Geilenkirchen - „Living Library“: Lebendige Bücher erzählen ihre Geschichte selbst

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„Living Library“: Lebendige Bücher erzählen ihre Geschichte selbst

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Sonja Wolf ist kurdischer Abstammung und wuchs in einer alevitischen Familie auf. Vor einigen Jahren hat sie den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, um selbstbestimmt leben zu können.
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Martha Keller, Jahrgang 1938, erzählt über ihre Erinnerungen an Krieg und Vertreibung. Sie wurde in Schlesien geboren, die Familie musste die Heimat während des Zweiten Weltkrieges verlassen.
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Der 32-jährige Ganesh Kumar Chowdhry stammt aus Afghanistan und kam im Jahr 2009 nach Deutschland. Nach seinem Realschulabschluss möchte er jetzt sein Fachabitur machen.

Geilenkirchen. Der Bürgertreff Geilenkirchen hat mit der ersten „Living Library“ im November 2013 einen wichtigen Schritt gegen Vorurteile und Stereotypisierungen gemacht. Vier Buchautoren standen zahlreichen Gästen als „lebende Bücher“ zur Verfügung und erzählten ihre Geschichten – offen, ehrlich und direkt.

Nun folgt eine Wiederholung. Die zweite Living Library findet am kommenden Freitag, 12. September, um 18 Uhr im Bürgertreff Geilenkirchen, Alte Poststraße 10 statt. Sonja Wolf ist kurdischer Abstammung und wuchs in einer alevitischen Familie auf. Sie erzählt, wie sie und ihre Familie nach Deutschland kamen, mit welchen Werten und Normen sie aufgewachsen ist und mit welchen sie hier in Deutschland konfrontiert wurde, im Gegenzug dazu.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem ständigen Kampf um Schulbildung und Studium sowie einer gescheiterten Ehe ist sie mittlerweile mit einem deutschen Mann verheiratet und hat mit ihm eine Tochter. Sie hat ihre Religion, ihren Namen und ihre Staatsbürgerschaft geändert und den Kontakt zu ihren Eltern und den fünf Geschwistern abgebrochen.

Ganesh Kumar Chowdhry ist 32 Jahre alt, in Kanadahar/Afghanistan geboren und kam im August 2009 als Asylsuchender mit der Hoffnung auf ein sicheres Leben nach Deutschland. Chowdhry hat drei Jahre lang in Geilenkirchen als Euro-Jobber gearbeitet, einen Deutschkurs mit Erfolg beendet und seinen Realschulabschluss geschafft. Gerne möchte er ein Fachabitur absolvieren.

Intime Atmosphäre

Martha Keller wurde im April 1938 in Krummöls (Niederschlesien) geboren. Als sie zwei Jahre alt war, wurde ihr Vater zur Wehrmacht einberufen, später wurde sie mit ihrer Familie aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Mit einem Handwagen wanderten sie nach Görlitz. Sie erzählt über ihre Erinnerungen an Krieg und Vertreibung.

Es gibt viele „lebende Bücher“ im Kreis Heinsberg, die als solche noch gar nicht entdeckt sind. Der Bürgertreff Geilenkirchen ist wie eine Wohngemeinschaft. In der Mitte steht ein großer Tisch. Menschen trinken Tee und unterhalten sich, als würden sie sich schon ewig kennen. Direkt daneben ist eine große, gemütliche Couch. In den Ecken werden die Veranstalter der „Living Library“ Nischen einrichten, nur getrennt durch halb durchsichtige Vorhänge oder große, rollbare Pinnwände.

Dahinter sitzen die lebenden Bücher und erzählen den Bibliotheksbesuchern ihre Geschichten. An einigen Wänden werden Schilder mit der Aufschrift „Bitte Stille!“ hängen, und als erstes bekommt jeder neue Besucher seinen Bibliotheksausweis mit der Aufschrift: „Ich verpflichte mich, das Buch mental und körperlich unbeschädigt zurückzugeben. Es ist verboten, das Buch zu beschädigen, Seiten herauszureißen oder seine Würde in irgendeiner Form zu verletzen. Ich halte die Ausleihzeit von 30 Minuten ein.“

Gefördert wird der literarische Abend vom Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Spenden nimmt der Bürgertreff für die Erhaltung des Treffpunktes von Bürgern für Bürger gerne entgegen. Nähere Informationen bei der Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes Nicole Abels-Schell, Telefon 02451/4820889.

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