Kritiker machen gegen Nachtabschaltung mobil

Von: Franz Windelen
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Wir wollen, dass die Laternen
Wir wollen, dass die Laternen nachts wieder leuchten! Gut 40 Bürger machen ihrem Unmut Luft. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Selfkant-Havert. Die 25.000 Euro sind ein Krümel im 17-Millionen-Haushalt, aber wenn dieser Krümel fehlt, dann droht der Weg ins Haushaltssicherungskonzept mit all seinen bitteren Konsequenzen für die Gemeinde Selfkant.

25.000 Euro, das ist das Geld, das die Gemeinde durch die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung mehr im geschundenen Geldsäckel hat.

Obendrein wird Energie gespart. Das sagte Bürgermeister Herbert Corsten. Für diese Worte bekam er allerdings keinen Applaus von den rund 40 Zuhörern, die sich jüngst durch das abendliche Havert auf den Weg gemacht hatten, um die Thematik zu erörtern und finstere „Brennpunkte” in Augenschein zu nehmen.

Ökonomie und Ökologie, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Viele Bürger treibt die Angst um ihre Sicherheit um. Ein Indiz hierfür ist die Liste mit rund 300 Unterschriften von Einwohnern aus Havert, Stein und Millen-Bruch, die Bürgermeister Corsten an diesem Abend überreicht wurde. Hinzu kommen jene 65 Unterschriften von Tüdderner Einwohnern, die bereits vor Wochen im Rathaus abgegeben wurden.

Als Sicherheitsexperte war deshalb Hauptkommissar Wolfgang Ulbrich von der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Kommissariat Vorbeugung, vor Ort, um - neben Bürgermeister Corsten - Rede und Antwort zu stehen. Unser Heinsberger Redaktionsleiter Rainer Herwartz moderierte das Treffen.

„Zeitungsboten, Bäcker und andere Leute, die morgens früh raus müssen, sind die Leidtragenden”, beklagte ein Haverter. Ein Vater sorgte sich, dass den Kindern in der Finsternis etwas zustoßen könne. Ein Feuerwehrmann redete sich und stellvertretend für seine Kameraden den Frust von der Seele: „Bei nächtlichen Einsätzen ist das einfach nur Schei...” Vor allem sieht er die Gefahr, dass Einsatzkräfte beim Hantieren im Dustern verletzt werden.

Und da ist vor allem der Angstfaktor „Einbruchskriminalität”, der die Menschen nicht ruhig schlafen lässt. Herwartz konfrontierte Hauptkommissar Ulbrich in diesem Punkt mit Studien und Zahlen: So soll es bei einer Videoüberwachung nur vier Prozent weniger Straftaten geben, bei einer guten Straßenbeleuchtung hingegen 20 Prozent weniger. Und: In der Stadt Meerbusch sei mit der Nachtabschaltung die Kriminalität sprunghaft von 81 auf 209 Prozent explodiert.

Ulbrich bezweifelte die Aussagekraft der Studien: „Es gibt bislang keine statistischen Werte, die einen Zusammenhang belegen.” Nach polizeilichen Erkenntnissen hindere die Straßenbeleuchtung die Langfinger nicht an ihrem verbotenen Tun: „Sie stellen sich auf diese Umgebung ein.” Der Selfkant habe im vergangenen Jahr mit 38 Wohnungseinbrüchen am Ende des kreisweiten Rankings gelegen. Eine Auswertung für 2012 gebe es noch nicht. Klar sei allerdings, dass die Zahl der Einbrüche im gesamten Kreisgebiet im ersten Halbjahr um 2,9 Prozent angestiegen sei.

Der Polizeibeamte hat festgestellt, dass es ein immer stärkeres Sicherheitsbewusstsein und -empfinden in der Bevölkerung gibt. Sein Tipp: „Treffen Sie selbst in Ihrem Wohnumfeld Vorkehrungen. Durch Bewegungsmelder, Tür- und Fensterriegel oder Alarmanlagen.” Prävention, so der Experte, sei ein probates Mittel, um die Kriminellen von Hab und Gut fernzuhalten. Ein Tüdderner, der nach eigenem Bekunden an seinem Haus derart vorbildlich aufgerüstet hat, scherte aus der Runde der Kritiker aus: „Wenn man, wie man hier sieht, reich genug ist, große Häuser zu bauen, kann man auch für die eigene Sicherheit sorgen. Dann sollte man nicht auf die Gemeinde schimpfen.” Der Bürgermeister wirds gerne gehört haben. Aber da gab es die anderen Bürger mit ihren bohrenden Fragen. Warum wird nicht in der Verwaltung gespart? Warum werden die Grundbesitzsteuern nicht erhöht? Alles schon passiert und ausgereizt, antwortete der Bürgermeister.

„Warum wird die Straßenbeleuchtung, wie andernorts, nicht modernisiert, etwa durch energiesparende LED-Technik?”, wollte ein Bürger wissen. „Die Anschaffung der LED-Lampen ist sehr teuer. Zudem ist die Technik, wie ich mir habe sagen lassen, noch nicht ausgereift. Geilenkirchen testet derzeit verschiedene LED-Lampen. Da warten wir mal ab”, meinte Herbert Corsten. Ihm schwebe aber ein sogenanntes Contracting-Modell vor - will heißen: die Gemeinde gibt die Straßenbeleuchtung vertraglich in fremde Hand, die in eigener Regie und Verantwortung die Lampen umrüstet. Voraussetzung für dieses Modell ist aber, dass alle Masten und Laternen in kommunalem Eigentum sind. Corsten: „Ein großer Teil gehört uns bereits, den Rest werden wir sukzessive vom Versorger, der West, kaufen.”

Es gibt also vielleicht eine Alternative zur Selfkanter Finsternis. Man wird es in einigen Wochen sehen: Im Januar befasst sich der Rat erneut mit der Nachtabschaltung.
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