Geilenkirchen - Mit einer Nussbaumschale einen Nachwuchspreis gewonnen

Mit einer Nussbaumschale einen Nachwuchspreis gewonnen

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Silvia Hamacher in ihrem Hobbykeller: Mit einer gedrechselten Schale hat sie einen Preis gewonnen. Foto: vm
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Mit der dunklen Schale aus amerikanisch Nussbaum hat Silvia Hamacher den ersten Platz belegt.

Geilenkirchen. Was macht eine Verwaltungsbeamtin aus Leiffarth beim internationalen Drechslerforum im Allgäu? Mit einer Schale den ersten Platz in einem Wettbewerb erlangen – Was sonst!? Gut, ganz so selbstverständlich ist das nicht, aber im Falle von Silvia Hamacher auch nicht ganz so überraschend, wenn man ihre Geschichte kennt.

„Mein Vater ist gelernter Dreher und hat in seiner Freizeit gedrechselt“, erzählt die 42-Jährige. „Ich fand es immer beeindruckend, was man mit einfachen Mitteln erreichen kann.“ Und irgendwann, als ihr Vater immer älter geworden sei, habe sie den Entschluss gefasst, ihn zu bitten, ihr das Drechseln beizubringen. „Tja, Kind, zeigen kann ich dir das schon. Aber gelernt habe ich das auch nicht“, habe der inzwischen 70-Jährige damals geantwortet.

Silvia Hamacher war sofort begeistert, als sie das erste Mal an der Werkbank stand. Das war vor zehn Jahren. Eines der ersten Stücke war ein Becher aus Birnenholz. Der dazugehörige Baum stand im elterlichen Garten einer Freundin, als er weg sollte, haben die Hamachers ihn eigenhändig gefällt und zerlegt. Monatelang hat der daraus geformte Rohling gelagert, bis er trocken war. „Am besten funktioniert das im Schuppen meines Vaters“, sagt Silvia Hamacher: langsam und gleichmäßig. Mit der Zeit verlöre ein Rohling von dreieinhalb Kilo rund ein Kilo Feuchtigkeit.

Unzählige Becher, Schalen, Kreisel, Flaschenöffner, Dosen mit Deckel und Füllfederhalter hat die 42-Jährige inzwischen angefertigt. Den Hobbykeller teilt sie sich mit ihrem Mann. Der ist ebenfalls Verwaltungsbeamter und arbeitet ebenfalls in der Freizeit mit Holz.

Normalerweise ist der Keller auch das „natürliche Umfeld“ von Drechslern wie Silvia Hamacher, übers Internet hat sie aber früh Kontakte zu anderen Laien und auch zu Profis geknüpft. Im Drechslerforum tauschen sich Hunderte aus und seit ein paar Jahren treffen sie sich regelmäßig. Zuletzt in Seeg im Allgäu.

Silvia Hamacher fuhr mit ihrer Schale aus amerikanisch Nussbaum hin, die einen Durchmesser von 44 Zentimetern hat und an der dünnsten Stelle drei Millimeter dick ist. Zwei Tage hat sie dafür gebraucht. Dass Profis das in viel kürzerer Zeit hinbekommen, weiß die 42-Jährige – es stört sie herzlich wenig. Schließlich ist das Drechseln für sie kein Wettbewerb auf Zeit.

„Das Schwierige an der Schale war die Größe. Je größer ein Stück Holz ist, desto leichter gerät es irgendwann ins Flattern und kann reißen“, erklärt sie. Außerdem sei es entscheidend, den Schwung hinzubekommen. Also an der Oberseite nicht zu steil anzusetzen, weil man sonst sehr schnell nur noch in die Waagerechte gehen kann. Und bei der „Siegerschale“ sei ihr das sanfte, stetige Abflachen gut gelungen. „Ich war selbst überrascht“, meint die gebürtige Jülicherin. Das Ergebnis überzeugt durch schlichte Schönheit und weil es sich wunderbar ebenmäßig anfühlt.

160 Bewerber in drei Kategorien traten in Seeg an, Silvia Hamacher als Einsteigerin. Nicht nur der Preis sei eine tolle Bestätigung gewesen, sondern auch, dass Menschen auf Kunsthandwerkermärkten, auf denen sie gelegentlich sei, „tatsächlich bereit sind, für ein Stück etwas zu bezahlen“. Aber auch ohne die Bestätigung von außen sei es ein schönes, wenn auch teures Hobby. „Das Drechseln hat fast etwas Meditatives“, sagt sie. Und es sei eben etwas Anderes, so eine Schale in den Händen zu halten, als ein Papier abzuheften und den Ordner ins Regal zu stellen. Was nicht bedeute, dass ihr ihre Arbeit keinen Spaß machen würde. „Der intensive Austausch mit dem Material, zu schauen, was man daraus machen kann und wenn das am Ende geklappt hat – trotz Schwierigkeiten – das ist toll.“

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