Jugendkriminalität sinkt in Geilenkirchen

Von: Udo Stüßer
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Es fällt auf, dass die Zahl der Straftaten 2011 gegenüber 2010 gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Zahl der Täter von 132 auf 129 gesunken. Einige Jugendliche und Heranwachsende traten als Mehrfachstraftäter in Erscheinung. So begingen sieben Jugendliche und Heranwachsende 50 Taten.
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Die Dipl.-Sozialpädagogin Johanna Apostel, Mitarbeiterin des Jugendamtes, beobachtet im Besprechungsraum eine Mutter mit ihrer Tochter beim Spiel. Bei solchen Besuchskontakten geht es darum, in Pflege lebende Kinder und Eltern wieder zusammenzuführen. Foto: Udo Stüßer
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Zieht nach fünf Jahren eine positive Bilanz: Jugendamtsleiter Wilfried Schulz. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ab August gibt es einen Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr auf einen Betreuungsplatz. Der Gesetzgeber sieht eine Bedarfsdeckung von 35 Prozent der U3-Kinder vor. „Nach dem Um- und Ausbau aller zwölf Kindergärten in der Stadt und nach intensiven Planungsgesprächen mit den Trägern dieser Einrichtungen erreichen wir eine Bedarfsdeckung von 36 Prozent. Da wir die Tagespflege in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben, können wir 51 Prozent der U3-Kinder versorgen“, erklärt Wilfried Schulz, Leiter des Geilenkirchener Jugend- und Sozialamtes.

4,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in den Ausbau der Kindertagesstätten investiert. „Einen geringen Teil haben die verschiedenen Träger gezahlt, der große Teil kam von Bund und Land“, sagt Schulz, der auf insgesamt 800 Kindergartenplätze in zwölf Kindergärten verweisen kann.

Überhaupt legt Wilfried Schulz fünf Jahre nach der Gründung des städtischen Jugendamtes eine positive Bilanz vor. Dabei erinnert er auch an die Ursachen, die vor fünf Jahren zur Einrichtung eines eigenen Jugendamtes führten. Schon in den 90er Jahren hat die Verwaltung über die Vor- und Nachteile eines eigenen Jugendamtes diskutiert, die Idee aber aufgrund des Kostenrisikos immer wieder verworfen. „In den Jahren 2005/2006 lebte die Diskussion auch in der Politik wieder auf. Gründe waren unter anderem die gestiegene Jugendkriminalität, Vandalismus und Graffiti in der Stadt“, blickt der Jugendamtsleiter auf die Zeit zurück, in der viele Schulen und andere städtischen Gebäude Ziele von Einbrechern wurden.

Dann kam der Auftrag des Rates an die Verwaltung, Vor- und Nachteile, Kosten und Risiken eines eigenen Jugendamtes zu prüfen. Zu jenem Zeitpunkt beherbergte das Geilenkirchener Rathaus eine Außenstelle des Kreisjugendamtes mit drei Sozialarbeitern. „Die Einrichtung eines eigenen Jugendamtes bot natürlich viele Vorteile. So konnten wir uns mit allen Institutionen, die mit Bildung, Betreuung und medizinischer Versorgung zu tun haben, eng vernetzen und so frühzeitig von der Gefährdung eines Kindes oder Jugendlichen erfahren und früh Hilfe leisten. Präventive Arbeit war unsere Absicht“, erläutert Schulz.

Bei lebhaften Diskussionen im Stadtrat und in den Ausschusssitzungen ging es nie um die Qualität der Arbeit, die im Jugendamt geleistet wird. Im Gegenteil: Die findet stets große Zustimmung bei den Stadtverordneten. Die Turbulenzen im politischen Raum hatten stets mit den Kosten zu tun. Nachdem das städtische Jugendamt im Januar 2008 seine Arbeit aufgenommen hatte, waren die Kosten im ersten Jahr 300 000 Euro geringer als eingeplant. Auch das zweite Jahr verlief finanziell gesehen normal. Einen Ausreißer gab es dann im Jahr 2010: „Eine Million Euro Mehrkosten sorgten natürlich für politische Diskussionen“, blickt Schulz zurück und erklärt die Gründe: „In diesem Jahr hatten wir einen extremen Zuzug von sozial schwachen Familien und damit verbunden eine erhebliche Steigerung der Fallzahlen der Hilfe zur Erziehung, der Heimunterbringung und der ambulanten Hilfe.“

Für ambulante Hilfe muss die Stadt pro Monat rund 1000 Euro für jedes Kind einkalkulieren, für die Heimunterbringung etwa 4000 Euro im Monat. Im Klartext: Zieht eine Familie nach Geilenkirchen, von der drei Kinder im Heim untergebracht werden müssen, kommen auf die Stadt monatliche Kosten in Höhe von 12.000 Euro zu. „Die Kosten für eine Heimunterbringung können pro Kind auf bis zu 9000 Euro hochschnellen. Schließlich brauchen extrem traumatisierte Kinder, wie es häufig Missbrauchsopfer sind, oft eine 1:1-Betreuung“, sagt Schulz. Derzeit zahlt die Stadt für 37 Kinder, die in Heimen leben.

Diskutiert wurde natürlich, wie man dieser Kostenexplosion entgegenwirken kann. Auf der einen Seite gab es die Kritiker der Kosten, auf der anderen Seite die Befürworter, die argumentierten, es sei gut angelegtes Geld. „Mit den anderen Jugendämtern im Kreis konnten wir bei freien Trägern erreichen, dass durch neue Leistungsstandards für ambulante Hilfe die Kosten gesenkt werden konnten. Außerdem haben wir die Entwicklung der Jugendhilfefälle im Auge behalten. Wir fordern eine Mitwirkungsbereitschaft der Familien und der Jugendlichen. Aber das Kindeswohl steht immer an erster Stelle.“

Bei dieser Gelegenheit erinnert sich Schulz an eine Überprüfung des Haushaltes durch die Gemeindeprüfungsanstalt vor drei Jahren: „Uns wurde gesagt: Investieren Sie mehr in die Jugendarbeit, das zahlt sich langfristig aus.“ Schulz verweist auf die positive Entwicklung der Jugendkriminalität in Geilenkirchen. Die Anzahl der jugendlichen und heranwachsenden Täter ist von 2008 bis 2011 von 174 auf 129 gesunken, die Anzahl der Delikte von 277 auf 238. „Wir kennen fast jeden Straftäter und fast jede Straftat in der Stadt. Und wir wissen ganz genau: Derzeit gibt es hier keinen Intensivtäter“, versichert er und weiß: „Die spektakulären Überfälle in unserer Stadt werden von Auswärtigen verübt.“

Der Soziale Dienst des Jugendamtes sitzt früh im Boot und kann so manchen Jugendlichen vor dem Abdriften auffangen. Durch die intensive Jugendarbeit kennen die Mitarbeiter des Jugend- und Sozialamtes die sozialen Brennpunkte in der Stadt nur zu genau und können die Politik frühzeitig in die Lage versetzen, die soziale Entwicklung in der Stadt zu beeinflussen.

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