Motorrad-Treffen am Schloss Leerodt

Von: Georg Schmitz
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Ein wenig Blau von der Grundfa
Ein wenig Blau von der Grundfarbe seiner Vespa PX 125 ist noch zu erkennen. Den Rest hat Eigentümer Sascha Armbruster (l.) mit „gezählten” 202 Aufklebern überlagert. Der 34-jährige Neusser ist seit 1994 diesem Hobby verfallen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Knatternd und spotzend bogen die Freunde italienischen Motorrollerbaus von der Landstraße 42 zu den alten Gemäuern der Schlossruine Leerodt ab. In den Wiesen rund um das Anwesen hatten rund 250 „urige Typen” aus ganz Deutschland nun ihr Ziel erreicht.

Ganz Deutschland? Ach was! Sogar aus Kärnten und Schottland waren Vespa- und Lambretta-Fans angereist, wobei der Gast aus Österreich einschließlich Übernachtungen drei Tage unterwegs gewesen war. Die Scooter-Clubs „Kulturbanausen”, „Filthy Extension” und „Sly Vultures” hatten zum dreitägigen zum „Schaltroller-Treffen” nach Leerodt eingeladen.

Motorroller mit Schaltung wohlgemerkt, Roller mit Automatik waren „unerwünscht”. Es war tatsächlich ein eigenes Völkchen, was sich da drei Tage auf den regendurchweichten Wiesen in und um Leerodt niederließ. Was sich auch an manchen Äußerungen und Kommentaren festmachte. „Wir sind froh, eine solche Location nutzen zu dürfen”, dankt Mitorganisator Eddie aus Aachen dem Hausherrn Albrecht von Wrede, der stets um das Wohlergehen der motorisierten Zweiradliebhaber bemüht war.

„Was man hier sieht, ist gutes altes Blech, sind Vespa und Lambretta”, zeigt Eddie auf die überall neben den Zelten abgestellten Roller. Es ist 10 Uhr am Morgen, und die meisten Besitzer liegen noch in ihren Zelten und schlafen. Die Nacht im Schloss war lang, und es gab viel zu erzählen. Mit Spielen, Unterhaltung und anderer Gaudi vertrieben sich die Männer und Frauen die Zeit, blieben immer bei Laune.

25 Helfer sorgen dafür, dass alles reibungslos klappte. Unweit der ältesten Piaggio VBB von 1959 fällt jedem Besucher ein knallbuntes Gefährt sofort ins Auge. Es ist eine Vespa PX 125, bei der sich die Originalfarbe, das war blau, nur noch erahnen lässt.

„Das ist meine”, meldet sich Sascha Armbruster (34) aus Neuss, der sich selber als „Scooterist” bezeichnet. Das ist der englische Ausdruck für Rollerfahrer, der in der Szene geläufig ist. „Durch den schlechten Einfluss von Freunden bin ich 1994 zum Rollerfahren gekommen”, grinst Sascha Armbruster.

Alles habe damals mit einer Vespa PX 80 für 3500 D-Mark begonnen. Zwischenzeitlich habe er rund ein Dutzend Roller gefahren und das von der ersten Fahrstunde an unfallfrei. „Sascha hat mehr Roller als Frauen gehabt”, komplettiert sein Freund Björn Albertz das Thema.

„Mit gefiel der Lack nicht”, nennt Sascha Armbruster den Grund, warum er seine Vespa mit Aufklebern knallbunt verziert”hat. „Da sind 1,1 Kilogramm Aufkleber drauf, das entspricht einer Anzahl von 202 Stück”, rechnet er vor. „Trotz diesem Mehr an Gewicht sei die Vespa aber nicht langsamer geworden, denn: „Ich habe parallel dazu abgenommen.”

Sein Freund Björn freut sich über den Umstand, dass seine Vespa PX 200 mit Baujahr 1982 einen Tag zuvor die TÜV-Plakette für zwei Jahre bekommen hat. „Ich mag die Rostschutzgrundierung”, sagt Björn Albertz und belässt den Roller in diesem recht unansehnlichen Rostbraun.

Nebenan diskutieren ein paar Rollerexperten mit einer Bierflasche in der Hand lautstark herum. „Wir werden nicht ausfallend, wir benehmen uns nur daneben”, erklären sie griemelnd diesen Umstand. Bei dem Fachsimpeln ist zu hören, dass die italienischen Kult-Roller auch schon in Düsseldorf und Augsburg gebaut wurden. Wer hätte das gedacht!

Plötzlich ist Kalle da, ein bärtiger Typ aus Recklinghausen. Seine umgebaute Lambretta mit Rohrrahmen wird vielfach bestaunt. Vor 20 Jahren gekauft hat er das Gefährt, mehrfach modifiziert und den vorderen Rohrrahmen verlängert.

Aus seiner Heimatstadt ist er angereist, aber so richtig traut ein Laie dem kleinen Gefährt die 100 km/h Spitze gar nicht zu. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rollern gibt es hier für die Beine keinen Schutz, so dass nach einer langen Fahrt erst einmal die Hose gewechselt und vom Dreck befreit werden muss. „Roller mit Beinschild sind was für Mädchen”, wirft Organisator Eddie ein, und die anderen stimmen zu.

Im Innenhof steht derweil ein soeben angereister Rollerfahrer, der seine klatschnasse Jeans über der Tonne mit glimmendem Grillholz trocknet. Ob ihm das gelingt, ist fraglich. Und selbst wenn - der nächste Regenschauer ist schon im Anmarsch.
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