Kein einziger Stolperstein stört die Feststimmung

Von: Udo Stüßer
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Ortsvorsteher Leonhard Kuhn am Eingang zur Bürgerhalle. Sehbehinderte werden auf einer Kontrastfläche zum Haupteingang geleitet, die Tür ist elektronisch zu öffnen. Fotos (2): Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Würm. Fleißige Frauen bringen die Küche auf Hochglanz. Während Rentner Ferdi Krichel in der Festhalle mit Pinsel und Farbeimer bewaffnet einige Stellen an der ansonsten schneeweißen Wand ausbessert, wirft der 70-jährige Hans-Willi Cüppers einen kritischen Blick auf die schmucke Außenanlage: alles sauber. Tipp-Top.

Die Bürgerhalle Würm ist aber nicht nur ein Schmuckstück, nicht nur ein Treffpunkt für Bürger und Heimat der Ortsvereine. Sie ist gänzlich barrierefrei. Behinderten Menschen, die diese Halle besuchen, werden baulich keine Stolpersteine in den Weg gelegt. Das sieht auch der Sozialverband VdK, Landesverband Nordrhein-Westfalen, so und verleiht ihr die Plakette für „barrierefreies Bauen“.

Diese Auszeichnung wird am Sonntag, 29. September, 15 Uhr, im Rahmen eines Kaffeekonzertes verliehen. Die Bürgerhalle Würm ist übrigens die einzige barrierefreie Halle in der Stadt.

Sichtlich stolz verweist Ortsvorsteher Leonhard Kuhn, Vorsitzender des eigens für die Errichtung der Halle gegründeten Fördervereins der Ortsvereine Würm, auf den ebenerdigen Zugang der Halle ohne Treppen und Stufen hin. Alle Räumlichkeiten sind mit Rollator und Rollstuhl mühelos zu erreichen. Auch die Terrasse und Fluchtwege sind auf einer Ebene. Der Eingangsbereich ist durch Kontrastflächen so angelegt, dass der Sehbehinderte zur Eingangstür geleitet wird.

Die breite Eingangstür ist elektronisch zu öffnen, auch die Toilette ist selbstverständlich barrierefrei. Sie ist sogar mit einem Notsignal ausgerüstet. Hat der behinderte oder alte Mensch ein Problem, muss er nur einen Seilzug betätigen und setzt damit rote Warnlampen vor der Toilette und im Thekenbereich optisch und akustisch in Gang. Sogar eine Getränkekarte in Braille-Schrift ist vorhanden, die von Schülern des Berufsbildungswerkes Soest hergestellt wurde.

Durch den barrierefreien Bau entstanden 30.000 Euro Mehrkosten, die Planungen des Übach-Palenberger Architekten Ralf Hansen und der Bau wurden ständig von Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen, mit kritischem Auge begleitet. „Er hat einen Mindeststandard gefordert, aber auch immer geprüft, was für uns finanziell möglich und umsetzbar ist“, sagt Leonhard Kuhn.

Erste Gedanken, eine Bürgerhalle zu bauen, wurden bereits in den 70er Jahren geboren. Im Frühjahr 2004 wurde Ortsvorsteher Kuhn von Vereinsangehörigen angesprochen, ob es nicht möglich ist, die Sporthalle der Grundschule zur Mehrzweckhalle umzubauen. Doch sprachen verschiedene Gründe gegen einen solchen Umbau: Dieser hätte zur Folge gehabt, dass die Halle mindestens ein Jahr nicht benutzbar gewesen wäre. Allerdings, so sieht es Kuhn, hat der Schulsport absolute Priorität vor Vereinsangelegenheiten. „Wir wollten von Anfang an eine barrierefreie Halle. Die Bevölkerung wird immer älter, und viele Senioren sind auf Barrierefreiheit angewiesen“, blickt Kuhn zurück. Um einen behindertengerechten Zugang zur Sporthalle zu schaffen, wären erhebliche Baumaßnahmen erforderlich gewesen. Deshalb war ein Neubau die einzige Alternative.

Die Würmer hatten bei diesem Vorhaben auch ein wenig Glück 200 000 Euro flossen aus dem Konjunkturpaket II, 100 000 Euro konnte damals noch die Stadt beisteuern. Für die weitere Finanzierung wurde der Förderverein der Ortsvereine Würm gegründet, dem die KG Würmer Wenk, die SG Union 94 Würm-Lindern, die Frauengemeinschaft, das Musikkorps und die drei Schützenbruderschaften Würm, Leiffarth und Müllendorf angehören.

Im Laufe von sechs Jahren sammelte der Verein 100 000 Euro an Spenden, ein Kredit in Höhe von 100 000 Euro wurde ebenfalls aufgenommen. Fast alle Arbeiten wurden in Eigenleistung erledigt. Lediglich für den Rohbau und die Dachkonstruktion wurden Firmen hinzugezogen. Maler-, Fliesen- und Elektroarbeiten wurden von freiwilligen Helfern ehrenamtlich erledigt. Sogar die Klimaanlage wurde in Eigenleistung installiert.

„Es wurden Eigenleistungen von rund 500 000 Euro eingebracht. Heute hat die Halle einen Gesamtwert von rund einer Million Euro“, sagt Kuhn. Baubeginn war 2010, eröffnet wurde die Halle im Juli 2012. Heute ist die 500 Quadratmeter Bürgerhalle Mit Foyer, Küche und Theke Trainings- und Übungsstätte für Vereine, Ort vieler Veranstaltungen und kann am Wochenende für private Feste angemietet werden.

„Für 25 Hochzeiten wurde die Halle in diesem Jahr schon angemietet“, freut sich Kuhn. Mit dem Gewinn werden die Betriebskosten gedeckt, außerdem muss der Kredit getilgt werden. Für diesen Kredit haben übrigens vier Bürger eine Bürgschaft übernommen.

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