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Konzert gegen das große Elend in Tadschikistan

Von: Silvia Szymanski
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Marius Köpf, Bianca Busch, Monika Schumacher, Hartmut Feifel (von links). Foto: Szymanski

Geilenkirchen. Ein schönes und inspirierendes Konzert für einen denkbar guten Zweck fand in der evangelischen Kirche in Geilenkirchen-Hünshoven statt. Unter dem programmatischen Titel „Elemente“ führten die Kirchenmusiker Bianca Busch, Monika Schumacher, Marius Köpf und Hartmut Feifel Werke von J. S. Bach, W. A. Mozart, F. Mendelssohn-Bartholdy und R. Schumann sowie Stücke zeitgenössischer Komponisten und populäre Songs auf. Das Benefizkonzert zu Gunsten der Hilfsorganisation „TajikAID“ kam in Geilenkirchen auf Initiative von Monika Schumacher und Marius Köpf zustande.

Die Sängerin Monika Schumacher ist Lehrerin am Berufskolleg Geilenkirchen, der Pianist Marius Köpf, Initiator des Aachener Kirchenmusikkreises „MusicaProNobis“, studiert an der RWTH Aachen. Komplettiert wurde der Kreis der Musiker durch die Sängerin Bianca Busch, die an der Uni Köln studiert, und durch den Organisten Prof. Hartmut Feifel, Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und plastische Operationen am Marienhospital in Aachen.

Hartmut Feifel fährt seit 2009 regelmäßig einmal im Jahr im Rahmen von „TajikAID“ nach Tadschikistan, wo er mit einem Team ohne Honorar Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert. Bei seinem kurzen Vortrag während des Konzertnachmittags berichtete er sehr anschaulich von der Situation und seiner Arbeit dort.

Tadschikistan ist ein Land von dramatischer Schönheit und reichen Bodenschätzen. Dennoch herrscht dort bittere Armut – besonders nachdem Anfang der 90er Jahre das Sowjetreich zusammenbrach, zu dem Tadschikistan bis dahin gehörte. Es gibt kaum Schulen und Ärzte, oft wenig Strom und Wasser, und in den langen Wintern ist man oft abgeschnitten von der nächsten Stadt.

Viele der tadschikischen Männer müssen zum Geldverdienen nach Russland gehen, während sich die Frauen und Kinder – acht Kinder sind es durchschnittlich pro Familie – von selbst Angebautem ernähren müssen.

Tadschikistan liegt in einer isolierten Hochgebirgslage am Rande von Afghanistan und ist auch medizinisch extrem unterversorgt; die bei Hartmut Feifels Vortrag auf einen Bildschirm gebeamten Bilder zeigen die schwierigen Bedingungen der ärztlichen Arbeit dort: ungesicherte Bergstraßen am Rand von tiefen Schluchten, veraltete medizinische Instrumente, improvisierte und in den heißen Sommern unklimatisierte Operationsräume. Die Bilder zeigen aber auch sehr eindrucksvoll das staunenswerte chirurgische Können, mit dem die Ärzte den mit Gaumenspalten geborenen Kindern intakte und heile Gesichter zu geben vermögen, so dass sie ungehindert essen, sprechen, atmen und hören können und sich nicht mehr vor den entsetzten Mitmenschen verstecken müssen.

15.000 solcher Einzelschicksale gibt es in Tadschikistan, und leider werden die Kinder mit diesen Behinderungen oft stigmatisiert, zumal ein behindertes Kind eine zusätzliche, große Belastung für ihre meist Not leidenden Familien darstellt. So werden sie oft schon bald nach der Geburt in ein Heim gegeben. Aus der Notwendigkeit, gegen dieses Elend etwas zu tun, entstand „TajikAID“ als ein Projekt von „vision:teilen“, einer ehrenamtlich-franziskanischen, multilingualen und multireligiösen Initiative gegen Armut und Not. Zum Team gehören Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, HNO-, Narkose- und Kinderärzte sowie eine OP Schwester. Seit 2009 hat das Team, zu dem Prof. Feifel gehört, 200 Operationen erfolgreich durchgeführt.

Die Warteliste ist erschütternd lang. Da in Tadschikistan bisher noch niemand solche Operationen durchführen kann, ist ein Schwerpunkt auch die Ausbildung der tadschikischen Kollegen.

Um auf dieses Hilfsprojekt aufmerksam zu machen, finden regelmäßig Veranstaltungen wie das Konzert „Elemente“ statt. Das ansprechende Programm umfasste eine Vielzahl kurzer Musikstücke vom klassischen Kunstlied bis zum Traditional, von der Klavierimprovisation bis zum Duett und der Toccata. Die Stücke zu den Themenkreisen Luft, Erde, Wasser und Feuer stammten aus den verschiedensten Klangwelten; die Musiker interpretierten die gefühls- und anspruchsvollen Kompositionen auf hohem Niveau.

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