Übach-Palenberg - „Junge Talente” präsentieren sich im Schloss Zweibrüggen

„Junge Talente” präsentieren sich im Schloss Zweibrüggen

Von: Johannes Gottwald
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Die erst 14-jährige Alina Seb
Die erst 14-jährige Alina Sebastian sang sich in die Herzen der Zuhörer und begleitete ihre Darbietungen selbst am Klavier. Foto: Johannes Gottwald

Übach-Palenberg. „Es bildet sich ein Talent in der Stille, ein Charakter im Strom der Welt.” Was Goethe vor rund 200 Jahren formulierte, gilt auch heute noch unverändert. Im Rokokoschloss Zweibrüggen konnte man gleich fünf junge Musiker und Musikerinnen erleben, die ihr Können bei einem Konzert im Rahmen des Kulturprogrammes der Stadt Übach-Palenberg präsentierten.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch begrüßte im großen Saal des Schlosses eine stattliche Anzahl von Musikfreunden. Der Abend stand unter dem Motto „Junge Talente - Musik hoch 5” - und offenbarte in der Tat, wieviel künstlerisches Potenzial in unserer Region vorhanden ist. Denn alle Ausführenden stammen entweder aus Übach-Palenberg selbst oder aus der näheren Umgebung.

Begonnen wurde mit vier Gesangsnummern, vorwiegend aus der Welt der Operette. Die Solistin Anja Stumpf übernahm gewissermaßen die Rolle des „Eisbrechers” und löste die Aufgabe mit Bravour. Bereits in „Chacun a son gout” aus der „Fledermaus” offenbarte sie nicht nur vorzügliche gesangliche Qualitäten, sondern auch ein bemerkenswertes schauspielerisches Talent, was ebenso auch bei der Arie „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?” und dem Lied „Am Amazonas” aus „Glückliche Reise” voll zur Geltung kam.

Nicht ganz so überzeugend gelang der Schlager „Ich will keine Schokolade” - offensichtlich ist Anja Stumpf mehr im Bereich der gehobenen Unterhaltungsmusik zu Hause. Für die Untermalung am Klavier sorgte übrigens die Pianistin Olga Kreimer aus Geilenkirchen.

Dann folgte der Auftritt der erst 14-jährigen Alina Sebastian, die sich mit dem Schlager „Beautiful”, bei dem sie ihren Gesang sogar selbst am Klavier begleitete, gleich in die Herzen der Zuhörer sang. „Geboren um zu leben” von der Gruppe „Unheilig” erwies sich hingegen als reiner Klaviervortrag. Bei den nächsten beiden Gesängen „The Melody of Live” und „Forever” begleitete sich Alina Sebastian dann auf der Gitarre. Auch diese beiden Stücke waren - wie schon die vorausgegangenen - von dunkler Schwermut erfüllt, wofür die Solistin offenbar eine besondere Vorliebe hat.

Wenige russische Züge

Die Bratschistin Christine Schönleber gehört bereits zu den Freunden der Kammermusik Übach-Palenberg, wo sie schon erste Erfahrung mit Auftritten gesammelt hat. Gemeinsam mit der kurzfristig eingesprungenen Pianistin Roswitha Brüss musizierte sie den ersten Satz aus der Sonata d-moll von Michael Glinka. Das breit angelegte, streckenweise etwas langatmige Stück weist nur wenige ausgesprochen russische Züge auf und zeigt stark mitteleuropäische Einflüsse, vor allem von Glinkas Zeitgenossen Mendelssohn und Schumann. Von gelegentlichen Unschärfen bei der Intonation abgesehen gelang auch Christine Schönleber eine klangschöne und einfühlsame Wiedergabe dieses interpretatorisch nicht unproblematischen Werkes.

Nachdem sich die Zuhörer in der Pause bei einem Getränk oder mit einem kurzem Spaziergang im Schlossgarten entspannt hatten, war die Reihe an dem jungen Pianisten Jonas Kubitzki. Wie Alina Sebastian zeigt auch er eine ausgeprägte Neigung zu Molltonarten. Der argentinische Tanz Nr. 2 von A. Ginastra wies allerdings vor allem in seinem Mittelteil eine stark erweiterte Tonalität mit herben, expressionistischen Harmonien auf. Dann schlossen sich die Nummern 4 und 6 aus den Préludes op. 28 von Chopin an.

Diesen 24teiligen Zyklus schrieb der große polnische Nationalkomponist bekanntlich während eines mehrmonatigen Urlaubes auf Mallorca. Dieser Aufenthalt war jedoch keineswegs eine Idylle - vielmehr führten wolkenbruchartige Regenfälle und das kalte, zugige Quartier in der Karthause von Valldemossa zu einem neuerlichen Ausbruch seiner Lungentuberkulose.

Etwas von diesem widrigen Umständen hat sich unverkennbar auch in den „Préludes” niedergeschlagen. Dagegen klang die Fantasie d-moll KV 397 von Mozart in einer lichten und freundlichen D-Dur-Coda aus. Auch dieses Werk meisterte Jonas Kubitzki wie die vorausgegangenen mit einer brillanten, schon sehr ausgereiften Spieltechnik und Musikalität.

Der letzte Auftritt des Abends gehörte dem Geiger Daniel Herchenbach (ebenfalls Mitglied der Kammermusikfreunde Übach-Palenberg), der sich zusammen mit seinem Begleiter Martin Scheufens einer hochanspruchsvollen Herausforderung gestellt hatte - der Introduktion und Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saens. Nach einer ruhigen und besinnlichen Einleitung folgte das rhythmisch-erregte und temperamentvolle Rondo Capriccioso, dessen Hauptthema deutliche Anklänge an die Oper „Carmen” von Bizet aufwies.

Was aber viel stärker in den Blickpunkt rückte, war die fulminante, hochvirtuose Spieltechnik von Daniel Herchenbach, die das Publikum geradezu elektrisierte. Hier wächst eine bedeutende musikalische Begabung heran, die mit hoher Sicherheit eine große Zukunft vor sich hat und deren Entwicklung man aufmerksam weiterverfolgen sollte. Aber auch der kaum minder anspruchsvolle Klavierpart von Martin Scheufens verdient an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. Kein Wunder, dass die Zuhörer am Ende in stürmische Ovationen ausbrachen und den Vortrag der beiden zu Recht als Krönung des Abends ansahen.

Aber das Programm war noch nicht zu Ende - es gab zum Ausklang noch ein kleines „Sahnehäubchen”: Alle fünf Akteure betraten nochmals den Saal und intonierten gemeinsam den populären Schlager „Ich war noch niemals in New York” von Udo Jürgens, wobei Anja Stumpf und Alina Sebastian in schönem Duett den Gesangspart übernahmen, Christine Schönleber, Jonas Kubitzki und Daniel Herchenbach dagegen für die musikalische Untermalung sorgten. Ein legitimeres Konzertfinale konnte es kaum geben - denn schließlich müssen alle Musiker nicht nur Einzelkämpfer, sondern auch „Teamplayer” sein.
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