Mit Mitra und rotem Mantel Freude verbreiten

Von: Andrea Schever
Letzte Aktualisierung:
9044123.jpg
Kleine Kinder und Eltern sind gleichsam fasziniert, wenn Franz-Peter Schleibach als Nikolaus verkleidet umherzieht.Der freut sich immer darauf, wenn er Kindern mit seinem Auftritt eine Freude machen kann.
9044121.jpg
Die Verwandlung zum Nikolaus nimmt seinen Lauf: Vor dem Spiegel kontrolliert Franz-Peter Schleibach noch einmal, ob Perücke und Bart richtig sitzen. Fotos (3): Andrea Schever Foto: Andrea Schever
9044125.jpg
Der große rote Mantel ist mit der Mitra typisches Erkennungszeichen für den Nikolaus.

Geilenkirchen/Alsdorf. Ein weißes Gewand, ein weißer Bart, roter Mantel, rote Mitra und ein goldener, mannshoher Krummstab – wer diese kurze Beschreibung hört, weiß schnell, um wen es geht. In diesen Tagen sah und sieht man als Nikolaus verkleidete Männer auf Märkten, in Geschäften und manchmal auch zu Hause. Doch wer steckt eigentlich hinter Rauschebart und Goldbrille? Der Nikolaus des Geilenkirchener Nikolausmarktes erzählt.

„Jetzt müsste ich dann doch noch einmal an den Spiegel“, bittet der große, schlanke Mann mit der Perücke auf dem Kopf. „Es muss ja alles richtig sitzen“, erklärt er und verbringt eine Zeit damit, Haarsträhnen und Bartkringel zu drapieren. Wenn Franz-Peter Schleibach sich für seinen Einsatz als Heiliger Nikolaus vorbereitet, nimmt er sich alle nötige Zeit – denn er möchte nicht, dass bei den Kindern durch eine Unachtsamkeit das Bild vom gabenbringenden Mann zerstört wird. Wehe, da klingelt ein Handy! Sitzt dann auch die Mitra richtig, nimmt er Bischofsstab und goldenes Buch und macht sich auf, Kindern eine Freude zu bereiten.

Angefangen hat für den Mann aus Alsdorf alles vor 15 Jahren in Kindergärten und Schulklassen – damals noch relativ spontan und in einem geliehenen Kostüm. Als sich die Anfragen bei Franz-Peter Schleibach dann jedoch häuften und ein Leihen zu umständlich wurde, legte Schleibach sich seine eigene Garnitur mitsamt Bischofsmantel, Alba (dem weißen Untergewand), Mitra und Bischofsstab zu. Die Sachen anzuziehen geht dank der vielen Jahre Erfahrung schnell.

Historische Hintergründe

Wenn der als Nikolaus Verkleidete dann wie in den letzten sieben Jahren über den Markt in Geilenkirchen schreitet, grüßt er jeden, der ihm begegnet. Er verdunkelt seine Stimme ein wenig, spricht gediegener und fragt herzlich, ob auch jeder brav gewesen sei. Und sollte ihn ein Kind einmal auf die Probe stellen wollen, weiß er sich auch zu helfen: Er kennt die historischen Hintergründe zur Figur, die er Jahr für Jahr mimt. Ja, er komme aus Myra in der Türkei und habe Kindern geholfen. Ein paar Basis-Sätze auf Türkisch kann er dann auch: „Guten Tag“, „Wie geht es?“, „Mir geht es gut.“ Im Englischen muss er sich auch gelegentlich üben: Für die Kinder der Nato-Angehörigen.

Leuchtende Augen

Was ihm bisher die größte Freude bereitet, kann er nicht genau sagen. „Kleine Kinder haben meist die am stärksten leuchtenden Augen, wenn sie den vor ihnen stehenden Nikolaus staunend von oben bis unten begutachten und dabei vergessen, den Weckmann zu nehmen.“ Man merkt Schleibach an, dass ihm bei solchen Gedanken das Herz aufgeht. „Wer das des Geldes wegen macht, wird damit nicht glücklich“, stellt er klar. Es gehöre eben auch eine gewisse eigene Überzeugung dazu.

Da sei es auch nicht schlimm, wenn man sich in vollen Garagen, kalten Scheunen oder in mit Wäscheleinen gespickten Dachböden umziehen muss, damit die Kleinen ihn nicht sehen. In seinem Kostüm wird ihm jedoch nie kalt. „Die Kinder heizen einem dann doch schon einmal ganz schön ein“, sagt er und lacht, „da braucht man keine lange Unterhose mehr.“

Ein Herz für Kinder

Franz-Peter Schleibach hat jedoch nicht nur in der Vorweihnachtszeit ein Herz für Kinder. Schon vor seiner Nikolaus-Zeit spielte er im Alsdorfer Kindertheater „Pipapo“ mit und unterstützt den wohltätigen Verein Nedim.

Auf die Frage, ob er denn auch bei seinen eigenen Kindern den Nikolaus vertreten hat, lacht er. Schmunzelnd erinnert er sich an das erste Mal, als er in voller Montur kam: „Die Tür ging auf, meine Töchter guckten mich an – und machten die Tür wieder zu.“ Als ihn seine Frau dann ins Haus ließ, fanden sie die beiden Kinder unter der Eckbank verkrochen. Die Töchter hatten schlicht Angst vor dem großen Mann, der aufgrund seiner Mitra mit den meisten Türen Probleme hat.

Doch auch mit verängstigten Kindern kommt Franz-Peter Schleibach klar. Auf seine ganz eigene, authentische Art hat er noch aus fast jedem Kind ein paar Töne heraus bekommen. Und am Ende freut sich doch jedes Kind, vom großen Heiligen der Vorweihnachtszeit eine Kleinigkeit geschenkt zu bekommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert