Geilenkirchen - „Mariä Lichtmess“: Kerzen statt Krippen und Bäume

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„Mariä Lichtmess“: Kerzen statt Krippen und Bäume

Von: Johannes Gottwald
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An Mariä Lichtmess begeht die Kirche das Fest der symbolischen Aufopferung Jesu im Tempel. Dieses Mosaik – Nachbildung der „Immerwährenden Hilfe” – ist in der Hünshovener Kirche St. Johann zu finden. Foto: Gottwald

Geilenkirchen. Gottesdienstbesucher in unseren katholischen Kirchen erleben am morgigen Sonntag ein besonderes Ritual: Vor dem Altar werden bereitgestellte Kerzen vom Priester gesegnet und nach der Messe – gegen eine kleine Spende – an Gläubige verteilt.

Zu Hause werden sie dann zuweilen angezündet, wenn ein Angehöriger erkrankt ist oder man sich in einer besonderen Notlage befindet. Dieses Brauchtum gehört zum „Fest der Darstellung des Herrn“, volkstümlich auch „Mariä Lichtmess“ genannt. Vor der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils bildete dieser Tag den Abschluss der Weihnachtszeit, danach wurden Krippen und Bäume aus der Kirche entfernt. Das ist an vielen Orten bis heute beibehalten worden.

Das Fest Mariä Lichtmess knüpft an eine alte biblische Tradition an, da es genau vierzig Tage nach Weihnachten stattfindet. Wie der Evangelist Lukas berichtet, brachten Maria und Joseph an diesem Tag ihr neugeborenes Kind nach Jerusalem in den Tempel. Dies entsprach einer alten jüdischen Vorschrift, die bereits zu den Mosaischen Gesetzen gehörte: „Alle Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.“ Das spielt auf die „Passah-Nacht“ an, als über Ägypten die letzte und schwerste der zehn Plagen hereinbrach. Alle Erstgeborenen starben in dieser Nacht, nur die Kinder des Volkes Israel blieben am Leben. Erst danach durfte das Volk Gottes aus der Sklaverei in das Gelobte Land ziehen, das ihm verheißen war.

Außerdem gab es im alten Orient bei den heidnischen Völkern den scheußlichen Brauch, das erstgeborene Kind zum Dank den Göttern zu opfern. Diese rituellen Menschenopfer hatte der Gott Jahwe den Israeliten streng verboten, statt dessen sollte ihm ein Tieropfer dargebracht werden. Dies taten auch Maria und Joseph – sie spendeten ein Paar Tauben. Dies war aber nur den Armen gestattet, bei „Besserverdienenden“ musste es schon eine Ziege oder ein Schaf sein.

Von Kerzen ist in der Bibel allerdings noch keine Rede. Hier bestehen vielmehr Zusammenhänge mit einer anderen antiken Gepflogenheit: Wenn ein König oder eine hochgestellte Persönlichkeit eine Stadt besuchte, ging man dem Gast mit Fackeln oder Lampen entgegen. Schon früh wurde die „Darstellung des Herrn“ gleichsam als der erste Einzug Jesu in Jerusalem betrachtet. Deshalb entwickelte sich bereits im 6. Jahrhundert in verschiedenen Klöstern in Bethlehem und Jerusalem die Tradition, an diesem Tag Jesus als den Herrscher der Welt symbolisch mit einer Lichter-Prozession willkommenzuheißen.

In unserer Region beschränkt man sich allerdings meist auf die Kerzensegnung. „Eine Prozession machen wir nur noch mit den Kommunionkindern, aber in einem separaten Gottesdienst“, sagt Pfarrer Winfried Müller aus Geilenkirchen. Dagegen werden in der GdG Gangelt gleich zwei festliche Gottesdienste am Lichtmess-Tag angeboten, der eine in Birgden, der andere in der Gangelter Stadtkirche St. Nikolaus. „In beiden Messen werden die neuen Kommunionkinder vorgestellt, und es gibt auch eine Lichter-Prozession“, so Pfarrer Rolf Hannig.

Fällt Mariä Lichtmess auf einen Sonntag, wird häufig am Ende der Messe auch der Blasius-Segen erteilt. Dieser hat mit dem Fest als solchem nichts zu tun, sondern bezieht sich auf den 3. Februar, dem Gedenktag dieses frühchristlichen Bischofs und Märtyrers. Blasius gehört zu den vierzehn Nothelfern und wird als Beistand gegen Halskrankheiten angerufen, weil er der Legende nach ein Kind vor dem Erstickungstod rettete, indem er ihm eine verschluckte Fischgräte aus dem Rachen zog.

Dieser Segen erfreut sich großer Popularität und genießt in Köln geradezu Kultstatus. Scherzhaft sagt man sogar, in Köln gebe es außer den traditionellen sieben Sakramenten der katholischen Kirche noch drei weitere: Den Blasius-Segen, das Aschenkreuz und die Fronleichnamsprozession.

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