Gangelt-Hastenrath - Meisterhaftees Konzert: Vom Kuckuck im Baum und tragischer Liebesstory

Meisterhaftees Konzert: Vom Kuckuck im Baum und tragischer Liebesstory

Von: Johannes Gottwald
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Christian Ernst begleitete den
Christian Ernst begleitete den Männergesangverein aus Höngen wieder einmal am Klavier. Ein Hochgenuss für das Publikum, wie auch die großartigen Darbietungen aller Ensembles an diesem außergewöhnlichen Konzertabend in Hastenrath. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Hastenrath. Der Männergesangverein (MGV) St. Josef in Höngen genießt den Anspruch, zu den besten und leistungsfähigsten Chorgemeinschaften derRegion zu gehören. In den vergangenen Jahren konnte er unter seinem Dirigenten Piet Tobben mehrfach den begehrten Titel „Meisterchor” erringen.

Anlässlich seines 110-jährigen Bestehens lud der MGV kürzlich zu einem „Konzert meisterlicher Chöre” ein, bei dem auch zwei weitere Gastchöre mitwirkten, die sich 2006 und 2010 ebenfalls mit dem Prädikat „Meisterchor” schmücken durften.

In der Hastenrather Festhalle blieben bei nur etwa 100 Zuhörern viele Stühle leer. Dies war höchst bedauerlich, denn man konnte an diesem Abend Chorgesang in einer Qualität und Vollendung erleben, wie man ihn sonst bei Konzerten hierzulande nur selten antrifft. Am Beginn standen vier Stücke aus der Welt von Musical und Operette.

Aus der 1957 am Broadway in New York uraufgeführten West Side Story erklang das spritzig-schwungvolle „Tonight”, in dem die erwartungsvolle Sehnsucht des Liebespaares Tony und Maria zum Ausdruck kommt. Das nachfolgende „Somewhere” dagegen zeichnet eine friedvolle Welt ohne Hass und Vorurteile, was in der Handlung leider nur Vision bleibt.

Unter der dezenten, stets unaufdringlichen Begleitung von Christian Ernst gelang Piet Tobben mit seinem MGV St. Josef eine klangschöne und ausdrucksstarke Wiedergabe der beiden Ausschnitte, wobei er bei „Somewhere” ein beinahe oratorienhaft breites Tempo nahm.

Ebenso überzeugend wurde die verzweifelte Komik von „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht” aus „My fair Lady” herübergebracht. Auch bei der Arie „Hey, look me over” aus „Wildcat” erwiesen sich die Chorsänger als absolut sicherer Klangkörper, der keineswegs die Begleitung als notwendige Stütze, sondern vielmehr als lebendige Ergänzung einbezog, was man sonst häufig umgekehrt erlebt.

Dann war die Bühne frei für den MGV Alsdorf-Broicher Siedlung unter der Leitung von Agatha Sewera, der im Gegensatz zum stark besetzten MGV St. Josef über kaum mehr als 20 Stimmen verfügte - und dennoch gänzlich ohne Begleitung auskam. Gleichwohl war die stimmliche Qualität ebenso meisterlich. Mit selbst in den höchsten Lagen glockenreiner Intonation zog eine Serie volkstümlicher Gesänge in kammermusikalisch lichter Transparenz vorüber.

Nach der Pause betrat dann der MGV Cäcila Waldfeucht mit seinem Dirigenten Luuc Carsten das Podium. Diesmal betätigte sich der Chorleiter auch als begleitender Pianist, was sich aber keineswegs als Nachteil erwies: „Still wie die Nacht” von Carl Bohm und der bekannte „Ungarische Tanz” Nr. 6 von Brahms wurde von den Sängern glänzend und gefühlstief vorgetragen. Bei der „Schönen Nacht” und der russischen „Troikafahrt” zeigte der MGV Cäcilia aber auch großartige a-cappella-Gesangskunst. „Only you” enthielt ein schönes Solo von Frank Bischofs. Und auch die humorvolle Seite des Gesanges wurde nicht ausgespart: „Im Gesangverein” von Billy Joel und „Wir werden uns wiedersehen” von den „Höhnern” huldigten die Waldfeuchter dem rheinischen Frohsinn.

Den Schlusspunkt setzte der MGV St. Josef mit einem farbigen Strauß schöner Volkslieder. Nach den eingängigen deutschen Weisen „Heute wollen wir das Ränzlein schnüren”, „Wenn alle Brünnlein fließen” und „Das Lieben bringt groß Freud” begab man sich auf Europa-Tournee mit dem russischen Wolga-Lied, dem dalmatischen „Plovi, Plovi” sowie dem englischen „Greensleeves” und machte sogar einen Abstecher nach Ghana mit „Wasma Ajelile” von Michael Schmoll.


Insgesamt war es ein eindrucksvoller Konzertabend, der wieder einmal vor Augen führte, über wie viel kulturelles Potenzial die Region verfügt - wenn es nur entsprechend gefördert wird.
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