Gangelt-Langbroich - „Langbröker Selfkanttheater” präsentiert neues Stück

„Langbröker Selfkanttheater” präsentiert neues Stück

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
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Wenn es um Tante Lieschen geht, raucht auch schon mal die Telefonleitung zwischen Schniederkes und Schustere. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Langbroich. Ein hellauf begeistertes Publikum spendete lange Beifall, als der letzten Paukenschlag beim neuen Theaterstück „Hie spellt de Musick” des „Langbröker Selfkanttheater” verklungen war. Die Akteure auf der Bühne bekamen den verdienten Lohn für gut zwei Stunden Kurzweil und beste Unterhaltung.

Nachdem es in den vergangenen Jahren immer die Deftigkeit der Dialoge, die kleinen Unverschämtheiten und die großen Gemeinheiten waren, die das Salz in der Suppe des Mundart-Theaters ausmachten, war diesmal einiges anders.

Es geht um zwei Familien, die nebeneinander wohnen, auf der Bühne phantastisch dargestellt durch eine angedeutete Mauer und wechselnde Lichteffekte in der jeweils bespielten Wohnung. Denn es entbrennt da ein Kampf um Tante Lieschen (Maria Horrichs), die sich frisch verwitwet bei Familie Schniederkes einquartiert. Die Marschmusik ist ihre Welt, und so führt der Weg zu ihrem vermeintlich gut gefüllten Sparbuch für Lämp (Bernd Arnusch) und Zöff (Elisabeth Palmen) nur über ein Mitmachen in Tantchens neuer Band. Tienchen (Mariam Arnusch), Enkelin der beiden, sieht das alles mit einem Kopfschütteln und spielt lieber mit der Tante, mit Jüppchen und Hüppchen, die am Ende für Verwirrung sorgen.

Für die Irrungen und Wirrungen während des Stücks ist nur eine verantwortlich: Frau Dujardin (Marianne Heutz), die Königin der Tratschtanten. Sie wechselt ständig die Wohnungen, ist in nahezu jeder Szene dabei und verbraucht pro Aufführung wohl ein paar neue Schuhe.

Nebenan wohnen die Schustere; Änn (Anja Wagner), die gefrustete Hausfrau und Theo (Markus Derichs), der am allerliebsten seine Ruhe hat. Aber auch sie stimmen mit ein, wenn es um die Jagd nach Lieschens Geld geht.

Da wird der beste Sahnekuchen aufgetischt, und wenn Maria Horrichs es durchhält, bei allen Aufführungen drei Stücke davon zu essen, könnte es am Ende in ihrer aktuellen Gardarobe eng werden.

Die subtile Erbschleicherei nimmt ihren Lauf, und Frau Dujardin schrammt mit ihren ständigen Vermittlungsversuchen, „Ich will ja nix gesagt haben” knapp am Friedensnobelpreis vorbei. Während Lämp zu Anfang die Tante mit „Mist und Wasser” pflegen will, hängen sie und ihre musikalischen Unarten ihm und der Gattin bald zum Hals heraus.

„Die Tante muss weg”, lautet die neue Parole. Das hat aber wiederum eine Wendung zur Folge, die so auch nicht beabsichtigt schien.

Was war noch anders? Das klassische „Wer-kriegt-wen-Einerlei” kommt gar nicht vor. Viel Wert legt man auf kurze und knappe Situationskomik, wie in der Deutschstunde für Tienchen oder dem heftigen Telefonat zwischen den Nachbarn. All das würde nicht funktionieren, wäre da nicht eine durchweg leistungsstarke Schauspieltruppe - nicht zu vergessen all die, die hinter der Bühne wirken - am Werke.

Stark Elisabeth Palmen in ihrem Bemühen, Lämp zu führen. Lämp überzeugt mit seiner Trotteligkeit und Bauernschläue, und mit Miriam Arnusch als Tienchen ist wieder einer Jugendlichen der erfolgreiche Sprung auf die Bühne gelungen. Lass-mich-in-Ruhe-Theo spielt den Stoischen ebenso gut wie Änn den Part der unverstandenen Ehefrau.

Maria Horrichs überzeugt seit Jahren mir Wortgewalt und Mimenspiel und wird wohl dafür gesorgt haben, dass in absehbarer Zeit in Langbroich keine Tante mehr irgendwo aufgenommen wird. Bleibt Marianne Heutz als Asbach trinkende Frau Dujardin. Text ohne Ende, Fäden der Intrige spinnend und vieles falsch verstehend kann man wohl nicht besser spielen.
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