„Lennet“: Wie aus einer Schnapsidee Bier entsteht

Von: Daniela Martinak
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Zu einem außergewöhnlichen Bier gehört auch ein außergewöhnliches Glas. Nach mehreren Entwürfen haben sich die beiden dann für diese Form entschieden. Foto: Daniela Martinak

Übach-Palenberg. Wenn Thorsten Lässig in einer Bar sitzt, um mit Freunden etwas zu trinken, der Kellner dann auf ein bestimmtes Bier hinweist und sagt: „Das müssen Sie unbedingt probieren“, muss der Übach-Palenberger oft schmunzeln. Schließlich ist es doch „sein“ Bier.

„Das ist echt witzig. Obwohl wir von Anfang an bemüht waren, ein Gesicht hinter unserem Produkt zu zeigen, wissen viele Leute nicht, wer wir sind, oder vielmehr, sie glauben es nicht“, sagt der 35-Jährige.

Vor vier Jahren haben Thorsten Lässig und sein Schulfreund Thorsten Alles, „Ja, wir heißen wirklich so“, an der heimischen Bar gesessen und sind auf die „Schnapsidee“ gekommen, ein Bier zu kreieren. Zuerst hätten sie nur ein bisschen rumgespinnt, aber dann wurde die Sache immer ernster. „Auch Freunde und Verwandte haben uns für bekloppt erklärt“.

Erfolg im letzten Versuch

Doch die beiden ließen sich nicht abbringen. Im Gegenteil: Nach Recherchen im Internet und etlichen Telefonaten hatten sie sogar eine Brauerei gefunden, die diese Idee super fand und unterstützen wollte – Rezepturproben inklusive.

„Etliche Rezepturen haben wir ausprobiert, doch nichts konnte uns überzeugen. Wir wollten ein Bier, was sich von den anderen auf dem Markt absetzt. Ein Bier für die Region Aachen, welches allen schmeckt und dennoch nicht so schmeckt, wie alle anderen Biere“, erklärt Lässig.

Kurz bevor die beiden schon wieder aufgeben wollten, kam beim letzten Mischen ein Geschmack heraus, der die beiden überzeugt. Auch, wenn danach noch mal verfeinert wurde – das war die Geburtsstunde von „Lennet Bier“.

Die Markteinführung war Mitte 2010 auf dem Aachener Bier- und Weinfest. Lässig: „Direkt danach kamen viele Leute auf uns zu, große Supermärkte, Getränkemärkte, und wollten das neue Bräu haben. Wir haben zugegebenermaßen nicht mit dem Ansturm gerechnet.“

Aber nicht nur der gute Start bei der Vermarktung ist das Besondere an dem Bier, welches die Freunde erfunden haben. „Die komplette Produktion ist Handarbeit, alle Brauprozesse bis zur Reifung werden ständig kontrolliert. Lennet wird offen gegärt. Das eingesetzte Brauwasser stammt aus der eigenen Quelle der Brauerei in Sünner und wird nicht mehr chemisch aufbereitet,“ erklärt der 35-Jährige stolz. Lediglich die Wasserhärte werde für den Brauprozess optimiert. Das verwendete Malz stamme aus der Eifel, der Hopfen aus Hallertau.

Und warum heißt das Bier Lennet? „Weil wir der Meinung sind, dass eine so traditionsreiche Stadt wie Aachen ein eigenes Bier braucht, was über die Stadtgrenzen bekannt wird. Lennet Kann ist ein Stadtoriginal. Zuerst wollten wir etwas mit Kaiser Karl machen, fanden es aber zu angestaubt.“ Der Trend gehe wieder zu regionalen Produkten und die sollten entsprechend gekennzeichnet sein. Immerhin ist auch das Logo auf der Flasche in schwarz-gelb gehalten und das alte Alemannia-Wappen abgebildet. Oben drüber „thront“ Lennet Kann. Ein Design, das die beiden auch selbst gestalter haben.

Seit vier Jahren gehen also die Pläne des Werbekaufmannes und seines Kumpels, der übrigens einen Getränkemarkt in Aachen betreibt, auf. Inzwischen hätten sie so viele Kunden, dass sich die Produktionskosten mit den Einnahmen decken. Doch da bleibt noch jede Menge Luft nach oben. „Es ist unser Baby. Wir würden uns wünschen, dass es noch populärer wird“, sagt Lässig.

Ein bisschen berühmter wird „sein Baby“ ja jetzt auch. Schließlich gehen etliche Paletten bald auf große Reise. Ein Bekannter der beiden Bierbrauern wandert jetzt nach Großbritannien aus und hat die Idee, das Bier zu exportieren. Sogar gelistet ist das „Gebräu“ bereits in einer großen englischen Supermarktkette. Wie das ablaufen könnte – schließlich müssen viele Aspekte beachtet werden, es gibt dort etwa kein Pfandsystem und auch die Füllmenge ist anders - tüfteln die beiden meist in ihrem Aachener Büro aus, abends nach der Arbeit. In der dortigen Lagerhalle werden auch die Verpackungen für die Sixpacks gefalten. Es sei nicht nur ein Hobby, „es ist eine Passion“. Noch.

Probieren in Palenberg

„Vielleicht wird die Karnevalssession jeck genug sein, mal ein regionales Bier anzubieten“, hoffen die beiden. Wer Lennet Bier probieren möchte, sollte zum Kaiser-Karl-Fest in Palenberg kommen. „Wir lassen es langsam angehen und denken auch, dass das das Geheimnis zum Erfolg ist. Es wird schon klappen“, hoffen sie. Die beiden sehen eben alles lässig, wie ihre Namen schon verraten. Na dann: Prost.

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