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Modisten-Dynastie Dohmen gibt das Hutgeschäft auf

Von: Georg Schmitz
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Gerti (l.) und Agi Dohmen trauern schon jetzt ihrem Hutgeschäft in Geilenkirchen nach, denn in wenigen Wochen schließen die Türen von „Hot Marie“ und nur noch das alte Firmenschild wird ihnen die Erinnerung zurückrufen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Gerti Dohmen nimmt ihren Hut. Im doppelten Sinn, denn sie gibt das einzige noch bestehende Hutfachgeschäft im Kreis Heinsberg auf. Eine Institution geht – aus Altersgründen. Vor mehr als 80 Jahren von Marie Dohmen in Geilenkirchen-Hünshoven gegründet, ist „Hot Marie“, die „Hut Marie“, eine feste Adresse in der Region.

„Jetzt setze ich mich zur Ruhe, mit 83 Jahren ist das ja sicherlich erlaubt“, sagt Gerti Dohmen. Die Schwiegertochter der Gründerin übernahm das Geschäft vor weit mehr als drei Jahrzehnten und führt es mit Unterstützung ihrer Tochter Agi bis heute. Das Hutmacher-Handwerk, nostalgisch auch Putzmacher genannt, hat in der Familie Dohmen Tradition. Heutzutage ist der Beruf des Modisten nur noch selten anzutreffen.

Marie Hoven wurde am 1. Februar 1889 in Heinsberg geboren und machte sich nach der Hochzeit mit Gottfried Dohmen zunächst in Darmstadt mit der Hutmacherei vertraut. Ihr Ehemann war Friseurmeister, und als solcher ließ er sich später in Bleyerheide nieder. Aber Gottfried Dohmen konnte nur wenige Jahre seinen Beruf ausüben, er starb bereits im Jahr 1918.

Marie Dohmen zog es nun nach Geilenkirchen, wo sie in der Kurve am „Hünshover Berg“ im Jahr 1931 im Gebäude der früheren Schreinerei das bis dato bekannte Hutgeschäft eröffnete.

Anlässlich der von der Landesentwicklungsgesellschaft realisierten Stadtkernsanierung musste das alte Gebäude später weichen, an gleicher Stelle jedoch entstand 1976/77 das neue Wohn- und Geschäftshaus, in dem bislang Hüte, Kappen, Mützen, Schals und auch Handschule erworben werden konnten.

In Geilenkirchen und Umgebung war Marie Dohmen schnell als „Hot Marie“ bekannt. Marie Dohmen hatte beim Gebäudewechsel ihr Geschäft bereits in die Hände von Schwiegertochter Gertrud (Gerti) Dohmen gelegt. Gerti hat das Hutmacher-Handwerk bei Marie von der Pike auf gelernt und hier eine Lehre als Modistin absolviert. „Modistin ist ein schöner, kreativer Beruf, der viel Geschicklichkeit erfordert“, sagt Gerti Dohmen. Selbst im Alter von 83 Jahren steht sie noch immer im Ladenlokal, sie lebt für ihr Geschäft. „Jeden Trend, jede modische Veränderung habe ich mitgemacht“, erzählt die Hutmacherin. Die Mode sei zwar einem ständigen Wandel unterworfen, aber „alle Modelle kommen immer mal wieder“.

Wie ihre Schwiegermutter hat sie anfangs die Kopfbedeckungen noch selber hergestellt und den Häuptern der Kundinnen – die Herrenhüte kamen erst später ins Sortiment – angepasst. Über eine Form wurde der Stumpen aus Filz gezogen, was immer viel Kraft erfordert habe. „Damit sich der Filz etwas leichter über den Stumpen ziehen ließ, wurde der vorher über Dampf heiß gemacht“, erinnert sich Gerti Dohmen.

Damals habe man mehr auf die individuellen Wünsche der Kunden eingehen können, es sei eben alles Handarbeit gewesen. Heute werde ohnehin weicheres Material verwendet, zumeist Vlies oder gekochte Wolle. Der Bedarf werde zwischenzeitlich von einigen Herstellern gedeckt. „Aber wenn die Kopfbedeckung nicht perfekt sitzt, dann können wir das immer noch anpassen“, betont Tochter Agi. Sie steht im Geschäft ihrer Mutter oft hilfreich zur Seite, kennt sich prima aus mit Basken-, Sport-, Golf-, Prinz-Heinrich Mützen oder „Elbseglern“, eine Schiffermütze mit kleinem Schirm.

„Zu Omas Zeiten waren die Frauenhüte oft mit Schleier ausgestattet“, erzählt Agi Dohmen und hält einen schwarzen, aber transparenten Kopfschmuck für Frauen in der Hand, der unter dem Fachbegriff „Fascinator“ bekannt ist und sich durch allerlei Schleifen und Verzierungen für festliche Anlässe auszeichnet.

„Das Geschäft wird mir an allen Ecken und Enden fehlen“, trauert Gerti Dohmen ihrer großen Hutsammlung nach. Und beim Rückblick denkt sie auch an die unzähligen Schützenbrüder, die sie weit über die Grenzen Geilenkirchens hinaus mit Hüten und weißen Handschuhen zur Uniform ausgestattet hat. Jetzt ist der Ausverkauf in vollem Gang, und wenn die Ware weg ist, schließt die „Hot Marie“. Für immer.

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