Immendorf - Integrative Sportstunde ist ein Erfolgsmodell

Integrative Sportstunde ist ein Erfolgsmodell

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Schritt für Schritt über die Hängebrücke: Im Dschungel ist das an der Tagesordnung. Fotos (6): Classen Foto: Classen

Immendorf. Die Zukunft liegt im Dschungel. Und den hat Yvonne Kauhl in der Turnhalle der Grundschule Immendorf entstehen lassen. Die Erzieherin leitet die integrative Sportstunde, die dort seit etwa anderthalb Jahren wöchentlich angeboten wird. Jeden Dienstag, von 14 bis 15 Uhr, treffen sich dort 17 Kinder im Kita-Alter.

Anschließend gibt es von 15 bis 16 Uhr ein offenes Turnangebot für Kinder ab dem fünften Lebensjahr. Und weil Kauhl den Kleinen Woche für Woche etwas Neues bieten will, hat sie sich diesmal eben für den Dschungel entschieden.

Wacklige Hängebrücken gilt es zu überqueren, genau wie schmale Stege, auf denen sich zu allem Überfluss auch noch einige Hindernisse breitgemacht haben. Lianen gibt es natürlich auch. Und weil sie bis zur Decke reichen, wären sie wahrscheinlich sogar für den in die Jahre gekommenen Tarzan eine Herausforderung.

Dass die Kinder bei der Expedition in den Dschungelparcours eine Menge Spaß haben, ist nicht zu übersehen. Dass sie die Stationen in ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewältigen, auch nicht. Vier der 17 Kinder haben eine Behinderung, es sind „Kinder mit Förderbedarf”, wie Kauhl es formuliert.

Die Beweggründe, die integrative Sportstunde ins Lebens zu rufen, beschreibt Birgit Roye folgendermaßen: „Wir sind immer wieder der Problematik begegnet, dass Eltern uns sagten: ´Wir können unser Kind nicht in einen Sportverein schicken.´” Weil die Betreuer dort mit einem behinderten Menschen meist schlichtweg überfordert sind.

Statt sich mit der Situation abzufinden, beschloss Roye, Leiterin der integrativen Kita Geilenkirchen - eine Einrichtung der Lebenshilfe Heinsberg - zu handeln. In Ursula van den Borst fand sie eine Mitstreiterin, bei der sie nicht erst langwierige Überzeugunsarbeit leisten musste.

Und deswegen kann van den Borst, Leiterin der Kita Immendorf, heute eine sehr positive Zwischenbilanz in Sachen integrative Sportstunde ziehen: „Es hat sich alles hervorragend eingespielt.”

So gut sogar, dass das Angebot, das von den beiden Kitas maßgeblich initiiert worden war, mittlerweile aus den sprichwörtlichen Nähten platzt. „Wir würden locker noch eine Gruppe zusammenbekommen”, sagt van den Borst. „Wir planen eine Erweiterung der Altersgruppe auf den Bereich der Kinder ab zwei Jahre”, sagt Roye.

Die beiden Kita-Leiterin betonen, dass ohne die große Unterstützung des Sportvereins FC Rhenania Immendorf das Projekt nie hätte realisiert werden können. Und Dank gelte nicht zuletzt auch der Stadt Geilenkirchen, die die Sporthalle und Personal zur Verfügung stellt.

„Wenn die Kindertagesstätten schon selbstständig solch ein tolles Projekt initiieren, ist es für uns selbstverständlich, dass wir es unterstützen”, sagt Herbert Brunen. Der Beigeordnete der Stadt Geilenkirchen finden es toll zu sehen, wie normal die Kinder miteinander umgehen und er würde es begrüßen, wenn die integrative Sportstunde in Immendorf eine Art Vorbildfunktion hätte.

„Sollte es weiterer dieser Ideen an anderen Kitas geben, sind sie bei uns herzlich willkommen.” Nicht zuletzt weil das Thema Integration eines der zentralen Zukunftsfelder unserer Gesellschaft sei. Dass es dabei noch einiges zu beackern gibt, ist Brunen klar, Und gerade deswegen sind Initiativen wie die in Immendorf unbezahlbar.

Seit die UN-Behindertenrechtskonventionen im Jahr 2009 in Deutschland Rechtskraft erlangten, haben Eltern von Kinder mit Behinderung die Möglichkeit, die Beschulung ihres Nachwuchses an einer Regelschule auf dem Rechtsweg durchzusetzen. Das gedankliche Konzept, auf dem dieser Schritt basiert nennt sich Inklusion. In Abgrenzung zum Begriff der Integration gibt es bei der Inklusion keine Unterscheidung zwischen Kinder mit und ohne Förderbedarf.

Vielmehr beruft sich das Konzept auf die Menschenrechte und fordert, dass Bildungseinrichtungen die Bedürfnissen all ihrer Besucher befriedigen können müssen. Das heißt: Wenn Eltern den Besuch ihrer behinderten Kinder auf einer Regeleinrichtung auf dem Rechtsweg durchsetzen, müssten im Gebäude entsprechende Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Deswegen sind Angebote wie die integrative Sportstunde in Immendorf für die chronisch klammen Kommunen unbezahlbar.

Dass es dabei aber um viel mehr als Geld geht, hebt Roye hervor: „Es geht um das Gefühl: Ich gehöre dazu. Ich bin Teil der Gesellschaft.” Woche für Woche kommt man diesem Ziel in Immendorf ein kleines Stückchen näher. Schritt für Schritt geht es Richtung Zukunft. Der Weg führt über wacklige Hängebrücken und schmale Stege.
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