Gangelt-Birgden - Inklusion auch in der Arbeitswelt

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Inklusion auch in der Arbeitswelt

Von: red
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Gangelt-Birgden. Wenn die ersten Kunden früh morgens das Kiosk „Bei Heike und Rudi“ an der Bahnhofstraße in Gangelt-Birgden betreten, grüßt Robert Schmitz hinter der Theke mit einem freundlichen „Guten Morgen!“ Längst ausgeschlafen, hat er bereits frische Brötchen belegt, die Tageszeitungen einsortiert und die Regale aufgefüllt.

Der ganze Raum duftet nach frischem Kaffee. Auch wenn er erst seit drei Monaten als neuer Angestellter im Team mitarbeitet, kennt Robert schon die zahlreichen Arbeitsabläufe des Kiosks. Und er kennt bereits das halbe Dorf: Denn zwischen Lebensmitteln, Zeitschriften und Snackregalen treffen sich die Birgdener Bürger, kommen mal eben rein auf einen heißen Kaffee und tauschen Neuigkeiten aus.

Robert Schmitz fühlt sich richtig wohl hinter der Theke. Die Arbeit im Servicebereich hat er zuvor im Heinsberger Café der Begegnung der Lebenshilfe Heinsberg kennengelernt. Seit 2007 betreibt die Werkstatt für behinderte Menschen mehrere Cafés in Heinsberg, Erkelenz und Wegberg und bietet dadurch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, die Arbeit im Service zu erlernen. Denn gerade hier findet Begegnung statt.

„Die Werkstatt für behinderte Menschen hat den Auftrag, eine berufliche Förderung und Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, dafür engagieren wir uns im Kreis Heinsberg seit fast vier Jahrzehnten“, erklärt Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe Heinsberg.

Heute erhalten über 1100 Menschen aus dem Kreis Heinsberg einen Arbeitsplatz in einem der Werkstattbetriebe in Heinsberg, Oberbruch oder Erkelenz. „Und wir sind ständig auf der Suche nach interessanten Arbeitsfeldern, die wir für Menschen mit Behinderung erschließen können.“

Dabei werden die Grenzen zwischen dem ersten Arbeitsmarkt und der Werkstatt für behinderte Menschen langsam abgebaut: „Inklusion findet heute auch im Arbeitsleben statt, und hier machen wir uns stark für individuelle Arbeitsperspektiven“, so Edgar Johnen. Denn heute schon arbeiten Menschen mit Behinderung in anderen Firmen im Kreis Heinsberg und erhalten je nach Bedarf eine pädagogische Förderung und Begleitung vor Ort.

Dieses Außenarbeitsplatz-Konzept ist noch sehr jung, aber die Erfolge sind bemerkenswert: Mittlerweile arbeiten Mitarbeiter der Werkstatt für behinderte Menschen im Betrieb eines Heinsberger Großbäckers oder als Helfer auf einem Recyclinghof. In einem Betrieb in Erkelenz konnte sogar eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe mit ständiger arbeitspädagogischer Begleitung durch die Lebenshilfe-Werkstatt realisiert werden.

„Am Anfang ist es oft nicht leicht, Betriebe für unsere Sache zu gewinnen“, erklärt Edgar Johnen, „wir müssen die Bedenken ausräumen und überzeugen, dass Menschen trotz ihrer Behinderung engagierte Arbeitnehmer sind. Dabei erkennen die meisten Arbeitgeber bereits nach kurzer Zeit, welchen sozialen und wirtschaftlichen Gewinn das Unternehmen durch die Realisierung des neuen Arbeitsplatzes erhält.“

Heike und Rudi Kluge, die Betreiber des Birgdener Kiosks, hatten schon länger die Idee, einen Menschen mit Behinderung in ihrem Team aufzunehmen. „Wahrscheinlich wird der neue Kollege in der ersten Zeit nur nebenher laufen, dachten wir am Anfang. Aber wir hatten uns total getäuscht“, lacht Rudi Kluge heute. „Denn Robert ist eine großartige Unterstützung. Er sieht sofort, welche Tabakwaren aufgefüllt oder welche Wochenzeitungen nachbestellt werden müssen, mittlerweile fahren wir gemeinsam montags zum Großhandel und kaufen die neue Ware ein.“

Und für die Kunden scheint gar nichts anders zu sein als vorher. „Den Robert kenne ich jetzt schon seit einigen Wochen“, sagt Stammkunde Edmund Boxbücher, „dass er eine Behinderung hat, ist mir gar nicht aufgefallen“, stellt er fest und bestellt gleich noch einen Kaffee beim Robert – denn man ist hier längst per du.

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