Geilenkirchen - Mit Mut und Job-Coach auf Stellensuche

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Mit Mut und Job-Coach auf Stellensuche

Von: Elisa Zander
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Geilenkirchen. Unternehmen klagen über fehlende Auszubildende. Und Jugendliche suchen händeringend einen Ausbildungsplatz. Nicht immer finden sie sich. Aus verschiedenen Gründen: Schüler konzentrieren sich auf vermeintlich im Trend liegende Berufe, die Bewerbungsunterlagen sind unvorteilhaft, fehlende Motivation.

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen vor einer Hemmschwelle, weil sie teilweise schlechte Erfahrungen mit desinteressierten Azubis gemacht haben. Was droht, sind steigende Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel.

Dem will die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) mit dem Projekt „Passgenaue Vermittlung“ auf dem Gelände des Loherhofes in Geilenkirchen entgegenwirken; gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und kofinanziert aus den Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union. Das gilt für die nach einem Ausbildungsplatz suchenden Jugendlichen einerseits und für kleine und mittelständische Unternehmen, die einen Auszubildenden gewinnen möchten, andererseits.

Heinrich Verboket, Job-Coach und Arbeitspädagoge, betreut das Projekt für die FAW im Kreis Heinsberg. In Schulen, Vereinen und Sprachkursen der Volkshochschule hat er die Initiative vorgestellt mit dem Ziel, mit Schülern ins Gespräch zu kommen. Zentrales Element ist die Eins-zu-eins-Betreuung. Im Gespräch will der Job-Coach herausfinden, was dem Jugendlichen Spaß macht, welche Interessen er hat, wie die Situation in der Familie ist. „Das sind zum Teil sehr persönliche Informationen, aber die helfen mir, den passenden Ausbildungsbetrieb für den Bewerber zu finden.“

Das bedeutet aber nicht, dass Heinrich Verboket ab dem ersten Gespräch sämtliche Fäden in die Hand nimmt. „Es ist ein Unterstützungsangebot, der einen gewissen Prozentsatz an Eigenleistung von den Jugendlichen verlangt“, erklärt er. Man könne sie nicht in Watte packen – und das wolle man auch nicht, sondern sie vielmehr davon überzeugen, selbst mitzuarbeiten. Das fange bereits bei den Bewerbungsunterlagen an, gehe über die Vorbereitung des Vorstellungsgespräches bis hin zur Klärung möglicher Aufgaben, die im Rahmen eines Assessment Centers anstehen könnten.

Weiß Heinrich Verboket um die Stärken der Jugendlichen und deren Berufswunsch, sucht er in einem Pool von Unternehmen nach möglichen Ausbildungsstätten. Er fragt an, ob dort ein Platz frei ist und gibt die Adresse an den Bewerber weiter.

Das kostenlose Angebot ist eine Hilfe für viele Jugendliche – und dennoch: Zeigen viele im ersten Gespräch großes Interesse, erscheint nur etwa die Hälfte derer zum zweiten Termin. „Es gibt auch Schüler, denen ich Adressen schicke, und die sich dennoch nicht motivieren können, eine Bewerbung abzuschicken. Wir erreichen viele, aber nicht alle.“

Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten. Vier Jugendliche hat Verboket in den vergangenen Monaten vermitteln können. Darunter eine junge Frau, die mehr als hundert Bewerbungen verschickt hatte. Mit Hilfe des Job-Coachs fand sie eine Stelle – und ist jetzt sehr glücklich, wie Verboket erzählt.

Daran will die FAW anknüpfen. Ziel für die Zukunft ist es unter anderem, ein umfangreiches Netzwerk ausbildungswilliger Unternehmer und Betriebe aus der Region zu etablieren. Dazu gehört auch, die Vorstellungen von Bewerbern und die Anforderungen von Betrieben einander anzunähern. „Einstellungskriterien nach Notendurchschnitt sind nur die eine Seite der Medaille“, sagt Verboket. „Der junge Erwachsene muss in den Betrieb passen und Interesse haben. Ich versuche, Firmen oft davon zu überzeugen, sich den Bewerber mal in einem Praktikum anzuschauen. Wenn der dann engagiert und interessiert ist, sind die Noten zweitrangig.“

Mit dieser Form der Vermittlung will man wie bei einem Puzzle Be werber und Ausbilder zusammenbringen. So werden Fehl- und Nichtbesetzungen vermieden und Abbrüche reduziert. Das erfordert Selbstbewusstsein, Eigeninitiative und bisweilen Mut – und bringt dann Erfolg. Verboket: „Oft braucht es nur einen Anstupser – bei den Jugendlichen und den Firmen.“

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