Geilenkirchen - Judo: Ein Kampfsport, der Werte vermitteln soll

Judo: Ein Kampfsport, der Werte vermitteln soll

Von: Daniela Martinak
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Judo macht sichtlich Spaß! Die Mitglieder des Budo Sport Clubs kommen jedenfalls gerne zum Traning. Manchmal sogar drei mal in der Woche. Dort lernen sie dann verschiedene Würfe aber auch Falltechniken. Foto: Daniela Martinak

Geilenkirchen. Prügel, Schläge und immer Ärger. Moritz (Namen der Kinder geändert) kann nicht anders. Sobald ihn etwas aufregt, wird er aggressiv. Das war jedenfalls noch vor zwei Monaten so. „Ihr Sohn provoziert seine Mitschüler im Unterricht“ stand in einer regelmäßigen Notiz an die Eltern. Das sollte sich ändern...

Klare Regeln mussten her. Und die fangen hier bereits bei der Kleidung an: Barfuß wird die Turnhalle betreten. Schuhe sind tabu! Ein Stückchen weiter oben beginnt die weiße Hose, darauf tragen auch die anderen Kinder einen weißen Judogi, so nennt sich der Kittel, der zum Outfit der Judo-Sportler gehört.

Während Tim stolz seinen organgefarbenen Gürtel präsentiert, hat Moritz gerade den gelben mit dem organgefarbenen Streifen erhalten. Inzwischen ist der Elfjährige im Verein aufgenommen worden und Mitglied der Gemeinschaft. Er ist zwar noch weit vom Meistergürtel mit der Farbe Schwarz entfernt, aber „beim Judo kommt es auch nicht darauf an, so schnell wie möglich sämtliche Gürtel einzuheimsen“, erklärt Judo-Trainerin Karin Hölscher.

1991 gegründet

Die 59-Jährige trainiert seit etlichen Jahren Kinder-, Jugend- und Erwachsenengruppen in der Kampfsportart. Der Budo Sport Club Geilenkirchen, der im Jahr 1991 gegründet wurde, zählt derzeit stolze 170 Mitglieder.

Die jüngsten Teilnehmer sind gerade einmal fünf Jahre alt. Nach oben hin ist keine Grenze gesetzt, wobei das älteste Mitglied derzeit 63 Jahre alt ist. „Budo ist der Überbegriff für alle Kampfsportarten. Zur Zeit konzentrieren wir uns aber ganz auf den Judosport für Kinder und Erwachsene“, betont Hölscher, die auch die Geschäftsführerin des Vereins ist.

Diese Sportart könne, „auch wenn es ein Kampfsport ist“, helfen, das Einfühlungsvermögen zu fördern und Gewalthandlungen vorzubeugen. Schließlich lernen die Kinder zuallererst die Werterhaltung, dazu gehören etwa Respekt, Mut, Standhaftigkeit und Toleranz.

„Die Sorge, dass beim Rangeln und fairen Raufen Aggressionen geschürt und die Kinder gewalttätig werden, ist absolut unbegründet“, verspricht Hölscher, „Schlagen, Kratzen und Beißen gehören hier nicht her“.

Auch Hölscher trägt den schwarzen Gürtel. Zu wissen, wie man sich verteidigt sei sehr wichtig, für Kinder noch mehr als für Erwachsene. Aber nicht nur die Kunst, jemanden aufs Kreuz zu legen, wenn Gefahr droht, habe sie selbst dazu angehalten, Kindern diese Kampfsportart beizubringen: „Viele Kinder leiden heutzutage an motorischen Schwächen. Einige können noch nicht einmal eine Rolle vorwärts. Im Judo lernen sie ihren Körper erst einmal richtig kennen und wie man ihn einsetzt.“

Techniken wie etwa „o-goshi“ oder der „Kuzure-kesa-gatame“ sollen dabei helfen, den Gegner auf den Boden zu werfen und sich selbst richtig abzufangen.

„Beide Richtungen werden trainiert. Es ist wichtiger als man denkt, vieles mit rechts und mit links zu können. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist“, erklärt die Judo-Trainerin.

Tipps geben, Tricks verraten

Derweil beobachtet sie Kerstin und Jan. Die beiden sind ihr ganzer Stolz. Schließlich hat Hölscher sie persönlich ausgebildet und erfreut sich nun daran, dass die Jugendlichen nun auch einen Trainerschein absolviert haben und sich um die Gruppen der jüngeren Mitglieder kümmern, einschreiten können, Tipps geben und Tricks verraten.

„Vielleicht“, hofft Moritz, „bekomme ich auch irgendwann einmal den schwarzen Gürtel und darf trainieren.“ Gewalt ist für ihn keine Lösung mehr. Diese Sportart ist ein Ausgleich, sagen auch seine Eltern. Hölscher fügt noch hinzu: „Die Regel ,Nicht angreifen, aber verteidigen, wenn man angegriffen wird‘ wird hier groß geschrieben.“

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