Nazisymbol auf T-Shirt sorgt für großes Entsetzen

Von: Udo Stüsser
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Geilenkirchen. Als der Deutsch- und Religionslehrer an diesem Morgen den Klassenraum betritt, ist er entsetzt: Trägt doch eine seiner Schülerinnen ein T-Shirt der Modemarke „Boy“. Und genau auf dem „o“ prangt der Parteiadler der NSDAP.

Der Pädagoge, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil er wegen seiner Aufklärungsarbeit über die Zeit des Nationalsozialismus in der rechten Szene bekannt ist und bedroht wurde, klärt seine Schüler der 6. Klasse auf: Während der vom Betrachter aus gesehen nach links blickende Adler der Reichsadler, also das Staatswappen war, handelte es sich bei dem nach rechts blickenden Adler eindeutig um das Parteiabzeichen der NSDAP.

Der Adler auf dem T-Shirt blickte eindeutig nach rechts. „Das Mädchen war ahnungslos und entsetzt. Das T-Shirt hat es am gleichen Tag noch vernichtet“, sagt der Lehrer, der am nächsten Tag dieses Thema auch in einer 7. Klasse thematisiert. „Daraufhin sagte mir eine Schülerin, dass ihre Mutter ihr kürzlich solch ein T-Shirt in Aachen gekauft habe. Das Shirt haben sie wieder ins Geschäft zurückgebracht.“

Schulleiter Uwe Böken bedauert derweil: „Wenn die Eltern nicht sensibilisiert wurden, bemerken sie den Unterschied nicht.“ Der Deutsch- und Religionslehrer wollte die Angelegenheit aber nicht auf sich beruhen lassen, recherchierte im Netz und stellte fest, dass die Modefirma in London ansässig ist. „Ich habe dort angerufen. Man teilte mir mit, man wisse, um welches Symbol es sich handele. Man wolle damit provozieren. Außerdem sei es an der Zeit, ihm eine andere Bedeutung zu geben. Es sei unser Problem, wenn unsere Schüler nicht wüssten, was es darstellt.“

Man habe sich auf die eigene linksgerichtete Entstehungsgeschichte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts berufen und erklärt, dass der Adler keinen Bezug zur rechten Szene darstelle. Schulleiter und Lehrerrat wandten sich daraufhin an das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. „Wir sind jedoch der Ansicht, dass das Symbol durchaus und im höchsten Maße missbraucht werden kann und somit die Entstehung rechtsradikalen Gedankenguts innerhalb der Jugend wahrscheinlicher macht“, schreiben sie und fragen: „Wurden bereits rechtliche Schritte unternommen, die das geschilderte Problem unter die Lupe nehmen? Wie können wir als medial nicht global arbeitende Lehrerschaft gegen einen solchen Marketinggiganten ankommen, der sich seiner Verantwortung entzieht?“

Die Antwort vom Verfassungsschutz kam in zehn Zeilen. Zur Arbeit des Verfassungsschutzes könne man keine Auskunft geben. Dem gesetzlichen Auftrag, Informationen über Bestrebungen zu analysieren, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten, komme man in mit Sorgfalt nach.

„Ob gegen das von Ihnen genannte Label rechtliche Schritte eingeleitet wurden, kann von hier nicht beantwortet werden, da mögliche Gesetzesverstöße von den Strafverfolgungsbehörden ermittelt werden.“ Uwe Böken ist sichtlich verärgert: „Es ist skandalös, dass solche T-Shirts an Jugendliche verkauft werden. Und das Verhalten der Bundesbehörde ist skandalös, die für jede Information aus dem Schulbereich dankbar sein müsste.“

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