Geilenkirchen - Kampf um Kirchenkunst: Schaffrath-Fenster in letzter Sekunde gerettet

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Kampf um Kirchenkunst: Schaffrath-Fenster in letzter Sekunde gerettet

Von: Dettmar Fischer
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Mit dem Ausbau der Fenster wurde schon begonnen. Foto: Dettmar Fischer
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Von außen mögen die Schaffrath-Fenster von St. Josef eher unscheinbar gewirkt haben, von innen sind sie jedoch umso eindrucksvoller. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Wer hätte das gedacht? Da lagen die schönen Fenster aus St. Josef Bauchem, die der in der ganzen Welt bekannte Glaskünstler Ludwig Schaffrath schuf, schon fast im Altglascontainer. Und nun werden sie doch noch haarscharf der Abrissbirne entrissen. Alle Optionen, die Zerstörung der Schaffrath-Fenster zu verhindern, schienen bislang ausgeschöpft zu sein.

Der Tochter von Ludwig Schaffrath, Ulla Schaffrath-Busch, war nichts anderes übrig geblieben, als die Fotografien der Glasfenster, die ihr Vater für St. Josef geschaffen hatte, zu archivieren. Die Kunsthistorikerin Annette Jansen-Winkeln, die die in Mönchengladbach angesiedelte Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts mit betreibt, war schon mit der auf eigene Kosten umgesetzten Rettung einiger Glasfenster aus der gerade abgerissenen Immerather Kirche gefordert. Vor drei Wochen war dann ein Bericht über den Abriss der Bauchemer Kirche und die damit einhergehenden Zerstörung der Schaffrath-Fenster in unserer Zeitung erschienen.

Der Bericht war auch von dem Aachener Professor Dr. Peter Roggendorf gelesen worden. Roggendorf saß viele Jahre im Aachener Stadtrat, war zuletzt Vorsitzender des Kulturausschusses, lehrte an der Katholischen Hochschule Aachen und wohnt in einem schönen Haus, das der Aachener Architekt Mathias Kleuters erbaute.

Kleuters ist ebender Architekt, der auch St. Josef Bauchem erdachte und gemeinsam mit Ludwig Schaffrath 1974 das künstlerische Konzept schuf, dessen ausdrucksstarke Elemente die wunderschönen Glasfenster sind, die von außen eher unscheinbar, von innen um so eindrucksvoller wirken. Roggendorf gelang, was keiner mehr erwartet hatte. Er brachte den Stein noch einmal ins Rollen. Roggendorf: „Alle Fenster werden ausgebaut und nicht zerstört. Ich bin sehr froh, dass sie gerettet werden.“

Ansgar Lurweg ist Mitglied des Kirchenvorstands von St. Mariä Himmelfahrt Geilenkirchen und Aufsichtsratsmitglied der Franziskusheim gGmbH. Er gehörte zum Kreis der Personen, die sich in dieser Woche an der Kirche St. Josef trafen, um über den Erhalt der Schaffrath-Fenster zu beratschlagen. Trotz frostiger Temperaturen entwickelte sich das Treffen harmonisch. Das Ergebnis des Treffens ist mit Blick auf den drohenden Altglascontainer so erstaunlich wie hoch erfreulich. „Das war kurz vor knapp“, konstatierte Ansgar Lurweg mit Blick auf einen erfolgreich verlaufenen Prozess des Nachdenkens in den vergangenen Wochen.

Mit dem Ausbau der Fenster wurde bereits begonnen. Alle vier Schaffrath-Fenster werden von der Firma Dr. H. Oidtmann & Cie., eine Kunstanstalt für Glasmalerei und Kunstverglasung aus Linnich, die einst auch den Einbau besorgte, vor dem Abriss der Kirche noch ausgebaut.

Alle vier Fenster kommen in gute Hände, davon ist Ulla Schaffrath-Busch überzeugt. Sie hat als Erbin die Urheberrechte an den Werken ihres Vaters. Eines der Fenster, ein 75 Zentimeter breites und 5,80 Meter hohes Band, wird im Raum der Stille des entstehenden Sozialzentrums einen Platz finden. Zwar nicht als Fenster und nicht in einem Stück, aber hinterleuchtet an einer Wand. Schaffrath-Busch: „Wir haben hier eine Lösung gefunden, die für uns alle mehr als befriedigend ist.“

Dies trifft auch auf die drei anderen Fenster zu. Ein großes Lichtband bekommt die Pfarrgemeinde Christus unser Friede Herzogenrath für ihre Kirche St. Barbara Pannesheide, die gerade restauriert wird. Pfarrer Rainer Thoma war mit einer kleinen Delegation nach Bauchem gekommen. Er hatte schon vor geraumer Zeit Interesse an einem Schaffrath-Fenster für „seine“ Kirche geäußert. Nun geht sein Wunsch in Erfüllung.

Das große Fenster an der Eingangsfront von St. Josef Bauchem und ein kleineres auf der Orgelempore bekommt Professor Dr. Peter Roggendorf. Er hat zwar Pläne für eine Weiterverwendung, die sind aber noch nicht ganz spruchreif.

Er denkt an eine begleitende Bildpräsentation am neuen Ort, die einen Eindruck vom ehemaligen Gesamtkunstwerk vermitteln könnte. Alle, die Schaffrath-Fenster aus St. Josef Bauchem übernehmen, übernehmen auch anteilig die Kosten für den Ausbau und eine eventuelle Zwischenlagerung. Etwa 150 Euro pro Quadratmeter müssen für die Demontage einkalkuliert werden. Macht rund 10.000 bis 12.000 Euro. „Kunst sehr preiswert“, scherzt Ulla Schaffrath-Busch.

Das Gesamtkunstwerk aus Kirche und Fenstern wird man zwar nicht erhalten können, bedauert Professor Roggendorf, doch er sagt: „Schaffrath ist ja jemand, der auch Ideen in seinen Bildern verwirklicht hat.“ Und diese Bilder sind Kulturgüter, und Kulturgüter gehören nicht in den Müll. Dieses Bewusstsein hat sich am Ende durchgesetzt. Peter Roggendorf: „Jeder sagte für sich, ich kann das für mich alleine nicht machen, aber auf einmal merkt man, es geht doch. Man darf nicht alles den Institutionen überlassen.“ Das ist eine Erkenntnis, die Roggendorf aus Jahren der Ratsarbeit mitgenommen hat. Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Wenn man von etwas angetan ist, macht man die größten Dummheiten.“

Vielleicht hat es ja erst auf den allerletzten Drücker mit der Rettung der Schaffrath-Fenster geklappt, weil alle auf den einen gewartet haben, der bereit ist, mal eine „Dummheit“ zu begehen?

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