Krankheit wie ein leiser Dieb im Haus

Von: Udo Stüßer
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Eine Volks- und Wohlstandskran
Eine Volks- und Wohlstandskrankheit: Mindestens einmal im Jahr sollte der Hausarzt den Blutdruck messen. Foto: imago stock & people

Geilenkirchen. Mediziner des Geilenkirchener Krankenhauses und niedergelassene Fachärzte nehmen gemeinsam den Kampf gegen die Volkskrankheit Nummer eins auf.

Im Rahmen der bundesweiten Herzwoche der deutschen Herzstiftung lädt die Klinik für Innere Medizin des St.-Elisabeth-Krankenhauses zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Unter Druck: Bluthochdruck vorbeugen, erkennen, behandeln” ein. Dieser Vortragsabend mit Klinik- und niedergelassenen Ärzten findet statt am Mittwoch, 16. November, 18 Uhr, in der Aula des Geilenkirchener Gymnasiums. Die Moderation übernimmt Dr. Ulrich Sudhues, Chefarzt der Kardiologie im Geilenkirchener Krankenhaus.

„Über die Hälfte der Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, wissen es gar nicht. Denn diese Erkrankung spürt man gar nicht, sie tut nicht weh. Unterschiedlichen Untersuchungen zufolge sind in Deutschland zwischen 18 und 35 Millionen Menschen betroffen”, sagt Sudhues und warnt vor möglichen Folgen: Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. „Man sollte sich mindestens einmal im Jahr vom Hausarzt den Blutdruck messen lassen. Dann kann man bei Bluthochdruck bereits im Frühstadium, also wenn er noch nicht zu Schädigungen geführt hat, intervenieren. Ist man durch die Familie vorbelastet, sollte man den Blutdruck öfter messen”, rät der Kardiologe und Internist Sudhues und weist auf die Ursache von Bluthochdruck hin: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann ebenso Ursache sein wie ein Tumor.

„Doch das ist sehr selten. Meistens ist der Bluthochdruck die Erkrankung selbst.” Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere. „Die Gefäße werden mit zunehmendem Alter steifer. Von den über 60-Jährigen ist über die Hälfte betroffen”, sagt der Chefarzt und weist auf die Risikofaktoren hin. An erster Stelle stehen für ihn Übergewicht und ungesunde Ernährung. „Durchschnittlich nimmt jeder Bundesbürger 14 Gramm Salz am Tag zu sich, sechs Gramm reichen vollkommen.”, sagt er und warnt vor Fertig- und Fast-Food-Produkten. „Die haben nämlich einen hohen Salzgehalt.” Wurst, Gepökeltes und Fischmarinade sollten ebenso nur in Maßen gegessen werden. Zu den weiteren Ursachen von Bluthochdruck zählt Sudhues Rauchen, Bewegungs- und Schlafmangel sowie Stress. Der Kardiologe warnt vor ungesundem Schlaf, verursacht durch Atemstörungen. Im Schlaf werden dann Stresshormone ausgeschüttet. Die Atemstörungen können durch Übergewicht hervorgerufen werden.

Gewicht ein großer Faktor

„Das Gewicht ist ein ganz großer Faktor”, sagt er und plädiert für einen gesunden Lebensstil: Ballaststoffreiche Nahrung, also Vollkornbrot, Rohkost, Salate und Gemüse, salzarmes Essen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr wie Wasser und Säfte, wenig Alkohol, Kaffee und Tee nur moderat. Ganz wichtig ist für den Mediziner viel Bewegung: „10.000 Schritte am Tag”, ist seine Devise. Es muss nicht immer der Langlauf oder das Fitnessstudio sein. Eher Treppen steigen als den Fahrstuhl nutzen und drei- bis viermal die Woche eine halbe Stunde spazieren gehen, bringt auch schon was. „Ein bisschen Bewegung ist besser als gar keine. Aber ansonsten gilt: Je mehr, desto besser. Optimal ist, wenn man in der Woche 2000 kcal zusätzlich durch Bewegung verbrennt. Dies erreicht man schon durch vier halbstündige, zügige Spaziergänge in der Woche”, rät er und weiß: „Bei einer milde ausgeprägten Erkrankung kann ein gesunder Lebensstil dazu führen, dass man die Medikamente weglassen kann.”

Die Wohlstandskrankheit Bluthochdruck kann alle Organe schädigen. Hier nennt Sudhues an erster Stelle das Herz. „Aber auch die Nieren und die Augen können betroffen sein. Eine Sehschwäche bis hin zur Erblindung kann die Folge sein.”

In dem Zusammenhang nennt der Chefarzt auch Durchblutungsstörungen in den Beinen und den Schlaganfall. „Bluthochdruck ist die Hauptursache für Schlaganfall. In Deutschland verzeichnen wir pro Jahr 250.000 Schlaganfälle. „Durch den hohen Blutdruck werden die Adern geschädigt, durch Ablagerungen entstehen Verengungen. Und das Herz muss gegen den hohen Blutdruck pumpen. So wird der Herzmuskel im Laufe der Jahre geschwächt”, erklärt Sudhues. Im schlimmsten Fall kann eine Ader im Gehirn platzen. „Deshalb ist die Früherkennung ganz wichtig. Der Bluthochdruck kommt wie ein leiser Dieb ins Haus.”

Behandelt wird der Bluthochdruck medikamentös: „Der Schaden durch Nebenwirkungen ist auf jeden Fall geringer als der Schaden, der durch hohen Blutdruck entsteht. Aber heute darf und muss der Patient überhaupt keine Nebenwirkungen durch die Einnahme von Medikamenten verspüren, weil die Therapie für jeden Patienten individuell angepasst wird”, erläutert der Kardiologe. Primärer Ansprechpartner ist stets der Hausarzt, der den Bluthochdruck behandelt. „Wenn allerdings Komplikationen auftreten, sind wir Krankenhausärzte gefragt. Deshalb arbeiten niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte eng verzahnt miteinander.”

Das Programm der Info-Veranstaltung

Bluthochdruck ist das Thema einer Informationsveranstaltung des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses am Mittwoch, 16. November, 18 Uhr, in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums. Sechs Vorträge stehen an diesem Abend auf dem Programm.

„Unser Herz - Ein prominentes Organ als Hochdruckopfer” ist das Thema des einführenden Vortrages von Dr. Ulrich Sudhues, Chefarzt der Kardiologie im Geilenkirchener Krankenhaus.

„Nieren, Augen, Gefäße, Gehirn - Bluthochdruck ein Serienkiller”: Unter dieser Überschrift referiert Dr. Ulf Klönne, Facharzt für Innere Medizin im Geilenkirchener Krankenhaus.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Was tun bei Anzeichen von erhöhtem Blutdruck?”Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Volker Hanhoff, in Geilenkirchen niedergelassener Allgemeinmediziner.

„Herr Doktor, gibt es auch was Pflanzliches? Vorbeugung und Behandlung - mehr als nur Tabletten”: Auf diese Frage gibt Dr. Günther Fussen, in Geilenkirchen praktizierender Facharzt für Innere Medizin, Antwort.

„Da platzt mir doch der Kragen - Unser gestresster Alltag”: Zu diesem Thema spricht Dr. Dirk Galke, Facharzt für Psychiatrie in der Röher Parkklinik Eschweiler.

„Wenn der Schlaf zur Plage wird - Bluthochdruck, der des Nachts entsteht” heißt ein Vortrag von Dr. Julia Klönne, Internistin im Schlaflabor des Geilenkirchener Krankenhauses.

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