Nach der Hochzeitstour kamen die Rüben

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Ein Motiv mit historischem Charakter: Mitglieder der Interessengemeinschaft „Alte Traktoren” aus Waurichen beim Verladen der Rüben nach „Väterart”. Dafür wurden die Feldfrüchte sogar etwas früher als üblich geerntet.

Gangelt-Schierwaldenrath. Eine Woche, bevor mit einer kleinen Feier an die letzte Schienenfahrt der Kreisbahn vor 50 Jahren von Tüddern nach Geilenkirchen erinnert wird, präsentierte sich der Nachfolger, die Interessengemeinschaft historischer Schienenverkehr (IHS), beim Erntedankfest in bester Verfassung.

Schade sicherlich, dass man die Jubiläumsfahrt nicht mehr mit dem Dieseltriebwagen 101 fahren kann. Das gute Stück wurde damals noch schnell verkauft.

Den Verantwortlichen der Selfkantbahn, wie man sie im Volksmund nennt, ist es aber gelungen, ab 1969 - damals begann die IHS mit ihrer Arbeit - einen umfangreichen Fuhrpark zusammenzustellen, der heute in der Saison an nahezu jedem Wochenende viele Touristen in die Region lockt.

Wechsel auf Lastwagen

Traditionell ist es der historische Güterverkehr, der zu Erntedank eine große Rolle auf dem Bahnhof in Schierwaldenrath spielt. Denn vieles, was innerhalb der Region heute mit dem Lastwagen transportiert wird, wurde damals mit der Selfkantbahn befördert. Allem voran natürlich die Zuckerrüben.

Jedes Jahr findet man an der alten Verladerampe Gäste, die neulich oder gerade erste eine Autofahrt im Schneckentempo hinter sich haben, weil sie von einem Rübentransporter gebremst wurden. „Wäre es nicht schön, wenn man die Rüben auch heute noch über die Schiene nach Jülich transportieren könnte?”, wird seitens der Besucher geseufzt.

Stefan Ophoven aus Immendorf hat zwei Karren Rüben sogar einige Tage früher als geplant aus der Erde geholt. „Die brauchten wir hier für unsere Demonstration”, erzählt Franz-Josef Reuters, Vorsitzender der 14 Jahre alten Interessengemeinschaft „Alte Traktoren” aus Waurichen.

Von der Rampe wurden die Rüben in Regelgüterwagen geladen. Der wiederum auf einem meterspurigen Rollwagen, da ja die Schienenbreite unterschiedlich ist. In den besten Zeiten wurden 200 Waggons mit einem Ladegewicht von bis zu 25 Tonnen in Geilenkirchen transportfertig für die Zuckerfabrik gemacht.

Während am Morgen schon die fünfte Hochzeit in diesem Jahr im Buffetwagen stattgefunden hatte, saßen den Rest des Tages wieder die normalen Fahrgäste darin und genossen bei Kaffee und Kuchen die fünf Kilometer lange Reise nach Gillrath. Nur Markus Kaiser von den Selfkantbahnern hatte einen andern Blick auf das historische Schmuckstück: Er wird hier am 10. Oktober „Ja” sagen und seine Liebe zur Eisenbahn mit einer Frau teilen.

Blumenschmuck und Feldfrüchte dekorierten rund um den Bahnsteig einige Strohballen, Frauen in historischen Gewändern flanierten, während der Güterwagon mit uralten Koffern von Schubkarren aus beladen wurde. Blicke in die gute alte Eisenbahnzeit, die sich auch in diesem Jahr wieder viele Gäste nicht entgehen lassen wollten.

Aus der ganz alten Eisenbahnzeit stammt die „46”, eine Dampflok von der Mittelbadischen Eisenbahngesellschaft, die 1897 gebaut wurde und vor knapp 20 Jahren den Weg nach Schierwaldenrath fand. Inzwischen ist sie „rollfähig”, das heißt, man kann sie von A nach B schieben. Wann sie eigenständig unter Dampf fahren kann? Da kann Helmut Kommans, bei dem die Fäden der Interessengemeinschaft historischer Schienenverkehr in Schierwaldenrath zusammenlaufen, nur mit der Schulter zucken.

Es gibt eben noch viel zu tun rund um den Bahn, die Wagons, die Lokomotiven und was da sonst noch so alles herum steht. „Wenn wir mal zehn gute Schlosser hättenÉ”, blickt Günter Steinhauer, einer der hauptamtlichen Mitarbeiter, in eine Zukunft, die es wohl so nicht geben wird.

Einer der vielen ehrenamtlichen Helfer bei der Selfkantbahn ist Georg Mosdzien, der „Drechselschorsch”. Er kann für sich in Anspruch nehmen, schon einmal den Stuhl vom Nikolaus repariert zu haben. Er gab am Wochenende eine Kostprobe seiner Arbeit in der Museumshalle.

Und während die Wauricher Traktorenfreunde alle ihre „Demo-Rüben” wieder einsammelten, um sie Stefan Ophoven zurückzugeben, bereiten die Selfkantbahner das Fest am kommenden Freitag vor. Da es den Triebwagen 101 ja nicht mehr gibt, wird die 102-er die Jubiläumsreise unternehmen.
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