Gangelt - Naturschutzbund ruft zur „Stunde der Gartenvögel”

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Naturschutzbund ruft zur „Stunde der Gartenvögel”

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Ihrem geschulten Blick engeht
Ihrem geschulten Blick engeht so gut wie nichts: Thomas Henkens (v.l.), Theo Reinartz und Frank Oschmann bei der Zählung rund um die „Stunde des Gartenvogels”. Fotos (2): Karl-Heinz Hamacher Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Es ist eine besondere Motivation von Nöten, sich an einem Morgen in aller Herrgottsfrühe auf einen Termin einzulassen. Dazu noch in einem Metier, bei dem man bei „Wer wird Millionär?” nach der 500-Euro-Frage mit mehr oder weniger klugen Sprüchen von Günther Jauch verabschiedet würde.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm”, wäre so ein Spruch, der den Kern der Aufgabe umschreibt und bei einer Tasse Kaffee im Stehen einen Hauch von Idealismus aufkommen lässt. Berichtet wird an dieser Stelle über „Die Stunde der Gartenvögel”, die der Naturschutzbund (Nabu) ausgerufen hat. Für eine Stunde sollen die Menschen in Deutschland sich in Städten und Dörfern dem faszinierenden Hobby der Vogelbeobachtung widmen und mit ihren Zahlen dazu beitragen, die Bestände zu ermitteln.

Liste und Diktiergeräte

Von rund 82 Millionen Deutschen treffen sich drei in Mindergangelt. Sie als die „üblichen Verdächtigen” zu bezeichnen, trifft den Vogel, beziehungsweise den Nagel auf den Kopf: der Nabu-Vorsitzende Franz Oschmann und seine Vorstandskollegen Thomas Henkens und Theo Reinartz. Aufsehen erregt beim Treffen aber nicht gleich ein gefiederter Freund, sondern das Carl-Zeiss-Spektiv, das Theo Reinartz sein Eigen nennt.

Die Henkens-Frage, was „sowas” denn wohl koste, bleibt unbeantwortet, und auf dem Weg zum Beobachtungsposten ist es wohl das Spektiv, das auf ein Carl-Zeiss-Stativ geschraubt noch mehr daher macht. Theo Reinartz nimmt wie selbstverständlich den Platz in der Mitte des Trios ein. Dass es zwei Rehe sind, die spektakulär springend die Flucht ergreifen, als die Herren sich aufs Beobachten einrichten, sorgt für Respekt, schlägt sich aber natürlich nicht auf dem Erfassungsbogen nieder, den Franz Oschmann zum Ausfüllen bereithält.

Ein Zaunkönig ist es, der die Zählstunde eröffnet. Das Oschmann-Papier erhält das erste Kreuz, während Henkens und Reinartz ihre technische Überlegenheit demonstrieren und Diktiergeräte zücken. Thomas Henkens hat ein relativ modernes (1980er Jahre) mit Minikassette, das von Theo Reinartz ist eines mit der guten alten Kompaktkassette und würde auf einer Auktion mit technischen Raritäten Höchstpreise erzielen.

Dass Franz Oschmann im Bereich modernster Technik noch das alles entscheidende Ass im Ärmel hat, ahnen die beiden Diktierer zu diesem Zeitpunkt nicht. „Zaunkönig, Buchfink, Singdrossel, Turteltaube, Mönchsgrasmücke”, wird im Sekundentakt geflüstert. Es folgen „Rabenkrähe, Heckenbraunelle und Blaumeise.” „Wo seht ihr die denn?”, fragt der Chronist staunenden Blickes in ein grünes Dickicht und erfährt vom Trio in leicht überheblichem Ton: „Die sehen wir nicht, die hören wir!”

Spätestens als Theo Reinartz „Zilpzalp” in sein Mikrofon flüstert, würde es nicht verwundern, wenn plötzlich Kurt Felix aus dem nassen Gras auftaucht und „Verstehen sie Spaß?” trötet. „Den Zilpzalp gibt es wirklich”, erläutert Franz Oschmann und versucht dabei, seriös zu wirken.

„Wir haben doch eine CD mit Vogelstimmen”, wirft das vermeintliche High-Tech-Duo Henkens und Reinartz ein: „Die sollten wir dem Reporter mal geben”, sagen sie schmunzelnd, um dann wenige Sekunden später ebenso erstaunt wieder niedergeschlagen alibimäßig durch ihre Ferngläser zu schauen. „Von meinem Schwiegersohn habe ich eine App bekommen, die in der Lage ist, Vogelstimmen zu erkennen”, rückt Franz Oschmann die Hierarchie im Verein wieder zurecht.

Es hagelt weiter Vogelnamen in Diktiergeräte und um endlich das Thema zu wechseln, unterbricht Theo Reinartz die monotone Litanei: „Da, eine rote Lichtnelke!” Das Blümchen, das laut Naturlexikon zu den Bedecktsamern gehört, bildet einen netten Farbklecks im grünen Teppich des Feuchtbiotops. Um ja nicht wieder in einer Technikdebatte zu unterliegen, diskutieren Theo Reinartz und Thomas Henkens, ob es sich hier nicht auch um eine rote Kuckucks-Lichtnelke handeln könne. Die überfliegende Cessna findet keinen Eingang in die Statistik.

Die Herren sind aber schon dabei, über das unverschämte Verhalten einer Blaumeise zu diskutieren, die einen Fledermaus-Nistkasten als Brutstätte bewohnt. Während Franz Oschmann den Waldlaubsänger den anderen beiden als vermisst meldet, können sich alle drei daran begeistern, dass man auf der vogelkundlichen Wanderung zweimal die Nachtigall gehört hat, die hier eigentlich als ausgestorben gilt.

Da drängt sich doch die Frage in den Vordergrund, ob die Männer einen seltenen Vogel gehört oder gesehen haben? „Die einzig seltenen Vögel hier sind wir”, entfährt es Thomas Henkens, der immer noch neidvoll auf das Reinartz-Spektiv und das Leica-Fernglas von Franz Oschmann blickt. Das Fazit der Stunde des Gartenvogels: „Die frühe Wanderung hat sich gelohnt.”

Meldungen bis 21. Mai möglich

Mit seiner Aktion „Die Stunde der Gartenvögel” will der Nabu herausfinden, ob die Befürchtungen stimmen, dass früher häufiger der Gesang von Zaunkönig, Singdrossel oder Buntspecht (Foto) zu hören war. Dazu werden Daten gesammelt.

Im Laufe einer Stunde sollen von jeder Vogelart die höchste Zahl der dort beobachteten Vögel notiert werden. Dabei gilt: Eine Amsel, die fünfmal hin- und herfliegt, macht nicht fünf Amseln, sondern wird nur als ein Vogel gezählt.

Wer noch Vögel gesichtet hat, kann diese noch bis Montag, 21. Mai, direkt online beim Nabu möglich. Dort gibt es auch eine Zählhilfe zum Download sowie einen Informationsflyer.

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