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Linderner Bahnschranken noch länger geschlossen?

Von: Georg Schmitz
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Sie setzen sich für die Bahnstrecke Geilenkirchen-Lindern-Heinsberg ein: Hans Joachim Sistenich, Joachim Wirth, Josef Nießen, Thomas Fiedler, Christoph Göddecke und Markus Palic (v.l.). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Lindern. Wie schon eine Woche zuvor in Heinsberg, hatten nun auch Bürger aus Lindern und Umgebung die Gelegenheit, sich auf Einladung von Kreis Heinsberg und Stadt Geilenkirchen über den aktuellen Planungsstand für die Reaktivierung der Bahnstrecke Lindern - Heinsberg zu informieren.

Für eventuelle Anregungen oder Einwände war ebenfalls Raum. Neben dem Dezernenten des Kreises Heinsberg für Bauen, Planen und Umwelt, Josef Nießen standen auch Joachim Wirth vom Nahverkehr Rheinland (NVR), Markus Palic von der West Energie und Verkehr, Christoph Göddecke von der Rurtalbahn und Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des AVV/NVR für Fragen zur Verfügung.

Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler betätigte sich als Moderator für die „Talkrunde”, zu der 40 Bürger in die Turnhalle nach Lindern gekommen waren. Eine Woche zuvor war in Heinsberg verdeutlicht worden, dass sich die Strecke Lindern-Heinsberg nicht wirtschaftlich betreiben lasse, aber letztendlich aus Steuergeldern vom Land NRW getragen werde. „Eine Kreisstadt sollte einen Bahnhof haben”, machte Thomas Fiedler eingangs deutlich.

Mit Fiedlers Meinung ging Hans Joachim Sistenich konform und erklärte das Konzept: „Der NVR ist der Geldgeber, die West baut und reaktiviert die Strecke, und die Rurtalbahn wird sie betreiben.” In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien 70 Kilometer Strecke Schienenverkehr in der Region stillgelegt worden. Seit 16 Jahren werde nun ein Konzept zur Neuordnung der Bahn in der Region erarbeitet, und dazu gehöre die Reaktivierung der Strecke von Lindern nach Heinsberg. „Unter dem Namen Euregiobahn haben wir ein Konzept erstellt und 60 Kilometer Strecke erhalten”, blickte Sistenich auf die erbrachten Leistungen in den 16 Jahren zurück. „Wir wollen die Bahn wieder zu den Menschen bringen”, so der AVV/NVT Geschäftsführer. Prognosen hätten dargestellt, dass für die Bahnstrecke Lindern - Heinsberg Bedarf bestehe.

Sistenich nannte den zu errichteten Campus in Aachen, der 15.000 neue Arbeitsstellen bringe. Viele dieser Beschäftigten würden im Kreis Heinsberg wohnen und müssten zur Arbeit nach Aachen. Sistenich: „Das ist ein Riesenpotenzial.” Christoph Göddecke von der Rurtalbahn ging auf Details zur Reaktivierung der Bahnstrecke ein. An die bereits bestehende Regionalbahn (RB) 33 von Mönchengladbach nach Aachen werde ein zweiter Elektrobetriebszug angehängt, in Lindern abgekoppelt mit Fahrtziel Heinsberg. „Heute ist Heinsberg eine der wenigen Kreisstädte, die keinen eigenen Bahnanschluss hat”, sagte Göddecke.

Am 26. September 1980 sei auf der Strecke der letzte planmäßige Personenzug gefahren. Seit 2006 stehe die Heinsberger Bahn nun schon in der höchsten Prioritätenstufe, und seit 2007 habe die Rurtalbahn ein Konzept zum Betreiben der Strecke von Lindern nach Heinsberg entwickelt. Zwischenzeitlich seien alle Rahmenbedingungen erfüllt.

Bald werde mit dem Ausbau der Infrastruktur mit den Haltepunkten Randerath, Horst, Porselen, Dremmen, Oberbruch, Kreishaus und einem neu zu errichtenden Kopfbahnhof in Heinsberg Mitte begonnen. Hans Joachim Sistenich ging auf die Kosten ein, wobei keine kommunalen Finanzierungsanteile zu befürchten seien: „Nach der letzten Kalkulation beträgt die Gesamtinvestition in Infrastrukturmaßnahmen 14 Millionen Euro.”

Aus den Reihen der Zuhörer kamen Beschwerden über den Zustand des Bahnhofes Lindern. Die Unterführung in Lindern sei ein stinkendes Urinal. Das konnte Heinz Peter Benetreu vom Seniorenbeirat nur bestätigen und setzte noch eins drauf: „Ein Senior mit Rollator oder ein Behinderter mit Rollstuhl hat hier keine Chance.” Der Bahnhof müsste endlich barrierefrei ausgestattet werden. Benetreu rief auf, sich in das Planfeststellungsverfahren zur Reaktivierung der Strecke einzubringen, um noch Einfluss auf verschiedene Dinge nehmen zu können. Hans Joachim Sistenich war sich sicher, dass mit dem Ausbau der Strecke auch die Qualität des Bahnhofs verbessert werde.

Allerdings befinde sich der Bahnhof Geilenkirchen-Lindern im Besitz der Deutschen Bahn, und da sei nicht viel Einflussnahme möglich. „Der Handlungsbedarf für den Bahnhof Lindern ist erkannt, aber wir sind nicht Eigentümer”, meldete sich Josef Nießen zu Wort. Man bleibe aber am Ball. Würms Ortsvorsteher Leonhard Kuhn brachte aufgrund der Reaktivierung der Bahnstrecke seine Befürchtungen über mehr Schließzeiten an den zwei Bahnübergängen in Lindern zum Ausdruck. Diese Befürchtungen hatten auch andere Anwesende. Christoph Göddecke verweis darauf, dass sich die Bahnübergänge in der Betriebsführung der DB Netz befänden und es deshalb an Einfluss mangele. Aber die Schließzeiten hingen von den zukünftigen Verkehrszeiten ab, wobei die Heinsberger Bahn im Stundentakt eingesetzt werde.

Leonhard Kuhn: „Die Schließzeiten sind jetzt schon katastrophal.” Auch ein Bürger aus Randerath befürchtete längere Schließzeiten in seinem Wohnort. Sistenich zeigte sich zuversichtlich, dass dies verträglich zu regeln sei. Aus den Reihen der Zuhörer kamen Beschwerden, dass es viel zu wenig Park & Ride Parkplätze in Lindern und auch entlang der neuen Strecke gebe. Bisher seien im Verlauf von neuen Strecken immer genügend Parkplätze eingerichtet worden, erläuterte Sistenich. Dies werde auch hier geschehen.
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