Nach der Diagnose wird plötzlich alles anders

Von: mabie
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Koordinatorin Christine Thöner (l.) von der Hospizbewegung „Camino” aus Geilenkirchen und Karin Stüßgen, Psychoonkologin der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz, informierten im Geilenkirchener St. Elisabeth-Krankenhaus über Krebs. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wie vor den Kopf geschlagen fühlen sich Menschen, denen ihr Arzt gerade die Diagnose „Krebs” gestellt hat. Was dann in den Menschen vorgeht, welche Beratungsmöglichkeiten es gibt und was Krebs eigentlich ist, klärte jetzt ein Vortrag der Hospizbewegung „Camino”.

Dazu hatten die Damen vom Vorstand in den Elisabethsaal des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses geladen. Mit 25 Anwesenden herrschte dort ein volles Haus und die Gäste konnten in rund 90 Minuten bei zwei Vorträgen viel über die heimtückische Krankheit erfahren.

Christine Thöner, Koordinatorin von „Camino”, zeigte im ersten Teil auf, was Krebs ist und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Die examinierte Krankenschwester beschrieb, dass beispielsweise bei rund 42.4000 Neuerkrankungen im Jahr 2002 rund die Hälfte eine Überlebenschance haben.

„Aber es gibt immer noch mehr Tote bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen”, wusste sie. Unterschiede zwischen verschiedenen Tumorarten sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten wurden von Thöner aufgezeigt.

„Doch das Prinzip, nachdem eine Krebserkrankung verläuft, ist immer das Gleiche”, unterstrich sie. Ungehemmtes Zellwachstum wie auch immer gefährlichere Zellmutationen seien die Folgen. Dabei ist es nicht der Krebs an sich, sondern die Folgeerkrankungen oder auch die Nebenwirkungen, die für 90 Prozent der Todesfälle bei Krebs sorgen.

Als mögliche Auslöser nannte Christine Thöner familiäre Vorbelastung, wie sie beispielsweise bei Brust- oder Eierstockkrebs häufig ist, Umwelt, Umfeld, Strahlen, Viren oder auch chemische Substanzen, wie sie beispielsweise beim Rauchen oder dem Genuss geräucherter Fleischprodukte aufgenommen werden.

Bei der Liste der häufigsten Krebsarten unterschied sie zwischen Frauen und Männern. Während bei Frauen Brust, Darm und auch Lunge die häufigsten Erkrankungsherde aufwiesen, sind es bei Männern Prostata, Darm und Lunge.

Neben Vorbeugung durch gesunden Lebensstil und vielfältigen Therapieangeboten, ließ sie auch die Palliativmedizin, die Begleitung bis in den Tod, nicht außer Acht.

„Denn den Satz: ,Wir können leider nichts mehr für Sie tun möchte ja keiner hören - aber es gibt immer noch die Palliativmedizin”, sagte sie. Und da sei vor allem ein möglichst schmerzarmes Leben sowie die Besserung des Allgemeinbefindens das Wichtigste.

Wie bei Patienten nach der Diagnose Krebs das Leben weitergeht, zeichnete die zweite Referentin, Karin Stüßgen, nach. Sie ist Psychoonkologin der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz und ist vor allem mit Frauen befasst, die an Brustkrebs erkrankt sind.

„Nur zehn Prozent vom Gesagten können Patienten im Augenblick der Erstdiagnose überhaupt verarbeiten”, machte sie klar. Und Ärzte, egal, wie vorsichtig sie ihre Worte wählen, seien nur zu bedauern, wenn sie die Nachricht „Krebs” an den Patienten transportieren müssten.

„Die Diagnose Krebs ist einfach nur ein Schock, es stimmt nichts mehr, alle Planungen sind auf einmal weg”, weiß sie. Und vor allem, nachdem alles organisiert ist oder auch nach dem nötigen Krankenhausaufenthalt fielen die Betroffenen in ein tiefes, psychologisches Loch.

Hier könne nach Karin Stüßgen die Psychoonkologie eine große Hilfe sein - wenn es sie denn flächendeckend gäbe. „Im gesamten Kreis Heinsberg gibt es keinen einzigen niedergelassenen Psychoonkologen”, sagte sie.

Zwar beeinflusse der Eingriff dieser Fachleute unter Umständen nicht den Krankheitsverlauf. „Aber es ist sicher, dass es dem Patienten hilft, weil er den Krebs anders erlebt”, ist sie überzeugt.

Denn Probleme wie Angst und Depressionen, Konflikte in der Partnerschaft, Rückzug aus dem sozialen Umfeld oder auch die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper müssten behandelt werden.

„Wenn es zu einer Akzeptanz der Erkrankung kommt, ist das schon ein großer Meilenstein im Verlauf”, so Stüßgen. So müsse das Ziel sein, Konflikte zu lösen, Ängste zu bewältigen und vor allem eins müsse bewusst werden: „Es kann nicht mehr so werden, wie es war - aber es wird wieder gut!”, schloss sie.
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