Mutiger Pfarrer in „fliegender Kiste”

Von: Christina Kolodzey
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Auf die Plätze, fertig, los:
Auf die Plätze, fertig, los: Beim Seifenkistenrennen der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg hatten Teilnehmer und Betreuer viel Spaß. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. Formel 1-Luft schnuppern, sich fühlen wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel, Preise gewinnen mit anschließender Champagnerdusche - diesem Traum kamen 20 Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren sehr nahe.

Organisiert von der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg, stellten sie mit fünf selbst gebauten Fahrzeugen ein tolles Rennen auf die „Räder”: rasant und draufgängerisch wie echte Profis. Laura (10) fuhr zum ersten Mal und befürchtete: „Ich glaube, ich krieg die Bremse nicht gezogen, aber ich habe ganz viel Taekwondo gemacht, und das hier kann nicht schwerer sein!”

Ein ganzes Jahr lang hatten die Jungen und Mädchen diesem Tag entgegengefiebert. Seit September 2011 hatten sie eifrig mit Unterstützung des Jugendmitarbeiters Manni Wellens und des ehrenamtlichen Betreuers Thomas Fiedler an den Fahrzeugen aus Holz und Sperrholz gehämmert und gezimmert. Ihr Arbeitsplatz war das Innere der Frelenberger Kirche - zehn Meter vom Altar entfernt lärmten Kreissäge und Bohrmaschine. Ein ungewöhnliches, doch sehr gelungenes Beispiel, Kirchengebäude außerhalb der Messen sinnvoll zu nutzen, und sicherlich wurden die Kinder „von oben” wohlwollend beobachtet.

150 Strohballen

Das Rennen fand auf einer Strecke von 400 Metern in der leicht kurvigen Straße „Am Heidberg” statt, die fünf Prozent Gefälle aufweist und für den Autoverkehr vorübergehend gesperrt wurde. Auf eine Startrampe, wie normalerweise bei Seifenkisten-Rennen üblich, hatte man verzichtet, da die Straße abschüssig genug schien. Vorsichtshalber hatten 15 ehrenamtliche Helfer an den Rändern und am Ziel 150 Strohballen platziert, um die Sicherheit der jungen Fahrer und des erwartungsvollen, zahlreichen Publikums zu gewährleisten. Zudem waren alle Seifenkisten einige Tage vorher vom TÜV abgenommen worden, und vier ehrenamtliche Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes standen für den Sanitätsdienst bereit. Die Fahrer selbst waren ausgestattet mit stabilen Helmen sowie gelben Sicherheitswesten.

Zehn Vorrunden, fünf Endläufe und drei Finalläufe galt es zu bestehen. Um 14 Uhr warteten alle ungeduldig auf den ersten Start: Zwei phantasievoll, bunt bemalte „Rennwagen” standen mit ihren Vorderrädern präzise hinter der weißen Startschnur, die auf dem Boden lag. Jedes Fahrzeug wurde von einem Betreuer festgehalten und losgelassen, sobald das Startkommando ertönte. Anschieben war strengstens verboten, da manche kräftiger gedrückt hätten als andere. Betreuer Marc (17) am Start hielt Kontakt über Funk zum Streckensprecher Benjamin (16) im Zielbereich und gab Bescheid, sobald die „Kisten” startklar waren. „Auf die Plätze, fertig, los!”, hieß es endlich. Die Autos setzten sich in Bewegung, zunächst langsam, dann immer schneller.

Die kleinen Piloten Pascal und Niklas mussten sich mächtig anstrengen, die „Geschosse” in der Spur zu halten, um nicht in der Kurve in den Strohballen zu landen. „Servolenkung” Fehlanzeige, Muskelkraft war gefragt. Der Fahrtwind wehte ihnen um die Ohren, die Fahrzeuge drohten auszubrechen, doch anfeuernd klatschende, jubelnde Zuschauer beflügelten die Jungen, und sie landeten mit großer Kraftanstrengung sicher im Ziel. Niklas als erster, er war somit eine Runde weiter, doch auch Pascal war überaus zufrieden, denn es hatte einen Riesenspaß gemacht.

So ging es im Fünf-Minuten-Takt: Jeweils zwei Fahrer möglichst gleichen Alters traten gegeneinander an. Die Betreuer mussten manchen Draufgänger bremsen: „Keine Kamikaze-Runde, An-dreas!”, denn der Speed auf gerader Strecke war sehr beeindruckend und konnte 30 Stundenkilometer erreichen, so dass man das Ziel in nur 43 Sekunden erreichte. Viele fuhren tollkühn auf „volles Risiko”, und nicht wenige landeten im Stroh, teilweise, weil die Technik der Wagen schwierig zu handhaben war. Sogar Überschläge gab es, die jedoch dank der robusten Helme und des schnellen Eingreifens des Malteser Hilfsdienstes zum Glück alle glimpflich verliefen. Häufige „Boxenstopps” waren an der Tagesordnung, es gab viel „Kleinholz”, Schäden wurden sofort behoben - alles genau wie bei den Profis.

Selbst Pfarrer Thomas Reppich konnte der schnellen „Versuchung” nicht widerstehen und setzte sich mutig in eine der „fliegenden Kisten”. Seine Kollegin Pfarrerin Angelika Krakau, ihr Sohn Benjamin (10), Superintendent Jens Sannig und die anderen Zuschauer feuerten ihn lautstark an. Sein Widersacher zog jedoch so souverän an ihm vorbei, dass er irritiert im knisternden Stroh landete. „Dabei sein ist alles!”, lachte er. Auch ihm hatte es sichtlich Spaß gemacht.

Untermalt wurde das Rennen von fetziger Musik aus dem Mischpult der ehrenamtlichen Mitarbeiter René Quasten (15) und Marc Bachmeier (15), die auch wiederholte Stromausfälle gekonnt meisterten.

Am Schluss freuten sich alle auf die hart erkämpfte Siegerehrung: Den 1. und 2. Platz sicherten sich das Brüderpaar Justin (11) und Marvin Wende (8), über den 3. Platz freute sich Lars Kouchen (8). Feierlich wurde jedem von ihnen ein großer Pokal überreicht. Marvin übte schon mal „Champagnerdusche” und schüttelte auf seinem Podest mit aller Kraft eine große, kohlensäurehaltige Mineralwasserflasche, um sie ins Publikum zu spritzen. Wer weiß - vielleicht fahren die heutigen Sieger in zehn Jahren im Grand Prix mit? Auch Michael und Ralf Schumacher haben einmal klein angefangen.
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