Gangelt-Kreuzrath - Künstler mit Kettensäge: Aus Olivenbäumen entstehen Skulpturen

Künstler mit Kettensäge: Aus Olivenbäumen entstehen Skulpturen

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Der Däne Jorn Ronnau will in
Der Däne Jorn Ronnau will in Kreuzrath einen Berg mit Menschenspuren schaffen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Kreuzrath. Eine Kombination aus dem, was es einmal war, und dem, was man darin sieht, will Brele Scholz aus dem fast zwei Tonnen schweren Olivenbaum machen. Den hat sie sich extra vor ihr Arbeitszelt schaffen lassen. „Denn wenn man genau hinsieht, ist ja jeder der abgestorbenen Bäume eine Skulptur für sich”, sagt die bekannte Bildhauerin aus Aachen, die zum Organisatorenteam des Bildhauer-Symposiums für Holzskulpturen in Olivenholz gehört.

Das Unternehmerehepaar Karin und Johannes Heinrichs hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen und sich mit „sculpture network” eine der bedeutendsten europäischen Plattformen in diesem Bereich zur Ausschreibung ausgesucht.

Aus über 200 Bewerbungen aus rund 30 Ländern hat eine vierköpfige Jury zehn Künstler ausgewählt, die bei der „1. Internationalen Gangelter Skulpturenwoche” tote Olivenbäume in Kunstwerke verwandeln sollen.

Am nächsten Sonntag, 11. September, geht die Veranstaltung mit der Prämierung und dem Verkauf der Werke zu Ende. Ein Drittel des Verkaufserlöses der Skulpturen wird in den Bau eines Waisenhauses in Tansania fließen, um HIV-positiven Kindern ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Johannes Heinrichs hat den Vorsitz im Vorstand des Vereins „Partnerschaft für Afrika” übernommen. Ursprünglich sollten 160 Bäume aus Portugal hinter der „Alten Ziegelei” eingepflanzt werden, doch überlebten sie den Transport und den folgenden Winter nicht. Zusammen mit der Bildhauerin Brele Scholz entwickelte das Ehepaar Heinrichs eine kreative Vision: von nun an sollen jedes Jahr zehn Bildhauer eingeladen werden, um aus den teilweise 500 Jahre alten Olivenstämmen künstlerisch anspruchsvolle Skulpturen herauszuarbeiten. „Das hier ist ein Fest”, zeigt sich Petra Paffenholz begeistert davon.

Für sie ist Olivenholz ein völlig ungewohnter Werkstoff. Eine „wehrhafte Oberfläche” habe dieses Holz, und sie wundert sich darüber, dass die abgestorbenen Bäume kaum noch Äste haben.

Der Titel ihrer Arbeit, „Wie im Himmel, so auf Erden”, steht schon fest. Es kann nur sein, dass sich ihr Konzept noch ändert. Sie will versuchen, dass Holz anzubohren und tote Äste hinein zu stecken. Wenn das nicht klappt, will sie den Stamm komplett in ultramarin streichen. „Das wäre aber eine Schande für das Holz”, zeigt sie sich begeistert von der Oberfläche. Quasi einer Pyramide gleich ist der Baum, den sich Jorn Ronnau ausgesucht hat. Der Däne will daraus einen Berg schaffen, auf dem es Spuren menschlichen Seins gibt. Ziel ist es, „eine Interaktion Natur - Mensch herzustellen”. Er habe einen großen Respekt vor der Schönheit dieses Olivenbaumes, dem er teilweise mit der Kettensäge zu Leibe rückt.

Gar nicht bearbeiten, sondern nur säubern will Lorna Green aus Großbritannien ihren Baum. Den Baum hat Lee Thomson, Mitarbeiter von Johannes Heinrichs, ihr und den andern Künstlern mit dem Bagger in das Zelt geschafft. Lee´s Sohn Jason geht Lorna Green dabei ein wenig zu Hand - er muss sich sein neues Handy verdienen. Lorna Green will Deutsch lernen und erklärt wortgewandt, dass ihre Arbeit „Blutbaum” heißen soll. Mittels roter Glastropfen, die sie selber geschaffen hat, soll dem Ende des Baums gedacht werden.

Brele Scholz hat das, was sie machen will, schon beim Aussuchen in dem Baum gesehen. Ein Tango tanzendes Paar soll es werden, und viele der Gäste, die am ersten Tag den Weg nach Kreuzrath fanden, hatten schnell eine Vorstellung von dieser Idee.

Brele Scholz war schon einen Tag früher angereist und hatte bei der Organisation und den Aufbauten mitgeholfen. Auch sie zeigte sich erfreut, wie die Künstler in Kreuzrath aufgenommen wurden. Alle haben eine eigene Wohnung, werden bestens versorgt.

Die Kunstaktion dauert noch bis zum kommenden Wochenende. Die Künstler arbeiten grundsätzlich öffentlich, und Gäste sind herzlich willkommen. Rund um das Café „Alte Ziegelei” in Kreuzrath gibt es ausreichend Parkraum. Die hochkarätig besetzte Jury, die am Ende die Arbeiten bewerten wird, wird von Prof. Wolfgang Becker, Kurator und freier Kunstkritiker aus Aachen, angeführt. Am Sonntag werden die Skulpturen dann zum Verkauf angeboten. Ein Drittel des Erlöses der Skulpturen wird in den Bau eines Waisenhauses in Tansania fließen.
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