Kiesgrube soll erweitert werden: Anwohner nicht begeistert

Von: Verena Müller
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Ortstermin an der Kiesgrube: Willy Davids erläutert die geplante, fünfte Erweiterung. Foto: V. Müller

Übach-Palenberg. Abgrabungen – ob Kohle oder Kies – sind offenbar immer ein heißes Eisen, deshalb hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Sicherheit Übach-Palenberg zum Ortstermin an die Kiesgrube eingeladen. Hier will die Firma Davids in die Erweiterung gehen, zwölf Hektar umfasst der Abschnitt „Frelenberg V“, über den Ausschuss und Stadtrat zu befinden haben.

Willy Davids stellte auf dem Wall stehend, der die Anwohner Frelenbergs ein paar hundert Meter weiter vor Baggerlärm schützen soll, die Pläne vor. Das trapezförmige Stück, dem eine Ecke fehlt, erstreckt sich in süd-östlicher Richtung, „also von der Bebauung weg“, wie Davids betonte. 2,5 Millionen Kubikmeter Kies, Sand und Lehm sollen in den kommenden zehn Jahren abgebaut werden.

Die Fläche sei sehr ergiebig, sollte Landschaftsplanerin Ute Rebstock später im Ausschuss ergänzen. Nach 2024 soll die Grube, die 30 Meter tief werden soll, durch Auffüllung rekultiviert werden. „Der Boden dafür stammt überwiegend aus regionalen Baumaßnahmen. 70.000 Kubikmeter Erde haben wir schon von der Erweiterung der Schokoladenfabrik bekommen“, erläuterte Davids vor Ort.

Ausschussvorsitzender Josef Fröschen (CDU) wollte es genauer wissen: „Kein Schutt, kein Schrott?“ „Nein, nur Boden und Lehm“, versicherte Davids. Langfristig gesehen sollen an der Stelle wieder Wiesen und Ackerflächen entstehen. Zukunftsmusik. Anwohner interessiert eher das Hier und Jetzt: Lärm und Staub. Am Abbauverfahren und an den Betriebszeiten soll sich nichts ändern, aus dem schalltechnischen Gutachten werden auch keine neuen Auflagen abgeleitet.

Heinz Mühlensiepen aus dem Fasanenweg in Frelenberg meldete sich zu Wort: Warum die Lärmschutzmessung, die für die Erweiterung notwendig ist, in der Mittagszeit durchgeführt worden sei. Wo in der Kiesgrube Pause sei. Davids Antwort: Es sei auch nach der Pause gemessen worden, außerdem habe er keinen Einfluss darauf, wann die Gutachter mit ihren Geräten anrückten. Eine Antwort, mit der Mühlensiepen nicht so recht zufrieden war. „Jetzt, im Moment, arbeitet der Bagger leise. Normalerweise klappern die Schaufeln viel lauter und auch die Lkw erzeugen mehr Lärm.“ Hinzu käme der Staub, besonders bei Ostwind. Seine Gartenmöbel seien dann regelmäßig mit einer Staubschicht überzogen.

Ob die Firma Davids keine Besprenkelungsanlage auf den Wall bauen könne? Willy Davids antwortete knapp: „Wenn das keine Vorschrift ist, machen wir das nicht. Wir sind schon so beschnitten worden, da machen wir Null Kompromisse.“ Als Hintergrund führte er das aus seiner Sicht lästige Verfahren an, seine Abgrabungen immer in Einzelabschnitten genehmigen lassen zu müssen, während die benachbarte Firma Dohmen in einem Rutsch grünes Licht erteilt bekommen habe.

Der Frust auf beiden Seiten, der Firma Davids und Anwohnern, war spürbar. Das wurde auch am nächsten Stopp nicht besser, wo ein Blick auf einen in der Rekultivierung befindlichen Abschnitt geworfen wurde.

Horst Tacken führte als Nabu-Vertreter eine Mängelliste von Maßnahmen auf, die nachweislich noch nicht umgesetzt sind: Weder die Obst- noch die Mähwiesen seien fristgerecht angelegt. Nach einem Aufschub, vom Jahr 2008 auf das Jahr 2010, sei nun, weitere drei Jahre später, immer noch nicht viel zu sehen. „Richtung Breiller Gracht steht kein einziger Baum“, so Tacken. Und wo 2011 schon eine Mähwiese blühen sollte, sei im vergangenen Jahr noch Mais angebaut worden. Davids gab „unumwunden zu“, die Fortschritte seien „nicht optimal“ und versprach, Abhilfe zu schaffen. Zuwegungen, die noch genutzt würden, hätten die Arbeiten verlangsamt.

Langfristig ist angedacht, dass aus der Grube ein Seitental des Wurmtals wird. Der schon bestehende Rundweg soll erhalten bleiben, wenn auch am Ende mit teilweise verändertem Verlauf. Die Details sind im Landschaftsplan festgeschrieben, Aufsichtsbehörde ist der Kreis Heinsberg.

Im Ausschuss wurde auf Anregung der Grünen beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, eine Übersicht über alle bisherigen Rekultivierungsmaßnahmen anzufertigen – nicht nur, was die Kiesgrube anbelangt. Vorab versicherte Baudezernent Hans-Peter Gatzen, dass Übach-Palenberg mit seinem Punktekonto im Plus sei. Die letzte Maßnahme sei der Herbacher Wald gewesen, als Ausgleich für die Schokoladenfabrikfläche.

Mit einer Gegenstimme – von den Grünen, wegen der Emissionen – wurde dem Antrag der Firma Davids zugestimmt.

Anwohner haben noch bis zum 19. Juni die Möglichkeit, bei der Verwaltung Einwände vorzubringen.

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