„Mammut”: Ein Wahrzeichen Gillraths ist nur noch ein Stumpf

Von: g.s.
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Die Gefahr für die Öffentlichkeit war den Verantwortlichen zu groß. Der uralte Baum in Gillrath wurde radikal gekürzt. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Gillrath. Ein Wahrzeichen Gillraths, der geschätzt gut 150 Jahre alte Mammutbaum hinter dem Pfarrhaus, gibt es nicht mehr. Da schon im vergangenen Frühjahr ein dicker Ast abgebrochen war, hatte sich die Pfarre aus Sicherheitsgründen dazu durchringen müssen, das Monument beseitigen zu lassen. Zum Wochenende fällte die beauftragte Firma den bei den Gillrathern beliebten Baum; nur noch der Stamm blieb übrig.

Zum Wochenende fällte die beauftragte Firma den bei den Gillrathern beliebten Baum; nur noch der Stamm blieb übrig. Der in Deutschland recht selten anzutreffende Sequoiadendron giganteum, alias Riesenmammutbaum, hat eine bewegte Geschichte.

Niemand weiß genau, wie alt dieser Baum ist. Schätzungen liegen bei 130 bis 160 Jahre. Das weit über die Grenzen Gillraths bekannte Gehölz, auch Bergmammutbaum genannte Exemplar, verlor schon in der Nacht zum 22. Dezember 1954 seine Krone durch einen Orkan. Die herabfallende Baumspitze riss damals sogar alle Drähte der vorbeiführenden Oberleitung ab, so dass der Ort zwei Tage ohne Stromversorgung war.

Das ist beispielsweise nachzulesen in der Chronik der Pfarre St.- Mariä-Namen. Der Bruch geschah an einer durch Geschosseinwirkung aus dem 2. Weltkrieg stark beschädigten Stelle des Baumstamms. Der Stamm blieb mit einer Höhe von sechs Metern erhalten, ebenso einige Zweige.

Die Gillrather waren nun bemüht den Rest ihres Mammutbaumes zu bewahren. Sie hatten in Erfahrung gebracht, dass dieses Gehölz sehr zäh und widerstandsfähig ist. Kreisinspektor Diele von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Geilenkirchen nahm sich seinerzeit des geschundenen Baumes an und setzte ihm eine schützende Zementhaube auf.

Doch der „plombierte Patient” ließ im Frühjahr 1955 das Schlimmste befürchten, weil er infolge der strengen Nachtfröste einen hoffnungslosen Eindruck vermittelte. Aber langsam erholte sich der Riesenmammutbaum und begann sogar zu treiben. So blieb das große Gewächs mit einem Stammdurchmesser von fast zwei Metern den Gillrathern als ein Wahrzeichen des Dorfes erhalten.

„Bruder” in Wassenberg

Von den Mammutbäumen vertragen Riesenmammutbäume Nachtfröste am besten, und so gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts diese in Mitteleuropa als seltene Parkbäume. Einer der ältesten seiner Art soll im Schlossgarten zu Oldenburg stehen, und es ist nachgewiesen, dass er aus einem Samenkorn hervorging, dass der englische Botaniker William Lobb im Jahre 1853 von einer Reise aus der Sierra Nevada (Kalifornien) mitbrachte. Durch Vermittlung des deutschen Naturforschers Alexander von Humboldt kam der Samen nach Potsdam und der daraus gezogene Sämling in den Oldenburger Hofgarten.

Hoffen auf neue Triebe

Diese Angaben geben in etwa einen Anhaltspunkt für die Schätzung des Alters des Gillrather Baumes. Im Park in Wassenberg ist ebenfalls ein Riesenmammutbaum anzutreffen, der in etwa gleich alt sein wird, wobei die ältesten dieser Bäume über 3000 Jahre alt sind. Der dickste bekannte Mammutbaum in den USA hat einen Stammdurchmesser von 13 Metern, bei einem Gewicht von rund 2400 Tonnen; ein Blauwal wiegt etwa 140 Tonnen.

Ob nun aus dem übrig gebliebenen Stamm des Mammutbaumes in Gillrath wieder neues Leben erwacht, wie es viele Bürger erhoffen, wird die Zukunft zeigen.
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