Geilenkirchen - „Klappern“ & Co.: Bräuche rund um das Osterfest

„Klappern“ & Co.: Bräuche rund um das Osterfest

Von: Johannes Gottwald
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Am Vorabend seines Todes feierte Jesus mit den Aposteln das letzte Abendmahl. Diese Darstellung (Bild) findet man in der Beggendorfer Kirche St. Pankratius. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Die „Hebdomada Sancta“, zu deutsch „Heilige Woche“, nennt man in der katholischen Kirche die Tage zwischen Palmsonntag und dem Osterfest. Tatsächlich sind vor allem die drei Tage – Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag – die wichtigsten des Kirchenjahres. Denn in ihnen manifestieren sich die zentralen Aussagen des christlichen Glaubens, was zudem für die evangelischen Christen gilt.

Selbstverständlich ist mit der Karwoche und dem Osterfest auch ein reiches und regionales Brauchtum verknüpft. Aber ausgerechnet der besonders populäre „Osterhase“ gehört nicht dazu. Denn er entstammt einer heidnischen Tradition: Der Hase war bei den Germanen ein Symbol der Fruchtbarkeit. In den Monaten März und April werfen die Häsinnen den ersten Nachwuchs des Jahres. Noch heute sprechen die Landwirte von den „Märzhasen“, die dann entsprechend häufig auf den Feldern zu sehen sind. Dagegen ist das Osterei als Sinnbild neuen Lebens eng mit der christlichen Osterfeier verknüpft.

Ölgaben für ein ganzes Jahr

Der Gründonnerstag ist vor allem für viele katholische Küster in unserer Region ein wichtiges Datum. Denn am Morgen müssen sie sich – sofern nicht der zuständige Gemeindepfarrer diese Aufgabe übernimmt – zum Aachener Dom begeben. Dort werden in der Chrisam-Messe vom Bischof sämtliche Öle geweiht, die zur Sakramenten-Spendung dienen.

Dazu gehört vor allem das Chrisam, das bei Taufe und Firmung benötigt wird, und ebenso das „Oleum infirmorum“, das bei der Krankensalbung (früher „Letzte Ölung“) Verwendung findet. Am Ende des Gottesdienstes werden die Öle den anwesenden Priestern und Küstern ausgehändigt, von diesen dann in ihre Heimatpfarren gebracht und an alle zugehörigen Filialkirchen verteilt. Die geweihten Öle sollen bis zum nächsten Jahr ausreichen.

Am Abend des Gründonnerstages finden in den meisten katholischen und evangelischen Kirchen Festgottesdienste zur Erinnerung an das letzte Abendmahl statt, bei dem Jesus am Vorabend seines Todes Brot und Wein als Sakramente einsetzte. „Am Gründonnerstag fliegen die Glocken nach Rom“ lautet eine volkstümliche Redensart. Sie spielt an auf einen besonderen Ritus: Beim Gloria in der Gründonnerstags-Messe lässt man Glocken und Messdiener-Schellen ein letztes Mal läuten – dann schweigen sie bis zur Osternacht.

Der Name „Gründonnerstag“ hat übrigens nichts mit der Farbe Grün zu tun. Vielmehr stammt er vom altdeutschen Wort „greinen“, was soviel wie Weinen und Klagen bedeutet. Denn kurz nach dem Abendmahl wurde Jesus verhaftet und später zum Tode verurteilt. Auch dazu gibt es noch in manchen Pfarrgemeinden unserer Region einen Tradition – die „Ölbergstunden“, in denen die Gläubigen sich zum stillen Gebet vor der ausgesetzten Monstranz versammeln.

Der Karfreitag ist der einzige Tag im Jahr, an dem keine Heilige Messe stattfinden darf. Nur in den evangelischen Kirchen gibt es Abendmahlfeiern. Meist schweigt sogar die Orgel, alle Lieder werden a cappella gesungen. Auch die Glocken werden an dem Tag, an dem Jesus am Kreuz starb, nicht geläutet. Dies gilt auch für das Geläut am Morgen, Mittag und Abend.

Auch deshalb gab es im Rheinland bis vor wenigen Jahrzehnten noch vielerorts die Tradition des „Kar-Klapperns“. Dann zogen die Messdiener zu den jeweiligen Tageszeiten durchs Dorf, ließen Holzklappern erklingen und riefen dazu: „Morgenglock“, später „Mittagsglock“ und „Abendglock“. Oft nahmen sie dabei auch Spenden entgegen. In der Eifel und im Kölner Raum hat sich dieses aus dem Mittelalter stammende Brauchtum noch erhalten – aber auch an der Kreisgrenze zu und in Puffendorf kann man es jetzt wieder erleben.

Am Abends des Karsamstages wird in vielen Pfarrgemeinden – so in Geilenkirchen und Übach-Palenberg – bereits die Osternacht gefeiert. Von alters her feierten die Christen gerne nachts in die Festtage hinein, ähnlich wie manche Leute das bei einem Geburtstag tun. Aber nicht selten wird die Osternacht auch am frühen Morgen begangen – zu dem Zeitpunkt, an dem Jesus von den Toten auferstand.

Dieses Ereignis ist tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens, was schon der Apostel Paulus nachdrücklich in seinen Briefen hervorhebt: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist unser Glaube umsonst... Wenn die Toten nicht auferstehen, lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“

Emotionale Wucht

Die Verheißung ewigen Lebens bietet eine völlig andere Perspektive als die materialistische Philosophie, nach der das menschliche Leben mit dem Tod unwiderruflich zu Ende geht. Dennoch darf man sich die Auferstehung Jesu nicht so vorstellen, als ob ein toter Körper wieder ins irdische Leben zurückgekehrt sei. Wenn man die biblischen Text aufmerksam liest, wird deutlich, dass Jesus in eine Art Geistleib verwandelt wurde, der zu jeder Zeit und an jedem Ort erscheinen oder verschwinden konnte. Auch hatte er sein Aussehen verändert, denn er wurde sogar von Maria Magdalena mit einem Gärtner verwechselt.

Die Apostel haben Jesus als leiblich gegenwärtig erfahren, was für sie ein Erlebnis von ungeheurer emotionaler Wucht gewesen sein muss. So gewaltig, dass sie mit einer uralten Tradition brachen: Schon die ersten Christen feierten nicht mehr den jüdischen Sabbat als Feier- und Ruhetag, sondern den Sonntag – den Tag, als Jesus von den Toten auferstand.

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