 erfolgen.” Derzeit hat das Zentrum 220 militärische und zivile Mitarbeiter.

Der Kommandeur zog auch Bilanz: „Wir haben im vergangenen Jahr entsprechend der zur Verfügung stehenden Quoten und gemäß bilateraler Absprachen alle Verifikationsmaßnahmen im Bereich des Vertrages über konventionelle Streitkräfte in Europa, dem Wiener Dokument 1999, dem Vertrag über den Offenen Himmel und dem Dyton-Friedensabkommen erfolgreich durchgeführt.”

In Zahlen ausgedrückt: 18 passive Einsätze durch die Begleitung von auswärtigen Inspektionsteams in Deutschland, 45 aktive Verifikationsmaßnahmen im Ausland und 21 Gastinspektoreneinsätze mit Verifikationsteams anderer Nationen. „Darüber hinaus konnten wir feststellen, dass die Ausbildungsunterstützung für andere Staaten und Organisationen einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Das mag daran liegen, dass der Zwang zu Personaleinsparungen bei anderen Nationen noch stärkere Lücken reißt als bei uns.”

Nicht ohne Stolz sagte Beyer: „Zum anderen liegt es aber auch daran, dass unsere Expertise international sehr gefragt ist, wir hohes Ansehen genießen und wir in der internationalen Gemeinschaft so etwas wie der Motor der Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung geworden sind.” So haben die Geilenkirchener Abrüstungsexperten auf dem Gebiet Kleinwaffen und Munition die OSZE bei Missionen in Tadschikistan und Serbien unterstützt und waren an der Chemiewaffen-Inspektion der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Libyen beteiligt.

Der Kommandeur blickte aber auch auf „problematische und langwierige” diplomatische Abstimmungsprozesse: „Wenn wir uns das Geschehen rund um den KSE-Vertrag in den letzten Jahren anschauen, so stellt man fest, dass es sich schon lange nicht mehr wirklich um Bemühungen handelt, Russland wieder in die Implementierung zurückzuholen.” Manchmal scheine es, als ob die Rüstungskontrolle immer wieder in Geiselhaft genommen werde für andere, zwischenstaatliche Dispute.

„Und da es davon zur Zeit reichlich gibt, treten wir leider Gottes rüstungspolitisch auf der Stelle.” Bayer rechnet in diesem Jahr aber auch mit neuen Aufgaben: Eine Teilnahme an den anlaufenden internationalen Initiativen zur Sicherung und Zerstörung von Kleinwaffen und tragbaren Flugabwehrwaffen in Libyen schließt er ebenso wenig aus wie Kleinwaffen- und Munitionsprojekte in Afghanistan.

Zum Neujahrsempfang begrüßte Brigadegeneral Jürgen Beyer auch seine Vorgänger Hans Hübner und Jens Zimmermann. Auch Brigadegeneral a.D. Hans-Jürgen Hugenschmidt, ehemaliger Chef des Stabes im Zentrum, und Brigadegeneral Burkhard Pototzky, Kommandeur des Awacs-Verbandes, waren anwesend. Aus dem Hauptquartier in Brunssum waren die Brigadegenerale Thomas Berghoff und Mike Jorgensen gekommen.

Herzlich begrüßt wurden alle Gäste auch vom Kommandeur der kanadischen Unterstützungseinheit in Europa, Lieutenant Colonel Sylvain Turbide.

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