Meditationsabend im Kloster Maria Lind: Suchen nach Gott

Von: Verena Müller
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Meditationsabend im Kloster Ma
Meditationsabend im Kloster Maria Lind in Braunsrath: Helmut Laurs, Bernadette Pukallus und Angelika Peters nehmen regelmäßig an dem Angebot teil. Die Suche nach Gott und nach Ruhe vom Alltag hat sie hierher gebracht - und überzeugt, zu bleiben. Foto: Verena Müller

Waldfeucht-Braunsrath. Zweimal 15 Minuten still dasitzen, ruhig atmen und den Kopf leerbekommen. Klingt nicht so schwer. Eigentlich. Einmal im Monat trifft sich eine lockere Runde im Klarissenkloster Maria Lind in Braunsrath, um „vor Gott leer zu werden” wie es Diakon Peter Derichs beschreibt.

Gemeinsam mit Schwester Theresia Hegermann leitet er die Meditationsabende seit 1996. Kommen kann jeder, ausgeschlossen wurde noch niemand. Die meisten Teilnehmer stehen dem christlichen Gott sehr nahe, manche haben aber schon Abstecher in andere Glaubensrichtungen - etwa den Buddhismus - gemacht und den Weg zum Christentum zurückgefunden.

Es ist Montagabend, insgesamt zwölf Menschen haben sich im Pilgersaal um den Tisch versammelt. Derichs sitzt am Kopfende, für die Neulinge erzählt er kurz, worum es bei der Meditation geht, was eine bildliche Meditation von der christlichen unterscheidet und gibt praktische Tipps. Der wichtigste Tipp überhaupt: Mit sich selbst nicht zu hart sein.

Was er damit meint, erfährt man als Anfänger eine Dreiviertelstunde später schneller, als man vielleicht vermutet hätte. Alle sitzen im Kreis um den Altar, manche auf Stühlen, andere auf Bänkchen. Es ist relativ dunkel, eine Kerze brennt. Alle sind ruhig.

Das mit dem gleichmäßigen nach unten Atmen, von dem Derichs eben noch sprach, „als sei das Becken ein Gefäß”, klappt problemlos. Jetzt müsste man im Moment nach dem Ausatmen, der kurzen Pause, in den gedankenlosen, zweckfreien Zustand kommen. Konzentration... und ... da fährt am Kloster ein Auto vorbei. Mist! Noch mal. Stille. Wieder konzentrieren... Der erste hustet. Der Diakon hatte gesagt, dass es besser sei, kurz zu Husten, als die ganze Zeit den Hustenreiz zu unterdrücken und damit für noch mehr Unruhe zu sorgen. Jetzt husten noch gleich zwei weitere Kursteilnehmer, fast, als seien sie erleichtert, dass einer den Anfang gemacht hat. Und so geht es die ersten 15 Minuten weiter. Irgendwas stört immer. Zumindest vermutlich die meisten Anfänger. Und wenn es nur die eigenen Gedanken an den weiteren Verlauf des Abends sind.

„Die Gedanken loszulassen ist eine schwierige Aufgabe. Wenn man in der Stille dasitzt, kann es sein, dass auf einmal alles über einen reinbricht. Das sollte man nicht unter den Teppich kehren. Man sollte dann nicht kämpfen, sondern es liebevoll wahrnehmen, aber sich nicht davon wegziehen lassen”, sagt Derichs. Und einfach neu anfangen.

Für Rita von Birgelen (75), die mit Mann Theo (76) aus Heinsberg gekommen ist, war das offenbar kein Problem: „Gut, wirklich gut” sei es gewesen, sagte sie nach der Meditation. Seit zwei Jahren ist das Ehepaar dabei, von einem „mühsamen Weg” spricht Rita von Birgelen, den sie gehen musste, um dorthin zu gelangen, wo sie heute steht. „Ich habe immer versucht, dem Herrgott im Gebet besonders tolle Texte anzubieten. Aber ich kam ihm nicht näher”, erzählt die 75-Jährige. Irgendwann habe sie sich dann „Schluss, Aus!” gesagt, „Das bist du nicht, du sprichst jetzt zu ihm, wie du immer sprichst.” Das sei der Wendepunkt gewesen, seitdem sei sie auch leichter in die Meditation reingekommen.

Entstanden ist der Meditationsabend aus einem Seminar der Lebenshilfe. „Immer mehr Mitarbeiter waren überfordert”, sagt Heinz Schmitz, Rentner. „Sie hatten das, was heute als Burnout in aller Munde ist.” Aus einer „Einrichtung der Lebenshilfe” sei dann der Meditationsabend entstanden, der allen Interessierten offensteht.

Überwiegend Ältere nehmen das Angebot an, „weil diese noch gelernt haben, über das Gebet zur Ruhe zu kommen und sich deshalb auch auf die Meditation einlassen können”, meint Heinz Schmitz. Heute wäre es kaum noch still in der Kirche, ständig würde mit den Füßen gescharrt.

Im Gespräch vor der Meditation erzählen die Besucher immer, welche Beobachtungen sie in letzter Zeit gemacht haben. Theo von Birgelen berichtet an diesem Abend, dass er während der Autofahrt nach Erkelenz zwei, drei Gesätze des Rosenkranzes bete - ob das in Ordnung ist, will er wissen. „Beim Autofahren mach ich das auch oft”, sagt Derichs. Von Birgelen nickt erleichtert.

Von einem, der autogenes Training während einer Autofahrt geübt habe, und bei Rot über eine Ampel gefahren sei, weiß Schmitz zu berichten - klar, das geht zu weit.Warten könne aber immer eine Einladung zum Innehalten sein, sagt Schwester Theresia. Im Supermarkt, in der Schlange, könne man das beispielsweise gut. Die Schwester ist jedes Mal dabei. Bischof Klaus Hemmerle hatte den Klarissinnen den Auftrag erteilt, die Menschen im Gebet zu unterstützen, deshalb tragen die Schwestern die Gruppe mit.

In der zweiten Meditationsrunde hat sich zum Husten Bauchgluckern gesellt. „Das ist normal, dafür muss sich keiner schämen. Durch die Meditation werden die Organe angeregt”, sagt Derichs. Die zweiten 15 Minuten gehen schneller zu Ende als die ersten, für die meisten der Gruppe sogar leer oder gedankenlos.

„Ich meditiere auch zu Hause, auch schon mal anders, über Musik oder Texte”, erzählt Bernadette Pukallus (48) aus Wassenberg-Birgelen. Aber die Gruppe sei jedes Mal etwas Besonderes - zumal bei ihr zu Hause gerade die Handwerker zugange seien und sie dort eh nicht zur Ruhe käme.

Angelika Peters (54) aus Kirchhoven ist schon seit zehn Jahren dabei. Auf der Suche, Gott zu erfahren, habe sie während der Meditationen oft eine tiefe Nähe, Liebe und Geborgenheit gespürt, erzählt sie. Das gebe ihr viel Kraft für den Alltag.

„Zweckfrei, passiv, nicht wertend”, sagt Derichs, soll der Zustand sein. Als bliebe die Zeit kurz stehen. „Das ist ganz schwer - aber eigentlich auch ganz einfach”, meint er.

Wer Lust hat, kann ohne Anmeldung und unverbindlich bei jedem Meditationsabend vorbeischauen. Die Abende finden einmal im Monat ab 20 Uhr statt. Die nächsten Termine sind der 12. März und der 23. April. Bei Rückfragen steht Diakon Peter Derichs unter Tel. 0172/2565581 zur Verfügung.
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