Keine richtigen Beweise für Brandstiftung

Von: Herbert Keusch
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Freigesprochen auf Kosten der Staatskasse wurde ein 40-jähriger Angeklagter aus einem Heinsberger Stadtteil, dem von Staatsanwältin Melissa Susann Hilger Brandstiftung vorgeworfen worden war.

So soll es schon im August 2008 zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und einem Geschädigten gekommen sein. Am 1. September 2008 ging mitten in der Nacht nach 23 Uhr der Hühnerstall des Nachbarn des Angeklagten in Flammen auf (wir berichteten).

„Brandstiftung, Nötigung und Bedrohung waren dem Angeklagten nicht nachzuweisen”, begründete Richter Thomas Schönig das Urteil des Schöffengerichts.

Richtige Beweise habe es nicht gegeben, lediglich Indizien seien dem Angeklagten vorgeworfen worden. Dabei sei ein seit Monaten schwelender Nachbarschaftsstreit schon vorher mit Handgreiflichkeiten zwischen dem Angeklagten und einem Nachbarn eskaliert, es habe üble Beschimpfungen und Beleidigungen gegeben, wobei auch andere Nachbarn in diese Streitigkeiten involviert waren.

Es handele sich halt lediglich um Indizien, wenn behauptet werde, dass der Angeklagte mehrfach angekündigt habe, einen Brand zu legen. Nicht anders verhalte es sich, wenn Bekannte des Angeklagten von ihm aufgefordert werden, dem Nachbarn Schaden zuzufügen. „Ich habe bei derartigen Verhandlungen noch nie Zeugen erlebt wie hier, die ausschließlich etwas abladen wollten, sich aber nicht von den Fragen des Gerichts leiten lassen wollen”, erklärte der Richter zum Ende des Prozesses. Am dritten Verhandlungstag war ein weiterer 30-jähriger Zeuge, vernommen worden. „Ich habe vom Brand zunächst nichts mitbekommen.”

Sein Nachbar habe ihn schließlich auf das Feuer aufmerksam gemacht, er sei mit diesem Nachbarn in seinem Auto auf den Feldweg in Richtung Feuer gefahren. „Mehr kann ich dazu nicht sagen.”

Ähnlich äußerte sich auch ein 23-jähriger Zeuge, der von seiner Wohnung den Funkenflug gesehen habe. Dazu, wer den Brand gelegt habe, könne er nichts sagen. „Ich weiß nur, dass sich der Angeklagte und sein Nachbar vorher einmal bei einem Streit geprügelt haben.” Aber das war schon länger her.

„Unklar ist auch nach dem dritten Verhandlungstag, wie es zum Brand im Hühnerstall gekommen ist”, begann Staatsanwältin Melissa Susann Hilger ihr Plädoyer. Dem Angeklagten könne aber nach dieser Verhandlung Brandstiftung nicht nachgewiesen werden. Die Indizien sprächen sicher gegen den Angeklagten. „Aber ich muss in diesem Verfahren einen Freispruch beantragen.”

Ähnlich sah es Strafverteidiger Ulrich Gleißner, der zunächst sagte, dass mehrere andere Personen und weniger sein Mandant als Täter in Betracht kämen. „Ich beantrage einen Freispruch.”
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