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Kritik an Abrissplänen: „Etwas erhalten, das Erinnerungswert hat“

Von: Jan Mönch
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Architektonisch nicht unbedingt eine absolute Schönheit, aber eben doch ein Wahrzeichen des Ortsteils: die Kirche St. Josef in Bauchem. Foto: Jan Mönch
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Christdemokrat Karl-Peter Conrads glaubt, dass der Geilenkirchener Bauausschuss eine unkluge Entscheidung getroffen hat. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Lange war es still in und um St. Josef. Für das Innere der Kirche im Geilenkirchener Ortsteil Bauchem gilt dies weiterhin. Gottesdienste finden dort ja nicht mehr statt, seitdem von einem Unbekannten ein Feuer gelegt worden war.

Seitdem der Bauausschuss aber dem von Stadt und Bistum gewollten Abriss zugestimmt hat, mehren sich im Ort die Stimmen, die den zumindest teilweisen Erhalt der Gemäuer fordern. Dies ist bekanntlich auch die Haltung des Amts für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), welches St. Josef für schutzwürdig hält und diese Einschätzung auch mit einem externen Gutachten untermauern kann. Das einzige Mitglied des Bauauschusses, das gegen den Abriss gestimmt hat, ist Karl-Peter Conrads (CDU) – im Interview erklärt Conrads, warum.

Herr Conrads, Sie haben als einziges Mitglied des Bauausschusses gegen den Abriss von St. Josef gestimmt. Nicht zuletzt haben Sie sich damit auch gegen Ihre Fraktion gestellt. Wieso das?

Conrads: Ich habe mich nicht gegen meine Fraktion gestellt. Vielmehr hatten wir uns innerhalb der Fraktion darauf geeinigt, dass die Entscheidung vertagt werden sollte, damit Gespräche zwischen den Beteiligten stattfinden können. Die Bürgerliste sah dies in der Sitzung ebenso. Hierüber wurde dann jedoch leider nicht abgestimmt. Stattdessen wurde der Eindruck vermittelt, es werde auch bei einer Zustimmung auf jeden Fall zu einer Lösung kommen, die dem Denkmalschutz gerecht wird. Dies ist jedoch meines Wissens nicht so.

Es geht um ein Grundstück in bester Lage und um eine nicht mehr genutzte Kirche. Ist es wirklich sinnvoll, einem zahlungskräftigen Investor Steine in den Weg zu legen?

Conrads: Ich sage doch gar nicht, dass ich ein Problem mit dem Abriss habe. Man muss allerdings zunächst mal feststellen, dass wir uns in Geilenkirchen in den vergangenen 20 Jahren nie gegen die Denkmalschutzbehörde gestellt haben. Innerhalb dieses Zeitraums habe ich den Überblick, außerdem hat die Verwaltung dies auf meine Anfrage in der Ausschusssitzung hin bestätigt. Nun geht es um eine Abwägung, welches Interesse stärker zu gewichten ist: Das der Altenarbeit, das ja nicht zuletzt immer auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu sehen ist, oder das Interesse am Denkmalschutz. Ich stelle mich gern auf die Seite der Altenarbeit, finde aber, dass insbesondere bei einer Kirche etwas erhalten werden muss, das wirklichen Erinnerungswert hat. Und zwar am alten Standort. Mit einer anderen Entscheidung im Ausschuss hätten wir Druck auf den Investor ausüben können.

Falls keine Einigung erzielt werden sollte, sitzt ja am Ende des Tages immer noch der Denkmalschutz am längeren Hebel.

Conrads: Ja. Die Denkmalschutzbehörde ist nun allerdings die einzige Instanz, die den kompletten Abriss noch verhindern könnte. Wir haben die Entscheidung aus der Hand gegeben, und das stört mich etwas. Es heißt zwar, die Zustimmung des Ausschusses sei nicht gleichzusetzen mit einer Abrissgenehmigung. Ich bin da allerdings anderer Meinung.

Hat es Sie eigentlich überrascht, dass das Bistum und die gesetzlichen Vertreter der Kirchengemeinde offenbar keinerlei Vorbehalte gegen den Abriss haben?

Conrads: Ja, hat es. Wobei mir schon klar ist, dass mit einem Altenheim mehr Geld zu verdienen ist als mit dem Klingelbeutel. Weiter will ich das gar nicht kommentieren.

Die Kirche wird nicht nur nicht mehr genutzt, sie ist zumindest für den Laien auch nicht gerade als architektonisches Schmuckstück zu erkennen.

Conrads: Darum geht es doch auch gar nicht. Es geht zum Beispiel darum, dass es sich hier um eine ehemalige Militärkirche handelt. Oder darum, dass viele Menschen sich noch gut an den Bau der Kirche erinnern. Es geht um die Berücksichtigung unserer kirchlich-kulturellen Geschichte. Im Übrigen waren die Gottesdienste, als sie noch stattfanden, doch gut besucht. So zumindest mein Eindruck als regelmäßiger Kirchengänger. Wenn es davon zum Schluss nur noch wenige gab, war dies meiner Meinung nach weniger ein Problem der Nachfrage als des Angebots.

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