Geilenkirchen - Musik aus der Zeit der Krisen und revolutionären Neuerungen

Musik aus der Zeit der Krisen und revolutionären Neuerungen

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Martina Walbeck und Burkhard Kerkeling in Aktion: Eine anregende Klavierdarbietung mit vier Händen gespielt faszinierte das Publikum. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Schon seit Jahren sind sie gern gesehene Gäste, die das Publikum immer wieder mit erlesenen klassischen Kunstgenüssen erfreuen: das Pianistenduo Martina Walbeck und Burkhard Kerkeling.

Auch kürzlich gaben die beiden im Bürgersaal des Hauses Basten wieder eine gelungene Kostprobe ihres vielseitigen Könnens. Diesmal wartete ein recht modernes Programm auf die Zuhörer, das sich vorwiegend am frühen 20. Jahrhundert orientierte - bekanntlich eine Zeit der Krisen und revolutionären Neuerungen auch in der Musik.

„Messieu Aoul”

Den Auftakt bildete die kurz vor der Jahrhundertwende entstandene „Dolly”-Suite von Gabriel Faurd. Zu diesem Werk wurde der Komponist durch die kleine Tochter einer seiner Verehrerinnen angeregt, die den Kosenamen Dolly (englisch: Püppchen) trug. Eine zarte Berceuse (Wiegenlied) leitete das sechsteilige Werk ein, der zweite Satz „Messieu Aoul!” trägt Scherzo-Charakter und spielt im Titel auf das noch ungelenke frühkindliche Sprechen an. Deutlich impressionistische Züge trug „Le jardin de Dolly”, das durch den Garten der kleinen Dolly führte.

Einen heiter beschwingten „Hundewalzer” stellte „Ketty-Valse” vor, denn Ketty war der kleine und verspielte Hund der Familie. Ruhige Lyrik dominierte im nachfolgenden „Tendresse”, während „Le pas espagnol” mit temperamentvollen spanischen Rhythmen für einen brillianten Ausklang sorgte und damit zugleich auf die gegenwärtige Spanien-Präsentation der Stadt Geilenkirchen Bezug nahm.

Die zweite Programmnummer des Abends bedeutete für das Künstler-Duo eine besondere Herausforderung: Die Konzertsuite zu dem Ballett „Petruschka” von Igor Strawinski in der Fassung für Klavier vierhändig. Das Werk entstand 1911 für die Pariser Aufführung des Diaghilew-Ballettes und war bereits die zweite Auftragsarbeit des Komponisten für dieses Tanz-Ensemble.

Während im zuvor entstandenen „Feuervogel” noch romantische und impressionistische Klänge vorherrschen, kommt bei „Petruschka”´ der unverwechselbare Stil von Strawinski mit elementarer Gewalt zum Durchbruch: Polytonale Stimmführung, scharfe Klangreibungen und urwüchsige russische Folklore verbinden sich hier zu einer einzigartigen Synthese.

Die Musik trägt ausgesprochen programmatische Züge und orientiert sich eng an der Handlung des Ballettes. Deshalb gaben Martina Walbeck und Burkhard Kerkeling zuvor einige Erläuterungen, die sich als sehr hilfreich erwiesen, denn auf diese Weise konnte das Publikum ein außerordentlich fesselndes Stück Musik erleben, das von den beiden Künstlern technisch souverän und meisterhaft interpretiert wurde.
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