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„Lügen über Lügen” zum Geburtstag

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Lotte Meisenkaiser (Lorna Schmitz) und der Vogelspezialist Dr. Otto Maria Honigmund (Detlef Kerseboom) gehörten zu den herrlichen Figuren, die 2009 in der „Pension Hollywood” lebten. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Welch ein Streich auf der Bühne vor großem Publikum: In dem Theaterstück „Das Damenduell” hatte Detlef Kerseboom mit drei weiteren Laienschauspielern der Theatergruppe Beeck am Ende des zweiten Aktes ein Trinkgelage darzustellen.

Nahmen die Darsteller bis dato nur Tee und Wasser in dieser Szene zu sich, hatte diesmal ein Schauspiel-Kollege die Getränke ausgetauscht. Gegen hochprozentigen Korn. „Ich hatte Glück, dass ich im dritten Akt nicht mehr viel sagen musste”, blickt Kerseboom lachend auf diesen Gag im Jahre 2006 zurück. Überhaupt wird bei der Theatergruppe Beeck viel gelacht, auch jetzt, im 20. Jahr ihres Bestehens. Aber vor jeder Aufführung steht Jahr für Jahr harte Arbeit...

Dessen war sich Kerseboom, heute Geschäftsführer des Vereins, sicherlich nicht so bewusst, als er der Truppe 1993 beitrat. Wenige Monate zuvor war er aus Norddeutschland in den schmucken Geilenkirchener Stadtteil gezogen. „In diesem Dorf wollte ich mich integrieren. Da ich nicht singen kann, kam der Gesangverein für mich nicht in Frage. Und Junggeselle war ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr. Da habe ich mich für die Theatergruppe entschieden.” Diese wollte er nur unterstützen. Als gerlernter Schreiner, so dachte er sich, könne er sich doch am Bühnenaufbau beteiligen. Das hat er auch einige Zeit mit dem heutigen Vorsitzenden Friedhelm Schmitz und einem Team getan.

Sicherlich: Viele Stücke hatte Kerseboom sich bereits angeschaut, im Theater und im Fernsehen. Aber nie hatte er selbst auf einer Bühne gestanden oder dies auch angestrebt. Doch bereits im ersten Jahr war die Laienschauspieltruppe personell schwach besetzt, und in „Maximilian der Starke” konnte die Rolle des Sparkassenleiters Reisig nicht besetzt werden. Kerseboom sprang ein. „Es war nur eine kleine Rolle, aber ich war sehr nervös.” Das ist der Mitarbeiter des Geilenkirchener Kulturamtes auch heute noch, bei kleinen und großen Rollen. „Das muss auch so sein, denn wenn man sich zu sicher ist, wird das Theaterspiel zur Routine, und man macht Fehler”, sagte er.

Anfang des Jahres bereits wird das Theaterstück ausgesucht, das am Ende des Jahres aufgeführt werden soll. Stets sieben Mal an drei Wochenenden in der Vereinsstätte Beeck. Meist sind alle Aufführungen ausverkauft, so das man summa summarum auf 1400 Besucher kommt. Zunächst werden Fachverlage angeschrieben, die Theaterstücke für Laiendarsteller anbieten. Von den durchschnittlich 20 bis 30 Zusendungen entscheidet sich der Vorstand der Beecker Theatergruppe für drei bis fünf Stücke, die dann von allen Mitgliedern gelesen werden. Dann setzt man sich zusammen, bewertet jedes Stück mit einer Note, und das neue Stück steht fest. „Auf jeden Fall sind es immer lustige Stücke. In einem Jahr Ômal Bauerntheater mit Klamauk, im nächsten Jahr dann eine Boulevardkomödie mit Wortwitz”, versichert Kerseboom.

Dann geht es um die Rollenverteilung, die teilweise durch den Verlag vorgegeben wird. Dieser liefert nämlich eine Beschreibung der Charakteren und deren Alter mit. In der Beecker Truppe sind alle Altersstufen vertreten, von 18 bis 70 Jahre. Dann muss die Zahl der Einsätze gezählt werden, um die Probenzeit eines jeden Mitgliedes festzulegen. Schließlich muss jedes Mitglied für sich entscheiden, wieviel Zeit es für das Auswendiglernen seines Textes investieren kann. „Und das fällt mit zunehmendem Alter sicherlich schwerer”, sagt Kerseboom. Im vergangenen Jahr spielte er in der „Pension Hollywood” die Rolle des Dr. Otto Maria Honigmund, eine mittlere Rolle, für die er viel Beifall erhielt, allerdings sieben- bis acht Stunden in der Woche seinen Text lernen musste. In diesem Jahr wird er in „Lügen über Lügen” den Beamten Leo Bubek spielen. „In dieser Hauptrolle habe ich drei Mal so viele Einsätze und gehe von 20 bis 25 Stunden Auswendiglernen in der Woche aus”, blickt Kerseboom auf die nächsten Monate.

Proben im Sommer

Ende Juni, Anfang Juli beginnen dann die Proben in der Vereinsstätte, zunächst einmal in der Woche, einen Monat vor den Aufführungen zweimal wöchentlich. Und dann muss auch noch das Bühnenbild gestaltet werden. Ab Mitte September sind die Ensemble-Mitglieder dann freitags und samstags im Einsatz, besorgen Möbel, tapezieren, streichen und setzen Türen in die Kulisse ein. Laientheater ist ein Full-time-job in der Freizeit.

„Wenn sich aber der Vorhang zur ersten Aufführung öffnet und man das Ah des Publikums hört, bekommt man schon eine Gänsehaut. Und wenn das Stück beim Publikum dann ankommt, ist es ein tolles Gefühl und bestätigt einen”, sagt Kerseboom, der mit seinen Schauspielkollegen den Menschen eine Freude, ein paar vergnügliche Stunden und etwas Abstand vom Alltag bieten will.

Für das Hobby von Detlef Kerseboom hat seine Frau Lucia großes Verständnis. „Ja, sie fragt mich ab, kritisiert und gibt Anregungen bei falscher Betonung”, lobt er ihre große Unterstützung.

Wenn die Theatergruppe Beeck in diesem Jahr Geburtstag feiert, wird sie es mit dem Stück tun, mit dem die Geschichte des Theaters in Beeck vor 20 Jahren begonnen hat, mit der Komödie in vier Akten „Lügen über Lügen” von Walter G. Pfaus.

Die Darsteller sind noch die gleichen wie vor 20 Jahren, nur Detlef Kerseboom ist bei dieser Aufführung neu. Und er fragt sich heute schon: Welcher Streich wird den Schauspielern diesmal bei der letzten Aufführung gespielt? Wird der Souffleusen-Kasten, wie im vergangenen Jahr in Pension Hollywood, mit einem Rollo vor den Schauspielern versteckt? Oder füllt man seinen Koffer, den er 2008 in „Der Bräutigam meiner Frau” tragen musste, heimlich mit schweren Backsteinen? Sicherlich nicht. Deshalb freut auch er sich, wie das treue Publikum, auf „Lügen über Lügen”...
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