Körperhaltung kann Opfer schaffen: Verein bereit auf bedrohliche Situationen vor

Von: Christina Kolodzey
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Vor der Trainingsgruppe wurde
Vor der Trainingsgruppe wurde von jedem Teilnehmer die gestellte Szene (Bild) einer möglichen Bedrohung erlebt. Anweisung von Ralf Meininghaus (im Wagen sitzend): Auf Ansprechen nicht reagieren, öffnet sich aber die Autotür, dann Hilfe rufen und wegrennen. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. „Ich gehe bald auf eine weiterführende Schule und möchte mich bei Rangeleien im Bus besser wehren können.” „Mich hat schon mal jemand aus einem Auto heraus angesprochen, da bin ich vor Angst weggelaufen.” So wie Laura und Leonie hatten jetzt 21 Kinder ganz unterschiedliche Gründe, weshalb sie in die Begegnungsstätte nach Frelenberg gekommen waren.

Zwei professionelle Wing-Tsun-Trainer aus Viersen, Ralf Meininghaus und Dagmar Kann-Coomann, erwarteten die Jugendlichen, um ihnen zu zeigen, wie man sich in brenzligen Situationen am besten verhält.

Arnd Hansen, Geschäftsführer des Fördervereins für Kinder und Jugend Frelenberg, hatte die beiden Experten für diesen Auftritt geworben, aufgerüttelt durch die traurigen Geschehnisse in Emden und Berlin, die Mordfälle Lena und Julien. Ihm liegt es am Herzen, die Kinder auf derartige Situationen vorzubereiten, sie vor allen Dingen insgesamt selbstbewusster zu machen. Das Konzept für dieses Training stammt von der EWTO (Europäische Wing Tsun Organisation), es wurde zusammen mit Polizisten, Psychologen und Therapeuten speziell für diese Zielgruppe entwickelt.

Unterschiedliche Konstellationen wurden durchgespielt. Zunächst ging es ins Freie, die erste Lektion hieß „Ansprechen aus dem Auto”. Die Anweisung der Trainer war deutlich: Jedes der Kinder sollte allein an einem Fahrzeug vorbeigehen, das Angesprochenwerden von Personen aus dem Wagen überhaupt nicht beachten und auf keinen Fall stehenbleiben, sondern zügig seinen Weg fortsetzen.

Würde das Kind das Schloss der Autotüre hören, was bedeute, dass der Fahrer im Begriff sei auszusteigen, sollte es ganz laut „Hilfe, Feuer, Feuer!” rufen - und dann wegrennen. Anfänglich waren die Kinder noch ein wenig ängstlich vor der ungewohnten Situation und erkennbar gehemmt. Doch je öfter sie die Übungen machten, um so selbstsicherer wurden sie.

Auch „Hilfe holen” stand auf dem Programm. Hier zeigte sich, dass viele Kinder schon von vornherein Bedenken hatten, Leute anzusprechen, da sie vermuteten, man würde ihnen sowieso nicht zuhören oder ihnen würde niemand glauben. Die Trainer verstanden es, solche Zweifel zu zerstreuen und gaben Tipps, wie sie die Aufmerksamkeit von Passanten - und sei es durch Zupfen am Jackenärmel - auf sich lenken konnten. Ralf Meininghaus betonte, dass diese Übung gerade für solche Kinder wichtig sei, die vor solchen Situationen Angst hätten, da sie hierdurch enorm an Selbstbewusstsein gewinnen könnten.

Nach einer kurzen Pause hieß das Thema „Gewaltprävention”, das im Innenraum der Begegnungsstätte trainiert werden konnte. Die Jugendlichen lernten, wie man potenzielle Täter abschreckt. Oder vielleicht gar nicht auf sich aufmerksam macht. Denn Ralf Meininghaus warnte, dass schon rein Äußerliches - gesenkter Blick, hängende Schultern - manchen Angreifer ein „Opfer” erkennen lasse. Aufrechtes Gehen sei deshalb enorm wichtig. Auch das konnte mit den Kindern geübt werden, indem sie tapfer Pappteller auf ihren Köpfen balancierten, was andererseits viel Spaß in die Runde brachte.

„Hände ausstrecken, Hand­rücken zum Gesicht - und dabei energisch rufen: Stopp, lass mich in Ruhe!”, so lernten die mit Eifern trainierenden Kinder eine weitere Lektion. Selbst im Schulbus solle man bei Pöbeleien so handeln und sich nicht scheuen, ältere Schüler oder den Busfahrer um Hilfe zu bitten, nahm die Gruppe an weiterer Erfahrung mit.

Als Letztes schließlich der Umgang mit der „Pratze”, ein großer Handschuh, der auf der Innenfläche ein dickes Polster trägt, womit man die Wucht von Schlägen trainieren kann. Mit solchen Hilfsmitteln sollte demonstriert werden, wie man sich bei einem körperlichen Angriff befreien kann. Ein Kind hielt die Pratze fest, ein anderes schlug kräftig dagegen. Besonders die Jungs fanden an dieser Übung großen Gefallen und machten begeistert mit.

„Super, das Training war toll!”, hieß es oft zum Ende des rund zweistündigen Kurses. „Ich hatte auch ein bisschen Angst, und alles gleichzeitig machen ist schwer.”

Katharina, Gerrit, Oliver und die anderen Kinder haben an diesem Nachmittag gelernt, dass sie auch in gefährlichen Situationen nicht hilflos sind, wenn sie wissen, was sie tun können. Aber nicht nur das konnten sie sich erarbeiten: „Jetzt habe ich auch mehr Mut.”

Die eingeübten Verhaltensweisen festigen

Der Förderverein Frelenberg und Arnd Hansen planen bereits einen Auffrischungskurs vor den Sommerferien, um die eingeübten Verhaltensweisen zu festigen.

Sehr wichtig ist dem Verein, gerade diejenigen Eltern zu sensibilisieren, die der Meinung sind, ihr Kind brauche ein solches Training nicht. Von Außenstehenden nähmen die Kinder Ratschläge ganz anders, positiver an als von vertrauten Personen.

Arnd Hansen freut sich auf viele Anmeldungen, ? 02451/4823260, E-Mail info@foerderverein-
frelenberg.

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