Josef Etzig: Sein Name steht für den Umbruch der Stadt

Von: Franz Windelen
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Früher hat er das große Feld
Früher hat er das große Feld der Kommunalpolitik beackert, heute kümmert sich Stadtdirektor a.D. Josef Etzig um den eigenen Garten. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. In den 70er Jahren veränderte Übach-Palenberg in rasantem Tempo sein Gesicht. Aus der rustikalen Bergbaugemeinde entwickelte sich eine moderne Stadt. Und - wenn man so will - jene Urbanisierung der Zechengemeinde vor rund vier Jahrzehnten hat ein Mann maßgeblich forciert: Josef Etzig.

Der heute 81-Jährige war von 1972 bis 1992 Stadtdirektor in Übach-Palenberg. Am 1. Mai, am Tag der Arbeit, ging er in den wohlverdienten Ruhestand. „Da war ich 62 Jahre und neun Tage alt”, erinnert sich Josef Etzig im Gespräch mit dieser Zeitung noch punktgenau.

Damit ging für ihn eine erfolgreiche, 20-jährige Zeit als Chef im Rathaus, dem weißen Haus Übachs, zu Ende. Heute blickt er selbstzufrieden und dennoch in aller Bescheidenheit zurück: „Mir ist damals vieles, fast alles gelungen. Aber auch nur, weil ich eine gut funktionierende Verwaltung und einen Stadtrat mit den ehrenamtlichen Bürgermeistern Fred Sybertz und Werner Müller hinter mir wusste, die mich unterstützten.”

Es war eine besondere, eine besonders schwere Zeit, damals Anfang der 70er Jahre. „1962 machte die Zeche Carolus Magnus dicht und hatte damit der Kommune erhebliche Strukturprobleme hinterlassen”, markiert Josef Etzig das Fundament, auf das er in den 20 Jahren als Stadtdirektor Neues, Zukunftsträchtiges für Übach-Palenberg aufbauen musste.

„Arbeitsplätze mussten geschaffen werden, damit verbunden waren der Erwerb und die Erschließung von Grundstücken. Erschwerdend kam hinzu, dass mehr als 42 Prozent des Wohnungsbestandes noch ein Plumpsklo hatten - vorwiegend in den Bergbausiedlungen.”

Die Verlegung von Kanälen und die Wohnumfeldverbesserung standen ganz oben auf der Dringlichkeitsliste. „Insgesamt 15 Jahre waren erforderlich, um das alles zu realisieren.” Allein hätte die durch das Zechenaus gebeutelte Kommune die Finanzierung nicht stemmen können.

„Da war Klinkenputzen angesagt, um namhafte Zuschüsse bei Land und Bund locker zu machen. Und natürlich waren gute Kontakte wichtig”, erzählt der Mann, der keinen Weg zu den Behörden bis hin nach Düsseldorf ausgelassen hat. Und jene bewegte und bewegende Vergangenheit lässt seine Augen leuchten.

Die Altlasten des Bergbaus, der den Menschen zuvor Brot und Arbeit gebracht hatte, entpuppten sich als äußerst störend für die städtebauliche Entwicklung der Kommune. „Die ehemaligen Produktionsstätten waren zum Teil schlimm schadstoffbelastet und bildeten mittlerweile als Ruinen mitten in der Stadt ein furchtbares Bild”, erinnert sich Etzig.

Erst ein Brief des Stadtdirektors an den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau war der Auslöser dafür, dass die Missstände endlich beseitigt wurden. „Das Land kaufte über die landeseigene Landesentwicklungsgesellschaft das Zechenareal. Dieser Erwerb und die vorangegangene Dekontaminierung der Flächen kostete das Land insgesamt 30 Millionen Mark.”

Mit dem allmählichen Verschwinden der Trümmerlandschaft wurde auch der Weg für eine Stadtkernsanierung in Übach und Palenberg frei. Der raue Charme der späten 60er Jahre verblasste, das Aussehen der Stadt gewann an Modernität und Attraktivität.

Das Naherholungsgebiet Wurmtal, seinerzeit das erste dieser Art im Kreis Heinsberg, wurde vor 26 Jahren eingeweiht. Das Schulwesen wurde neu geordnet. Unter Etzigs Regide wurde 1975 das Schulzentrum für eine vierzügige Hauptschule und eine zweizügige Realschule gebaut, dazu die vierteilige Turnhalle und das PZ mit seinen 600 Sitzplätzen und der Bühne für kulturelle Veranstaltungen. Der Generalverkehrsplan mit Schaffung der wichtigen Nordtagente wurde verabschiedet.

Kurz vor seiner Pensionierung, in den Jahren 1990/91, beteiligte sich der engagierte Verwaltungsmensch am Aufbau Ost: „Ich dozierte an Wochenenden in Seminaren für Bedienstete in den neuen Bundesländern.”

Nach der Pensionierung war er in der Privatwirtschaft als Berater tätig. Mitte der 90er übernahm Etzig zudem die Verwaltung von Grundstücken. „Aus Altersgründen habe ich vor einigen Jahren die Verwaltung der meisten Immobilienobjekte an andere übergeben”, sagt der 81-Jährige.

Josef Etzig bereut es zu keinem Moment, Stadtdirekor von Übach-Palenberg gewesen zu sein. Das Verwalten vor 30, 40 Jahren war anders. Würde Josef Etzig unter den heutigen Rahmenbedingungen und Zwängen ein hauptamtlicher Bürgermeister sein wollen?

Die Anwort ist eher sybillinisch: „Alle Probleme lassen sich irgendwie lösen”, erklärt er, „und die Zeiten damals, als mit dem Wegfall der Zeche die Steuerkraft gegen Null tendierte, war auch nicht einfach.”

Zur aktuellen Übach-Palenberger Kommunalpolitik, die in den Berufsjahren des SPD-Mitgliedes Etzig stets rot war, möchte er sich lieber nicht äußern: „Ich verfolge zwar noch aufmerksam das Geschehen, doch kommentieren möchte ich es nicht.”

Josef Etzig möchte seine Ruhe, seinen Ruhestand nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen Stammtisch-Freunden, er liest viel und reist viel. Und: „Ich genieße jeden Tag mit meiner Ehefrau und freue mich über meine fünf Enkel und zwei Urenkel.”
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