Kabarettist Willibert Pauels bleibt der Bühne treu

Von: Georg Schmitz
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Guter Dinge: Willibert Pauels in Geilenkirchen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. So voll war die Aula der Geilenkirchener Realschule schon lange nicht mehr. Kabarettist Willibert Pauels war es zu verdanken, dass selbst die Empore für die Besucher von „Ne fromme Jeck“ geöffnet werden musste. Der Erfolg dürfte die veranstaltende Rurtal-Produktion und die Stadt erfreut haben, sind doch Behauptungen einmal mehr widerlegt, dass in Geilenkirchen nichts los sei.

Der Komödiant aus Wipperfürth trägt den Beinamen „Ne Bergische Jung“, denn er steht zu seiner Heimat. „Alles begann bei einer Pfarrsitzung der Kajuja 1974 in Wipperfürth“, berichtet Pauels im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon damals habe er sich gerne als Karnevalist betätigt, aber 1995 habe sich dann der ganz große Erfolg eingestellt. Die Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft Wipperfürth habe ihn für eine Talkshow mit Hans Meiser vorgeschlagen. „Von da an war ich 17 Jahre on Top“, sagt der Künstler.

In Klein-Nazareth, so werde sein katholisches Wipperfürth nicht selten genannt, sei er 1993 auch zum Diakon geweiht worden. „Der Glaube hat mich schon seit meiner Messdienerzeit immer begleitet“, so Pauels. Dann räumt er auch gleich mit dem Gerücht auf, dass er sich komplett aus der Comedy-Szene zurückziehen wolle: „Keine Spur von Abschied von der Bühne, ich bleibe dem Kabarett treu. Ich lasse nur den Hardcore-Karneval fallen“, macht Pauels klar. Damit meint er den Stress-Marathon von acht bis zehn Auftritten an einem Tag während der Karnevalszeit. Das hat ihm bekanntlich derart zugesetzt, dass er 2012 in Depressionen verfiel und eine Pause einlegte. „Warum machen se den Driss“, hätte ihn sein Arzt damals gefragt und ihm eine stationäre wie medikamentöse Behandlung empfohlen.

Pauels macht seine Krankheit bewusst öffentlich und setzt sich auch bei seinen Auftritten damit auseinander. Er vermittelt dem Publikum das Leiden auf seine lustige Art – mit Witzen aus der Psychiatrie. Beispiel: Kommt abends ein Patient zum Arzt und erzählt, er sei eine Motte. „Da sind sie bei mir falsch, ich bin Orthopäde“, sagt der Doktor. Worauf der Patient antwortet: „Aber bei ihnen brennt doch Licht.“ Schwermütig sei Pauels im vergangenen Jahr gewesen, und – ach ja, der Rheinländer habe für Schwermut einen eigenen Ausdruck: „Der hät et ärm Dier.“

Pauels ließ die Besucher wissen, dass er ab September wieder als hauptamtlicher Diakon tätig sein werde und hoffe, dass er einen Pastor finde, der nichts gegen seine kabarettistische Nebentätigkeit habe. „Kirche, Karneval und Depressionen passen augenscheinlich nicht zusammen, aber innerlich doch“, sagte Pauels. Er vermeldete, dass bei ihm in der Klinik eine Weiche umgestellt worden sei und er sich jetzt wieder so frei fühle wie seit Jahren nicht mehr. Depressionen würden einen zunehmend „in die Angst schmeißen“, man bekäme Panik-Attacken. „Aber man kommt da raus, es gibt heute so gute Medikamente und Behandlungen“, machte Pauels Menschen Mut, die diese Krankheit vielleicht mit ihm teilen.

In seiner Show kam der Humor auf keinen Fall zu kurz: „In allen katholischen Regionen gibt es Karneval, in Köln, in Brasilien und sogar in Düsseldorf.“ Im Karneval werde natürlich auch viel getrunken, aber: „Wenn man viel Alkohol getrunken hat, rettet sich der Verstand aus dem Fenster.“ Auch einen Westfalen-Witz hielt Pauels parat: „Ein Betrunkener fällt in ein ausgehobenes Grab. Ein anderer kommt vorbei und sieht ihn da unten liegen. Sein Kommentar: Wat is dat für ne Döskopp, lässt der sich de Kiste klauen.“ Pauels gab zu, dass er schon mehrmals ob derartiger Witze angegriffen worden sei. Wie könne ein Diakon so was erzählen ? Aber Kirche und Karneval könnten sich immer bestens arrangieren ...

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