Geilenkirchen - „MuKu“: Kontrabassflöte wie Skulptur im Musikteil

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„MuKu“: Kontrabassflöte wie Skulptur im Musikteil

Von: Christina Kolodzey
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Austausch unter Experten bei der Werkschau in Kraudorf: Bildhauer Sandro Antal (r., vor seiner Installation) mit Wolfgang Morawe. Foto: Christina Kolodzey
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Nach herrlichem musikalischen Vortrag reicht Karin Hildebrandt (l.) den Solistinnen (v.l.) Maria Regina Heyde (Gesang), Susanne Schrage (Flöte) und Ina Otte (Klavier) dankend Blumen.

Geilenkirchen. „Eine Kuh macht Muh – viele Kühe machen Mühe“, witzelt man in ländlichen Kreisen. Karin Hildebrandt und Wolfgang Morawe, Gründer des Kunstvereins Kraudorf11, hatten auch jetzt keine Mühen gescheut, ihre inzwischen weit über die Grenzen des beschaulichen Dörfchens hinaus bekannte Veranstaltung „MuKu“ mit erstklassigen Künstlern zu besetzen.

Die einprägsame Abkürzung für „Musik und Kunst“ hatten sie 2007 mit einem Augenzwinkern auf die unweit entfernt grasenden Vierbeiner gewählt. Das pittoreske Flair ihres ausgebauten alten Bauernhauses hatte schon oft dazu beigetragen, Dargebotenes aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.

Hanne Jagfeld, Freundin der Initiatoren, eröffnete die Vernissage und hieß die Gäste willkommen. Sie skizzierte den Lebenslauf der in Düsseldorf und Aachen lebenden Künstler und bedauerte, dass die Malerin Julia Theuring aufgrund eines unerwarteten Stipendiums nicht anwesend sein könne. In der Ausstellung sind ihre Darstellungen in einer dschungelähnlichen Landschaft zu bewundern.

Peter von Malotki, Meisterschüler bei Joseph Beuys, stellt neun teils großformatige Ölgemälde aus, verwunschen anmutende, in dunklen Farbtönen gehaltene Naturbildnisse, die viel Spielraum für eigene Interpretationen zulassen und daher bewusst „Ohne Titel“ sind. Den surrealistisch anmutenden Effekt erzielt er durch die ihm eigene Technik des Zustreichens der Leinwand mit einer einzelnen Farbe, die, solange noch feucht, in Teilen gezielt abgeschabt, erneut mit einem weiteren Farbton zugedeckt und wiederum freigelegt wird.

Durch das vielfache Wegnehmen der Farbe symbolisiert er die Zerstörung der Natur und erzielt damit den Effekt, wie Guido Peters aus Kraudorf es treffend formuliert, „dass es einen förmlich in das Bild hineinzieht“ und die Gemälde „zwar dunkel, aber nicht bedrohlich wirken“.

Dreidimensionalität hingegen ist das Genre des Metall-Bildhauers Sandro Antal, der mit seiner beeindruckenden 27-teiligen aus Stahl und Hinterglasmalerei bestehenden Installation „Unvollendete Skulptur für meine Malerfreunde“ eine imaginäre Atelier-Situation suggeriert. Er sieht sie als Hommage an seine früheren Studienkollegen, die ihn bei seinen Anfängen als Maler begleiteten, ehe er feststellte, dass ihm zwei Dimensionen nicht genügen und er sich dem plastischen Gestalten zuwandte.

In weiteren Skulpturen symbolisiert er das immer wieder „auf-den-Punkt-bringen“ der Dinge. Der gebürtige Ungar betont, dass ihm Geilenkirchen und seine ländliche Umgebung im Lauf der Jahre sehr ans Herz gewachsen seien und er immer wieder gern hierher reise.

Ungewöhnliche Vertonungen

Den musikalischen Teil des Events bestritten drei studierte Musikerinnen, die dem Publikum mit ihrem hochklassigen Programm „Komponistinnen-Leben“ das Komponieren von Frauen nahebrachten, was früher mit Vorurteilen belegt war. Flötistin Susanne Schrage, Sopranistin Maria Regina Heyne und Pianistin Ina Otte führten eindrucksvoll vor, wozu geballte „Frauenpower“ imstande ist und rissen die zahlreichen Gäste zu häufig zu Begeisterungsstürmen hin.

Mit launigen Moderationen beleuchteten sie Leben und Werk der jeweiligen komponierenden Vertreterin ihres Geschlechts und setzten schon zu Beginn historische Raritäten wie Hildegard von Bingens „Ave Maria“, Elisabeth J. de la Guerres „Semelé“ und Claude Arrieus „Concerto en Sol“ mit Solo-Gesang, Klavier, Piccolo-, großer und Kontrabassflöte brillant in Szene. Bei Fanny Hensel-Mendelssohns Vertonungen von Goethes „Dämmerung senkte sich von oben“, „Über allen Wipfeln ist Ruh“ und Heines „Ach, die Augen sind es wieder“ gelang es ihnen gar, die Zuhörer zu einem atemlosen, andächtigem Lauschen zu bewegen. Teils dramatisch und mit Gänsehaut-Effekt, teils skurril oder die Lachmuskeln strapazierend muteten dagegen die Texte von Robert Gernhardt an, zusammengefasst von Ursula Wawroschek.

Witziges vom Galgen

Susanne Schrage agierte perfekt an der mächtigen Kontrabassflöte beim Stück „Curry“ von Heike Beckmann und Ina Otte am Klavier mit „Romance“ op. 21/3 g-moll von Clara Schumann in virtuosen Soli und ernteten brausenden Beifall. In von Jacqueline Fontyn vertonten witzigen Galgenliedern Christian Morgensterns konnte Maria Regina Heyne ihr enormes schauspielerisches und gesangliches Talent zum Ausdruck bringen, was ihr vortrefflich gelang und die Zuschauer entsprechend honorierten.

Zum Schluss regten Cécile Chaminades „Portrait“ und besonders Heike Beckmanns „Frau von heute“ mit Sätzen wie „Ich tanze gern nach meiner Pfeife – wo hab‘ ich sie bloß hingelegt?“ das Publikum zum Nachdenken an. Tosender Beifall, Bravo-Rufe und zwei frenetisch erklatschte Zugaben zeigte auch den drei Solistinnen, wie sehr die Gäste über zwei Stunden diese Darbietung genossen hatten.

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