Geilenkirchen-Gillrath - Küsterin hat 33 Jahre lang den Kelch mit Wein gefüllt

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Küsterin hat 33 Jahre lang den Kelch mit Wein gefüllt

Von: a.s.
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Für ihren engagierten Dienst dankten Hubertine Heinen neben Pastor Frisch auch Heinz Zwirbel vom Kirchenvorstand. Foto: Andrea Schever
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Die schweren Gewänder braucht sie nach 33 Jahren nun nicht mehr rauslegen: Hubertine Heinen beendet ihre Tätigkeit als Küsterin. Foto: Andrea Schever
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Noch ein letztes Mal zündet sie die Kerzen an: Nach 33 Jahren beendet Hubertine Heinen ihre Tätigkeit als Küsterin. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen-Gillrath. Wenn jemand die ersten 20 von 33 Arbeitsjahren keinen Urlaub nimmt, kann man wohl durchaus davon sprechen, das jemand seine Arbeit liebt. So war es bei Hubertine Heinen aus Gillrath. Die heute 85-Jährige war volle 33 Jahre engagierte Küsterin in der Pfarre St. Mariä Namen. Das Datum des Beginns ihrer Arbeit als Küsterin kommt bei Hubertine Heinen wie aus der Pistole geschossen: 9. Mai 1980.

„Natürlich bin ich am Anfang ein bisschen aufgeregt gewesen“, erzählt sie, „ich dachte nur: Hoffentlich mache ich nichts falsch! Aber das hat man dann so mit und mit gelernt.“

Auch Pastor Müller, der sie damals um ihre Mithilfe gebeten hatte, sprach ihr Mut zu. In ihr Amt eingeführt wurde sie von der Tochter des vorherigen Küsters. Denn solch ein Amt ist arbeitsreicher, als man im ersten Moment denken mag.

„Ich muss natürlich erst einmal immer alle Türen auf- und später abschließen, hinzu kommt das ganze Vorbereiten: Die Gewänder müssen parat gelegt werden, das Messbuch und andere Bücher sollen an ihrem Platz sein“, Hubertine Heinen zählt geduldig auf. „Der Wein und das Wasser müssen aufgefüllt werden, der Kelch mit den Hostien fertig sein. Daneben muss alles für die Handwaschung bereitliegen, die Kerzen müssen angezündet werden und schließlich musste ich ja noch zur Messe läuten.“

Und da war sie gerade einmal fertig mit den Vorbereitungen für eine „normale“ Eucharistiefeier. Gerne und oft erinnert sich die ehrmalige Küsterin an Erlebnisse aus den vergangenen 33 Jahre. Darunter manch heitere Geschichte, über die sie selbst erst einmal herzlich lachen muss, bevor sie erzählen kann: „Ach schon vor 20, 25 Jahre habe ich mit den Messdienern mal was gemacht: Ostern fiel auf Ende März und dann sollten die Messdiener am 1. April mit Palmzweigen durchs Dorf gehen und Weihwasser verteilen.

Da habe ich ganz erschrocken getan und gesagt, ich hätte die Wasserwaage zum Wiegen des Weihwassers verlegt und ohne ginge es nicht.“ Der Pastor, zu dem die Messdiener laufen sollten, durchbilckte den Scherz und schickte die Truppe weiter zum Schreiner. Irgendwann hätten die Messdiener den Aprilscherz durchschaut und erinnern sich teilweise heute noch an die Geschichte.

So lange sie konnte, kümmerte sich die Küsterin auch um den Blumenschmuck in der Kirche - steckte sogar auf Wunsch besondere für Hochzeiten zusammen - und kümmerte sich im Winter um den Räumdienst. Diese Aufgaben übergab sie in den vergangenen Jahren jedoch an andere. Was sie jedoch bis zum Ende pflegte, war die Betreuung der Messdiener.

Zu ihnen entwickelte sich ein so enges und dauerhaftes Verhältnis, dass selbst die älteren, nicht mehr aktiven zu ihrer Verabschiedungsfeier kamen. Auch das Bestellen des Jahresvorrats an Kerzen, sowie die Reinigung von Tischdecken und Gewändern gehörte zu ihrem Aufgabenbereich. Doch als Belastung hat sie die Tätigkeit nie empfunden, sah sie vielmehr positiv: „Man hatte ja immer eine Aufgabe, dadurch ist man immer fit geblieben. Ich musste mich nie zu irgendwas zwingen.“

Man merkt bei ihrem Erzählen das Herzblut, mit dem sie bei der Sache war: „Wenn ich hier nichts mehr zu tun hatte, ging ich rüber und da habe da immer was zu tun gefunden.“ Das auch manchmal mitten in der Nacht: „Als es mal so warm war, hatte ich alle Fenster in der Kirche offen stehen lassen. Dann hat es aber nachts angefangen zu gewittern, ich habe mir nur schnell was übergeworfen und bin hingeeilt, um sie zu zu machen.“

Ihren Nachfolger Heinz-Josef Beemelmanns hat Hubertine Heinen in den vergangenen Monaten bereits angelernt und bald steht das Erklären der Heizung an: „Aber das ist einfach, das lernt man auch recht schnell.“

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