Kassenklingeln soll 2011 den Ton angeben

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
geschäfte4spbu
Entspannte Haltung, erwartungsvolle Miene: Stefan Krings, Geschäftsführer von Bau- und Wohndesign Krings in Gangelt, erwartet 2011 eine gutes Geschäftsjahr - auch, weil es bei den Banken derzeit wenig Geld fürs Geld gibt. Foto: Classen

Geilenkirchen/Übach-Palenberg/Gangelt. Statt ihr Geld auf dem Konto zu horten, investieren es die Menschen derzeit lieber in eine Bank. In eine Eckbank zum Beispiel oder auch in die Neumöbelierung des Schlafzimmers. Ganz generell scheint die Aufwertung des eigenen Heims derzeit im Trend zu liegen, eine Entwicklung, die Stefan Krings mit einem zufriedenen Lächeln verfolgt.

Denn Krings ist Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäfts für Bau- und Wohndesign in Gangelt-Langbroich. Eckbänke hat er im Angebot, genau wie Schlafzimmermöbel und natürlich noch vieles mehr. Krings sagt: „Wir erwarten das beste Geschäftsjahr seit langem.” Dabei sei 2010 noch nicht einmal schlecht gewesen, im Gegenteil. Nur 2009 liefen die Geschäfte nicht so recht. Klar, die Finanzkrise und dann auch noch die sogenannte Abwrackprämie. „Da haben die Leute dann eher in ein neues Auto investiert”, sagt Krings.

Kein einsamer Optimist

Mit seinem Optimismus für das laufende Jahr steht der Einrichtungsexperte alles andere als allein auf weiter Flur. Am Mittwoch veröffentlichte die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) ihre Konjunkturumfrage für den Jahresbeginn 2011. 290 Unternehmen mit insgesamt über 40.000 Beschäftigten wurden dazu befragt, ihre Antworten lassen nur den Schluss zu, das die Wirtschaft äußerst optimistisch in die nahe Zukunft blickt.

So bezeichnet jeder zweite Befragte seine aktuelle Geschäftslage als gut. „Damit erreicht die konjunkturelle Lage bereits das Rekord-Niveau von vor der Wirtschaftskrise. Das wird sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken”, prophezeit IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes.

Die gute Stimmung macht vor dem Kreis Heinsberg nicht Halt. Im Gegenteil, hier ist - nach dem ehemaligen Kreis Aachen - in der aktuellen Konjunkturumfrage sogar der zweitbeste Werte zu verzeichnen. Demnach berichten 55 Prozent der Unternehmen im Kreis Heinsberg von einer guten, nur neun Prozent von einer schlechten Geschäftslage.

Gut geht es insbesondere Einzelhandel, Baugewerbe und Industrie. Allein die Geschäftserwartungen sind ein wenig gesunken, 34 Prozent der Befragten erwarten eine gute Entwicklung, 13 Prozent eine schlechte. Insgesamt starte man aber äußerst positiv in 2011, resümiert IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting: „Das ist zum Beispiel das erste Mal seit vielen Jahren, dass der Handel zuversichtlich ins neue Jahr geht.” Die gute binnenwirtschaftliche Nachfrage sei wohl nicht zuletzt den erwarteten Lohnzuwächsen zu verdanken. Rötting: „Das gibt den Arbeitnehmern auch wieder mehr Vertrauen.”

Ein Faktor, der auch für das Geschäft von Stefan Krings im Grunde genommen unbezahlbar ist. Denn wer positiv in die Zukunft blickt, investiert gern in die eigenen vier Wände - oder deren Türen und Fenster. „Der Bereich Energetische Sanierung ist noch lange nicht abgehandelt”, sagt Krings. Und nicht zuletzt vermutete er, dass seine Kunden lieber bei ihm als bei der Bank investieren, weil sie dort derzeit wenig Geld für Geld bekommen. „Die Zinsen sind niedrig und daneben kommen auch junge Leute, die bauen wollen, so günstig an Kredite, wie lange nicht mehr.”

Davon profitiert auch Jörg Durczak, Geschäftsführer von Rochtus Küchen- und Wohndesign in Übach-Palenberg. Auch wenn er sagt, dass er „dem allgemeinen Optimismus noch nicht ganz traut”, so zeigt er sich doch überzeugt, „dass wir den leicht positiven Trend weiter fortsetzen werden.” Genau: fortsetzen. Denn während die Krise in den vorangegangenen beiden Jahren in anderen Branchen für tiefrote Zahlen sorgte, kurbelte sie sein Geschäft eher an, meint Durczak.

Ein Phänomen, das er mit dem Wort „cocooning” beschreibt, was wörtlich übersetzt verpuppen bedeutet. Durczak: „Wenn die Menschen die Zeiten als unsicher empfinden, ziehen sie sich in ihr eigenes Heim zurück.” Dorthin also, wo es bleibende Werte gibt. In sie zu investieren ergibt demnach gerade in Krisenzeiten Sinn.

Die Krise, sie bedeutete für Frank Hilgers Hochkonjunktur. Der Mann verkauft Autos, ist Centerleiter beim Autohaus Piper in Übach-Palenberg. Von der Abwrackprämie profitierte die gesamte Branche. Viele warnten davor, dass durch die Förderung das Einbrechen der Absatzzahlen nur verschoben werde. Im Autohaus Piper kam es anders: Es lief und lief und lief. „Wir hoffen natürlich, dass sich der positive Trend, den für 2010 fast niemand erwartet hätte, in diesem Jahr fortsetzt”, sagt Hilgers. 2009 sieht er mittlerweile nicht nur als „Ausnahmezustand”, sondern auch als „Initialzündung”. Schließlich hätten seitdem viele Kunden, einen neuen Zündschlüssel in den Händen halten zu wollen.

Statt Pumps Profil gefragt

An den Füßen soll es auch regelmäßig etwas Neues sein. Dabei ist Oliver Schleypen, Inhaber des „Shoe-Point” in Geilenkirchen die richtige Anlaufstelle. Er erwartet für das laufende Jahr „eine ähnlich gute Entwicklung wie 2010.” Natürlich sind es aktuell weniger die Pumps, die den Absatz fördern, Profil ist gefragt. „Wir sind im Moment noch bei der Winterware”, sagt Schleypen.

Die Witterung ist es auch der Grund, warum Lars Ratzer seiner Kundschaft erfreulich oft aufs Dach steigt. „Wir hatten mehrere Aufträge, bei denen wir Schnee geräumt und Eiszapfen entfernt haben”, sagt der Geschäftsführer des Karl-Jansen-Dachdeckerbetriebes, ansässig in Geilenkirchen. Natürlich sind andere Arbeiten wegen des Schnees bislang meist auf der Strecke geblieben. „Ich hoffe, die Aufträge sind nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben”, sagt Ratzer. Das sich die Wirtschaft wieder im Aufschwung befindet, bemerken jedenfalls nicht nur die, die ganz weit oben auf den Dächern stehen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert