Geilenkirchen - Mit Drachen-Hilfe über Wellenkämme: Kitesurfer Sebastian Wagner

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Mit Drachen-Hilfe über Wellenkämme: Kitesurfer Sebastian Wagner

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
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Dreimal Sebastian Wagner mit der Freestyle-Figur „raily handlepass”. Ein Ausschnitt der Wertungsfahrt vor Büsum (Bild), aus drei Einzelmotiven am Computer zusammengestellt.

Geilenkirchen. Der „Drei-Eins-Drei” gehört zu Sebastians besonderen Tricks. Dabei wechselt man, vereinfacht ausgedrückt, das Zugseil von der einen in die andere Hand, aber im Rücken und bei voller Fahrt.

Diese Bewegung findet auf dem Wasser statt, denn Sebastian Wagner ist Kitesurfer. Mit „313” und anderen Übungen versucht der 15-Jährige aus Waurichen Mitte August weit vorn in der Wertung der Deutschen Junioren-Meisterschaft zu landen.

Seit fünf Jahren pflegt der Geilenkirchener Realschüler diesen außergewöhnlichen und recht jungen Sport, der um 2000 auf Hawaii kreiert worden ist. Kiter stehen auf dem Brett, dem Board, lassen sich per Segel, dem sieben-acht Quadratmeter großen Drachen, über die Wellenkämme ziehen. Das geht mit ordentlichen Geschwindigkeiten, die nicht mehr tauglichen wären für Fußgängerzonen. Aber auch mit ebenso gewagten wie gewaltigen Sprüngen über die Gischt hinweg.

Herbert Wagner ist an der sportlichen Entwicklung seines Sohnes nicht unbeteiligt. Das Hobby des 49-jährigen Elektrotechnikers war und ist Windsurfing. „Inzwischen bin ich auch Kiter”, verrät er den familiär bedingten Wechsel auf ein verwandtes Sportgerät.

Ehefrau Elvira teilt die Leidenschaft von Mann und Sohn. Das heißt, sie ist mit dabei, wenn es an zahlreichen Wochenenden und in Ferienzeiten hinaus geht an die Strände. Für die Kurztrips steht das Wohnmobil bereit. „Da sind in der Saison schon dreieinhalbtausend Kilometer pro Monat möglich”, führt Herbert Wagner Buch.

Wie gerade jetzt: Bis zum vorigen Abend noch war die Familie - Sebastians Schwester Kathrin studiert inzwischen - in Sankt Peter Ording. Zum Training mit Board und Drachen an der Nordsee. Des nachts wird zurückgefahren. „In sechseinhalb Stunden ist das erledigt”, kennt Herbert Wagner die Strecken zu etlichen Übungsplätzen fast auswendig. Dazu gehören auch Masseik oder Kessenich in Belgien, Brouwersdam oder Den Helder in Holland.

An welchem Ort gerade treibfähiger Wind herrscht, erfährt Sebastian Wagner aus dem Internet. Surfer kennen die Seite vom „windguru.com”, der allein für Deutschland 234 aussichtsreiche Plätze nennt, die Windgeschwindigkeit und -richtung vermittelt. Diese Voraussagen sind über zwei Tage sehr stabil, weiß die unternehmungsfreudige Familie aus Erfahrung. Wichtig für den Kitesurfer: „Der Wind muss kacheln!”, sagt Sebastian.

2008 schaffte Sebastian den 1. Platz beim Junior ProCamp. Im vorigen Jahr hat der 15-Jährige erste Erfahrungen in der Kitesurf-Trophy gesammelt; im F-One-Team belegte Sebastian auf Fehmarn Rang 8 der Deutschen Junioren-Meisterschaft. Und das Jahr 2010 sieht Sebastian Wagner nach zwei Durchgängen der DM auf Rang fünf. Dazu reichte die Wertung von Mitte Mai in Büsum; der erste Sichtungstermin in Dahme wurde wegen lauen Wetters annulliert.

Jetzt wieder Fehmarn! Die Orientierung gilt dem Vorsprung des amtierenden Deutschen Junioren-Meister Nils Wesch, ebenfalls 15 Jahre, aus Flensburg: 0,7 Punkte für ihn zu Sebastians 5,5 Punkten. In zwei Disziplinen wird gewertet. „Race” heißt die erste Kite-Fahrt nach vorgegebenem Kurs um drei Wassertonnen herum. Beim „Freestyle” gibt es acht Minuten Zeit, „all die Tricks, die man drauf hat, im direkten Vergleich mit einem zweiten Surfer zu zeigen”, erklärt Sebastian ein Stück Regelwerk zwischen „Backmobe” und „Black to Blind”.

Wie in den höheren Klassen der Herren und Damen wird in etwa 30er Feldern gestartet. Etwa 40 Euro zahlt man als Startgeld. „Da gibt es richtig Gegenwert fürs Geld”, schwärm Sebastian. „Die Sponsoren hängen sich richtig rein.” Das Marketing beherrschen die Veranstalter entlang der Küste, ob in Peter Ording oder auf Sylt. Im Süden der Insel ist einer der Lieblingsplätze von Kiter Sebastian: „Vor Hörnum sind wenig Wellen. Das ist gut für den Freestyle, klasse zum Abspringen.”

An der Westseite dagegen, am Brandenburger Strand, zurrt es so recht für den Worldcup, der in drei Wochen beginnt. Ob Sebastian - mit Eltern - mal vorbeischaut? Noch offen. Prima Kite-Training ist auch in Südspanien bei Gibraltar möglich.

Oder in Lefkas an der griechischen Mittelmeerküste. Die Sommerferien erlauben es. Gegen Ende derselben muss es dann Fehmarn sein. Wegen der Meisterschaft. Sebastian möchte dann noch perfekter sein beim Airpass, beim Backmobe, natürlich beim Drei-Eins-Drei.
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