Medienkompetenz im Kindergarten fördern

Von: Udo Stüßer
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Geilenkirchen. „Es gibt Kinder, die kommen morgens um 9 Uhr zu uns und haben schon die erste DVD gesehen”, klagt Beatrix Pelzer, Erzieherin in der Integrativen Kindertagesstätte Stadtmitte der Arbeiterwohlfahrt. Und sie weiß auch: „Die Kommunikation in den Familien ist weniger geworden.”

Obwohl die Erzieherinnen der Kindertagesstätte Bilder- und Kinderbücher lieben, verteufeln sie auch andere Medien - Fernseher, CD und PC - keinesfalls. Sie heben nicht den berühmten Zeigefinger, wollen hingegen einen gezielten Umgang mit diesen Medien vermitteln. Beatrix Pelzer weiß: „Ohne PC und Fernseher kommt man heute nicht aus. Aber es darf keine Berieselung stattfinden”, wendet sie sich gegen unkontrolliertes Fernsehen. Sie fordert: „Eltern sollten mit ihren Kindern gemeinsam fernsehen und dann mit den Kindern darüber reden.”

Ingrid Grein, Leiterin der Kindertagesstätte, bedauert: „Oft werden Kinder nur vor dem Fernseher geparkt.” Deshalb sehen die beiden Frauen es als eine der vielfältigen Aufgaben der Kindertagesstätte an, den gezielten Umgang mit Medien zu vermitteln. Sie wollen den Grundstein für den sorgfältigen und kritischen Umgang mit Fernseher und Co legen. Aus diesem Grund haben Beatrix Pelzer und ihre Kollegin Lydia Walger eine Fortbildung zur Medienpädagogik absolviert und darüber hinaus an einer 40 Module umfassenden Schulung zum „Schlau-Mäuse-Programm” von Microsoft teilgenommen.

Sicherlich steht zunächst das Buch im Vordergrund: „Die meisten Kinder kennen natürlich Bücher von zuhause. Wir wünschen uns aber, dass die Bücher, die mit den Kindern angeschaut werden, nicht so oft wechseln. Man muss den Kindern nicht jeden Tag etwas Neues bieten”, sagt Ingrid Grein. Lese man dem Kind jeden Tag das gleiche Buch vor, könne es die Szenen besser verstehen und sich in die Personen hineinversetzen, rät Beatrix Pelzer.

„Und man entdeckt immer etwas Neues in dem Buch und schafft so Sprachanlässe.” Die gemütlichen Leseecken in der Kindertagesstätte mit Sofa und kuscheligen Kissen laden förmlich zur Bilderbuchbetrachtung ein. Meist sind es themenbezogene Bücher, die erarbeitet werden. Derzeit lautet das Thema naturgemäß „Früchte und Herbstzeit”.

Da werden aber nicht nur Bilder betrachtet, da werden auch herrliche Äpfel vom Baum auf dem Kindergarten-Gelände gepflückt, da wird gemeinsam Apfelmus gekocht, da wird gesungen und gespielt. „Wir müssen die Kinder auf die Zukunft vorbereiten, die auch durch andere Medien geprägt ist. Dabei brauchen Kinder Orientierung”, sagt Ingrid Grein.

Die Erzieherinnen wollen das Fernsehen transparent machen, aufzeigen, dass das Gesehene nicht Realität ist, sondern von Menschen produziert wird. Dies geschieht durch die gezielte Nachahmung von Geräuschen. Das Kettenrasseln eines Gespenstes im Fernseher kann sicherlich furchteinflößend sein. Besonders dann, wenn das Kind alleine davor sitzt. Wenn man es aber spielerisch in der Gruppe nachahmt, verliert es schnell seinen Schrecken.

Gezieltes Zuhören, Geräusche erkennen und benennen und dabei den Sprachschatz der Kleinen erweitern, wollen die Pädagoginnen der Kindertagesstätte. „Ein ganzes Buch vertonen macht nicht nur Spaß. Man erzählt, man plant gemeinsam, die Teamfähigkeit wird gefördert, und man erkennt, dass es oft verschiedene Lösungen für ein Problem gibt”, sagen die Erzieherinnen. Wie Donner und Fußtritte im Schnee auf einer CD entstehen, können die Kinder mit einem Mikrofon ausprobieren. „Das genaue Zuhören muss geschult werden, Laute sollen erkannt und zugeordnet werden. Das ist ganz wichtig für den Erwerb der Sprache”, sagt Ingrid Grein.

Mit der Hilfe der Eltern wurde jetzt in der Kindertagesstätte am Beamtenweg eine Medienwerkstatt eingerichtet, in der die Kinder am Laptop und PC Aufgaben lösen und Begriffe nachsprechen. „Das dient auch der Integration von Kindern, die die deutsche Sprache nicht so beherrschen. Hier geht vieles zunächst über Geräusche”, sagt Ingrid Grein. Und Beatrix Pelzer stellt fest: „Dabei soll der Computer aber nicht die Kommunikation ersetzen, sondern bietet lediglich eine Erweiterung der Sprachausbildung.”

Derweil hat Ingrid Grein festgestellt: „Die deutsche Sprache kann cool sein. Sprache ist vielfältig. Man kann sie auch vielfältig vermitteln. Man sollte sich dabei die gängigsten Medien zu Nutzen machen.” Aber bei all der Diskussion um PC und Fernseher betonen Ingrid Grein und Beatrix Pelzer: „Der Ausschalter ist ganz wichtig.”
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